03.03. "Voll eklig!"
Achtklässler des Lessing-Gymnasiums wollen mit eigenem Film Jugendliche vom Rauchen abhalten
Mareike Erazim reagiert heftig: "Mann, wie du wieder riechst. Deine Sachen, deine Haare, alles stinkt nach Zigarettenqualm. Das ist voll eklig!" Der Gescholtene, Georg Ernst, schaut ziemlich betröppelt drein, fühlt sich schon ein wenig schuldig.
Das Ganze ist eine Szene aus einem Film, der während des zweitägigen Nichtraucher-Projektes "Be smart, dont start" in dieser Woche in der Klasse 8e des Lessing-Gymnasiums entstanden ist. Die Mädchen und Jungen der Döbelner Schule hatten sich bei der Sächsischen Landeszentrale für Gesundheitsförderung darum beworben, einen solchen Film drehen zu können und erhielten als eine von vier Klassen in Sachsen den Zuschlag. Das ist mit einer Förderung verbunden. Das heißt, die Achtklässler erhielten professionelle Unterstützung durch ein Leipziger Filmstudio.
Nach den Dreharbeiten erfolgte der Schnitt, um die einzelnen Szenen passend zusammenzufügen. Die Achtklässler waren bei dem Filmprojekt eifrig bei der Sache. Foto: W. Sens
In der Geschichte sind Mareike und Georg die Hauptdarsteller, sie gehen miteinander. Doch dass er immer wieder zum Glimmstengel greift, turnt sie ab. "Das Thema Sport und Zigaretten, also dass du keine so gute Kondition hast, wenn du rauchst, ist zu abgedroschen. Deshalb haben wir uns für diese Beziehungsgeschichte entschieden", erklärt der Achtklässler Tim Berger, der während des Projektes die Rolle des Regisseurs übernahm. Seine Erfahrungen, die er auf der Schauspielschule in Berlin gesammelt hat, kamen ihm dabei zugute. Klassenlehrerin Katrin Niekrawietz ergänzt: "Die Jugendlichen wissen, dass viele bekannte Leistungssportler zur Zigarette greifen. Mit Sport braucht man also gar nicht zu kommen. Doch wenn es die Freundin eklig findet, dass der Freund raucht, dann bewirkt das möglicherweise mehr."
Die Idee für den Kurzfilm war also entwickelt. Nun ging es an die Umsetzung. Jeder erhielt eine Aufgabe: Vom Drehbuchschreiber, Schauspieler und Statisten, über Kameramann, Tontechniker und Beleuchter bis hin zum Requisiteur, Filmmusiker und Werbespot-Designer wurde wie im richtigen Filmgeschäft alles gebraucht. Am ersten Projekttag wurden die verschiedenen Szenen gedreht - es gibt sowohl Außen- als auch Innenaufnahmen, am zweiten Tag erfolgte der Zusammenschnitt des am Ende maximal vier Minuten langen Streifens. Richard Köhler und Sebastian Matthes komponierten die Musik dafür.
Demnächst soll der Film auf Youtube veröffentlicht werden. Bei einem Elternabend im April wird das Projektergebnis ebenfalls vorgestellt, so Niekrawietz. Da es sich auch um einen Wettbewerb handelt, wird der Film natürlich der Landeszentrale für Gesundheitsförderung vorgestellt. "Die Sieger bekommen eine Klassenfahrt bezahlt", sagt Tim Berger. Dann fügt er schnell hinzu: "Vor allem hoffen wir, dass unsere Botschaft ankommt."
In der Klasse 8e des Gymnasiums raucht übrigens nach Aussage der Schüler kein einziger. Das wird in dem kurzen Animations-Spot, der sich an den Film anschließt und den Karl Schulz und Franz Tempel in mühevoller Arbeit komplett selbst erstellt haben, treffend ausgedrückt. Darin begegnen sich eine Rolle Klopapier und eine Zigarette. Dann wird eingeblendet: Beides für den Arsch!
Döbelner Allgemeine Zeitung
Olaf Büchel
03.02.2012

