11.05. 993 Läufer sammeln in Döbeln 26.900 Euro

Beim Lauf mit Herz gehen 337 Teams an den Start und drehen rund 15.300 Stadionrunden.

Sandra Zühlke beteiligt sich zum vierten Mal am Lauf mit Herz. Dass dies überhaupt einmal möglich sein würde, hätte niemand gedacht. Im Alter von einem Jahr wurde bei ihr ein Knochentumor diagnostiziert. „Mit 18 hatte ich den letzten Rückfall“, erzählt sie und erinnert sich an viele Chemotherapien, Cortison und tonnenweise Tabletten.

Zu den Läufern, die Runde um Runde im Stadion Bürgergarten gedreht haben, gehörten auch sechs Döbelner Feuerwehrleute, die in voller Ausrüstung auf die Strecke gingen. Dietmar Thomas


Es sei für sie als Kind nicht schön gewesen, nur zuschauen zu können, wenn ihre Klassenkameraden und Freunde mit den Inlineskatern oder Skateboards unterwegs waren. „Bei einem Sturz hätten meine Knochen aber kaputt gehen können und ich wäre vielleicht im Rollstuhl gelandet“, sagt die heute 33-Jährige.

In dieser Zeit habe ihr der Verein Sonnenstrahl sehr geholfen. Er habe die Familie bei Fahrten unterstützt, und die Spaßveranstaltungen hätten für Ablenkung gesorgt. „Da waren andere Kinder, denen es genauso ging, mit denen ich reden konnte. Und während wir miteinander gespielt haben, konnten sich die Eltern austauschen“, erzählt die junge Frau. „Heute sind die Ärzte mit mir zufrieden – und ich auch.“

Sandra Zühlke jetzt treibt sogar dreimal pro Woche Sport, zweimal im Fitness-Studio und einmal Reha-Aquafitness. Das Training dient zur Stärkung der Muskeln und ermöglicht ihr, in einem der neun Teams des Sonnenstrahls mitzulaufen. Dabei schränkt sie ein: „Es ist eher ein schneller Spaziergang.“

Antje Herrmann (links) und Sandra Zühlke liefen für den Verein Sonnenstrahl. Dietmar Thomas


Für den Verein, der krebskranke Kinder und Jugendliche sowie deren Familien unterstützt, sind beim 19. Lauf mit Herz 337 Teams mit 993 Läufern angetreten. Die kommen aus 18 Schulen und 14 Firmen. Aber auch Familien und die Jugendfeuerwehren Etzdorf und Großweitzschen sind dabei. Sechs Döbelner Feuerwehrleute gehen in voller Ausrüstung mit Atemschutz auf die Strecke. Auch die Judoka in ihren typischen weißen Anzügen sind nicht zu übersehen.

In einer Stunde drehen die Läufer 15 255 Runden im Stadion am Bürgergarten. Am Ende stehen genau 26 847,40 Euro zu Buche, sagt Lehrerin Ursula Kührig, die alle Zahlen genau notiert. Damit kommt beim größten Spendenlauf in Mittelsachsen fast genau derselbe Betrag wie im Vorjahr zusammen. Besonders hebt Ursula Kührig die Schlossbergschule hervor, die schon im Vorfeld des Laufs 1 070 Euro gesammelt hat.

Fabienne und Jonas haben die Läufer permanent mit erfrischendem Wasser versorgt. Dietmar Thomas


Wie immer hat das Lessing-Gymnasium den Lauf organisiert, von dem Schulleiter Michael Höhme begeistert ist. „Es ist eine tolle Leistung, dass der Lauf keine Eintagsfliege geblieben ist, sondern kontinuierlich jedes Jahr wieder erfolgt. Dass auf die Partner und Sponsoren Verlass ist, ist ein großes Glück für uns“, sagt er.
Matthias, Linda und Christiane (von links) funktionierten die Verpflegungstüten kurzerhand zu Regenmützen um. © Dietmar Thomas

Auch Antje Herrmann, Geschäftsführerin des Vereins Sonnenstrahl, freut sich über die langjährige Unterstützung der Döbelner. Das Geld aus dem Spendenlauf sei in den vergangenen Jahren in die psychosoziale Beratung der Familien mit krebskranken Kindern geflossen. „Das ist ein Projekt der Nachsorge nach einer Ausnahmezeit, in der sich die Familien befunden haben“, erklärt sie. Dazu gehöre nicht nur, das erkrankte Kind in einen normalen Alltag zurückzuführen, sondern auch Geschwistertage, damit die Kinder eine eigene Plattform für sich finden. Die Zahl der Elternzimmer, die es den Müttern und Vätern ermöglichen, während der Erkrankung in der Nähe ihrer Kinder zu sein, konnte mit dem Döbelner Geld von sieben auf elf erhöht werden.

Matthias, Linda und Christiane (von links) funktionierten die Verpflegungstüten kurzerhand zu Regenmützen um. Dietmar Thomas


Der Betrag, der in diesem Jahr erlaufen wird, soll für die Kunst- und Musiktherapie in der Klinik genutzt werden. Die bezahlt die Krankenkasse nicht. Für die Kinder ist die Therapie eine Abwechslung vom Krankenhausalltag. „Manche erlernen sogar ein Instrument“, so Antje Herrmann.

Döbelner Anzeiger
Cathrin Reichelt
11.05.19