02.02. Nachtschicht
Olga Scheck und Klaus Vejrazka gestern bei der Vorbereitung der Ausstellung "Das ist mein Fenster". Foto: Wolfgang Sens
Kunstaktion um Rilke: "Das ist mein Fenster"
Eine "Nachtschicht", in der sich vieles um den Lyriker Rainer Maria Rilke rankt, kann am Freitagabend an mehreren Schauplätzen in Döbeln besucht werden. Es handelt sich um ein gemeinschaftliches Kunstprojekt der Kleinen Galerie, des Mittelsächsischen Theaters und des Lessing-Gymnasiums Döbeln. Es kommen Freunde der Malerei, des Tanzes, der Musik und der Sprache auf ihre Kosten. "Das ist mein Fenster" - so ist die außergewöhnliche Veranstaltung überschrieben. Es handelt sich dabei um die erste Zeile des Rilke-Gedichtes "Die Liebende".
Los geht es um 21 Uhr in der Kleinen Galerie im Rathaus mit einer Ausstellung von Werken der Döbelner Malerin Olga Scheck. Sie zeigt Collagen, zu denen die Künstlerin durch Rilke-Texte inspiriert wurde sowie weitere Arbeiten der letzten drei Jahre. Die Einführung in die Ausstellung gibt Kunst-Pädagoge Klaus Vejrazka. Die Tanzperformance "Punktlandung" des Ensembles Anasages aus Chemnitz schließt um 22 Uhr in der Galerie an. Danach gibt es ab 22.30 Uhr eine Sprachkunstaktion mit Klaus-Peter Fischer und Hagen Kunze vom Mittelsächsischen Theater. Vorgesehen war diese eigentlich auf dem Obermarkt. Wegen der Eiseskälte wird die Aktion ins Treppenhaus des Rathauses verlegt, das sich dafür mindestens genauso gut eignet. "Das wird sehr spontan ablaufen. Es werden Fragmente von Rilke-Versen zitiert, dabei ist die Einbeziehung des Publikums geplant", so Kathrin Fuchs von der Kleinen Galerie. Damit ist die "Nachtschicht" noch lange nicht zu Ende. Im Theaterkeller des Lessing-Gymnasiums beginnt um 23 Uhr die musikalisch-literarisch-künstlerische Live-Aktion "Rilke hier und heute". Mit dabei die Lessing-Band, Olga Scheck, Klaus Vejrazka, Klaus -Peter Fischer und Hagen Kunze.
Döbelner Allgemeine Zeitung
Olaf Büchel
02.02.2012
Ein Kunstspaziergang zur Nacht
Die Döbelner Malerin Olga Scheck zeigt Bilder zur Gedichten von Rainer Maria Rilke. Die Eröffnung der Ausstellung ist der Beginn einer "Nachtschicht", die auf dem Obermarkt und im Lessing-Gymnasium fortgesetzt wird. Foto: Dietmar Thomas
So vieles kommt sonst selten zusammen bei einer Kunstausstellung in der Kleinen Galerie. Dieses Mal dürften sich Freunde der Malerei, der Dichtkunst und der Bewegung an frischer Luft gleichermaßen angesprochen fühlen. Nach der Ausstellungseröffnung am Freitagabend gibt es noch eine „Nachtschicht“ im Gymnasium. Auf dem Weg dorthin erleben die Gäste auf dem Obermarkt eine Sprachperformance mit Gedichten von Rainer Maria Rilke.
Um Rilke dreht sich alles an diesem Abend. Der berühmte Dichter ist es auch, der Olga Scheck zu ihren Bildern inspiriert hat. Als sie vor einigen Jahren die ersten Gedichte Rilkes las, fühlte die Malerin gleich eine Art Seelenverwandtschaft zu dem Lyriker. 2006 entstanden die ersten Papierkollagen, danach weitere. „Das sind keine Illustrationen der Gedichte. Ich drücke damit meine Empfindungen und Gefühle aus“, sagte sie. Unter ihren Ölbildern hat sie auch einige gefunden, die zu den Versen des Dichtergenies passen. Landschaften sind dabei, Stillleben, impressionistische Blumenbilder. Das alles ergibt die Ausstellung „Das ist mein Fenster“.
Die Nachtschicht in Zusammenarbeit mit dem Mittelsächsischen Theater beginnt spät am Freitagabend. Um 21 Uhr ist Ausstellungseröffnung. Claus Vejrazka, Kunsterzieher am Lessing-Gymnasium, spricht zu den Bildern Olga Schecks. Das Theater Anasages aus Chemnitz folgt mit einer Tanzperformance.
Der Nacht wird noch länger. 22.30 Uhr startet eine „Sprachkunstaktion im öffentlichen Raum“ auf dem Obermarkt. Klaus-Peter Fischer und Hagen Kunze vom Mittelsächsischen Theater sprechen Gedichte von Rilke. Aufwärmen dürfen sich die Gäste dann im Theaterkeller des Gymnasiums, wo es heißt „Rilke hier und heute“. Dort spielt auch die Lessing-Band. Olga Scheck und Klaus Vejrazka lassen sich von Rilkes Gedichten zu Bildern inspirieren, die sie gleich an Ort und Stelle aufs Papier bringen.
Diese Zeichnungen bekommen übrigens auch die Gäste des Bühnenballs am Sonnabend zu sehen. Dort werden sie nämlich versteigert. „Das Geld soll für die künstlerische Arbeit mit Jugendlichen am Lessing-Gymnasium verwendet werden“, sagte Kathrin Fuchs von der Kleinen Galerie.
Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
02.02.2012

