17.09. Do swidanja! am Lessing-Gymnasium
Zehnter Schüleraustausch zwischen Moskauer und Döbelner Gymnasium geht am Sonnabend zu Ende
Mit einem zusammen erarbeiteten kulturellen Abendprogramm und einem Abschiedsabend ging am Donnerstagabend der zehnte Schüleraustausch zwischen dem Lessing-Gymnasium Döbeln und dem Moskauer Gymnasium 1543 zu Ende. Fast zwei Wochen lang lernten 16 Moskauer und 16 Döbelner Schüler gemeinsam, lebten in ihren Familien zusammen und nutzten die Zeit für Ausflüge.
"Es war ein toller Austausch. Die Ausflüge waren toll. Richtig klasse fand ich auch die Wochenenden mit meinem Gastbruder Florian Scholl und seiner Familie", schwärmt der 14-jährige Aram aus Moskau. Besonders cool sei eine Party gewesen, die er mit Flori besucht habe, und das Rudern auf dem Kriebsteinsee. Nun hofft Aram, dass Florian nächstes Jahr beim 11. Schüleraustausch zu ihm nach Moskau kommt. So geht es auch Nastja. Sie hat bei Familie Bauer gewohnt und sich mit Nadine Bauer angefreundet. "Die Atmosphäre beim Schüleraustausch hat mir gefallen. Auch die deutschen Städte, die wir besucht haben, waren toll. Nächstes Jahr freue ich mich, meine Döbelner Freundin Nadine in Moskau zu begrüßen", sagt die 15-Jährige.
Mit einem kulturellen Dankeschön
verabschiedeten sich die 16 Moskauer Schüler und ihre drei Begleiter am Donnerstagabend in der Aula des Lessing-Gymnasiums von ihren Gasteltern aus der Region Döbeln und den Döbelner Russischlehrerinnen für einen gelungenen zehnten Schüleraustausch. Foto: Thomas Sparrer
Mit einem gemeinsam erarbeiteten Rap, mit eigenen Liedern und einem zweisprachigen Programm über Katharina die Große gaben die deutschen und russischen Schüler Donnerstagabend einen Einblick in die gemeinsame Projektarbeit während des Schüleraustausches. Eingeladen waren dazu die Gasteltern, Lehrer und ehemalige Schüler des Lessing-Gymnasiums, die in den vergangenen Jahren am Schüleraustausch teilgenommen hatten. So erinnerte sich Lisa Schiegl, Abiturientin von 2009, an die Besuche in Moskau und die Gegenbesuche in Döbeln. Die Freundschaft mit Marina aus Moskau hält seitdem. Erst in diesem Sommer trafen sich beide wieder und verlebten in Deutschland ein paar Ferientage.
Russischlehrerin Dr. Monika Brosch, die den Austausch vor zehn Jahren ins Leben rief, dankte den gastgebenden Eltern, den beteiligten Kollegen, der Schulleitung und dem Förderverein des Gymnasiums. 3000 bis 4000 Euro kostet der Austausch. Größter Geldgeber ist dabei die Stiftung deutsch-russischer Schüleraustausch aus Hamburg. Die sprang sogar noch kurzfristig für das Schulamt in die Bresche, welches in diesem Jahr aus der Finanzierung ausgestiegen war.
"Wir sind nicht ohne Grund im vergangenen Jahr als Europaschule ausgezeichnet worden", lobte Schulleiter Michael Höhme den gelungenen Schüleraustausch und bedankte sich bei seinen fünf Russischlehrerinnen für das damit verbundene außergewöhnliche Engagement. Im nächsten Jahr findet die elfte Auflage des Austausches vom 17. bis 28. September in Moskau statt.
Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
17.09.2011
Von Moskau nach Makritz
Wenn Mascha (15) aus dem Fenster ihres Gast-Kinderzimmers schaut, sieht sie Wiesen und Felder. Am Horizont drehen sich Windmühlen, und ab und zu sind auch weit entfernte Häuser zu sehen. Tritt sie aus der Tür des Hauses ihrer Gasteltern in Makritz, steht sie Mitten in der Natur. „Ich genieße die Ruhe und Abgelegenheit“, so die Moskauerin, die für 14 Tage am Schüleraustausch des Lessing-Gymnasiums teilnimmt. In Moskau wohnt sie in der Nähe der Universität, in einem Hochhaus im 24. Stock. Die vielen Autos und das Gedränge der Menschen vermisst Mascha nicht.
Jeden Morgen läuft sie mit ihrer neuen Freundin Lea-Marie Berger, die sie erst am Flughafen kennenlernte, etwa einen Kilometer zur Haltestelle, an der der Schulbus abfährt. So etwas kennt Mascha nicht. „In Moskau gibt es zum einen keine Schulbusse, sondern nur Linienbusse. Oft nutzte ich die U-Bahn gleich vor der Haustür“, so Mascha. Mit dem Auto in die Schule gebracht zu werden, lohne sich nicht. Die Autos würden ständig im Stau stehen und wenig vorwärts kommen, so die Moskauerin. Überhaupt mag Mascha die kleinen Autos, die hier oft gefahren werden. Sie findet sie niedlich und praktisch. Ihre Eltern haben dagegen einen großen Wagen. Das müsse aber sein. Denn im Sommer fährt die Familie von Mascha, der Vater ist Professor an der Universität und die Mutter ist die Inhaberin von Buchhandlungen, aufs Land. „Da die Straßen dorthin sind schlecht, wird ein großes Auto benötigt, erklärt Mascha.
Lea-Sophie (l.) aus Makritz
hat eine neue Freundin. Sie heißt Mascha und kommt aus Moskau. Sie ist zwei Wochen zu Gast bei Familie Berger und genießt die ländliche Idylle. Von der gibt es in Makritz jede Menge. Foto: Dietmar Thomas
Die Gymnasiastin besucht die 10. Klasse und lernt seit der 5. Klasse Deutsch. Englisch ist ihre erste Fremdsprache, Deutsch die zweite. Den Unterricht im Gymnasium kann sie recht gut folgen. Auch die Gespräche mit Lea-Marie und ihrer Schwester Lara-Sofie sowie deren Eltern seien sehr unterhaltsam. Und wenn es doch eine Sprachbarriere gibt, kann Gastmutter Dagmar Doms-Berger aushelfen.
Sie muss auch wegen Mascha keinen großen Aufwand in der Küche betreiben. Gegessen wird wie immer – am Morgen Müsli und am Abend warm. Gern verspeist werde das eine oder andere Stück vom frisch gebackenem Kuchen. Ansonsten passe Mascha sehr gut zur Familie, so Dagmar Doms-Berger. Sie hatte, bevor sie Mascha kennenlernte, Bedenken, dass das Bad am Morgen ständig besetzt sei. Nun ist die Mutter von zwei Mädchen doch etwas überrascht. „Mascha braucht überhaupt nicht lange. Sie schminkt sich auch noch nicht und ist völlig unkompliziert“, so die Gastmutter. Am Wochenende unternahmen sie Ausflüge in die Porzellan-Manufaktur Meißen und nach Moritzburg. Während Mascha in Meißen eine Porzellanfigur für ihre Mutter kaufte – weil diese Porzellan sammelt – kaufte Mascha für sich nur eine Stofftasche und eine Hose. „Die Sachen für junge Leute sind hier günstiger zu haben als in Moskau“, so Mascha.
Wenn Mascha von Döbeln und dem Gymnasium spricht, kommt sie ins Schwärmen. Die Schule sei sehr groß und habe viele Gebäude. Außerdem gebe es viele Arbeitsgemeinschaften. Die Architektur von Döbeln liebe sie, weil die Häuser nach Moskauer Verhältnissen relativ klein seien.
Jeden Tag war sie per Mail mit ihren Eltern in Moskau in Verbindung. Dort gehört die modernen Technik wie Handy und Laptop genauso zum Standard wie in Deutschland.
Im nächsten Jahr wird Lea-Marie ihre Freundin Mascha wiedersehen, dann allerdings in Moskau. Ein wenig traurig ist Lara-Sofie. Denn ihr hat es mit den zwei großen Schwestern ganz gut gefallen. „Das könnte immer so sein“, so die Achtjährige.
Döbelner Anzeiger
16.09.2011
Sylvia Mende
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