30.09. Döbelner Denkmalstreit beendet
Inschrift am Gedenkstein vor dem Lessing-Gymnasium wurde in dieser Woche geändert
Rechtzeitig vor dem 21. Vereinstreffens des Traditions- und Fördervereins des Lessing-Gymnasiums und der Verleihung des "Goldenen und Diamantenen Abiturs" am Wochenende ließ der Verein die seit vielen Jahren umstrittene Inschrift am Denkmal vor dem Gymnasium ändern.
Der Gedenkstein sollte ohnehin saniert werden so konnte die Inschrift nach einem Mitgliederentscheid auch gleich geändert werden. Der Verein hatte 1994 den Gedenkstein am Haupteingang des Gymnasiums zum 125-jährigen Bestehen der Schule gestiftet, um allen Schülern und Lehrern, die in der Nazidiktatur und auch später in der DDR-Zeit Opfer von Diktatur und Gewalt wurden, zu gedenken. Bei jedem Vereinstreffen wurden an dem Denkmal Blumen und Kränze niedergelegt. So wird es auch am Sonnabend wieder um 10 Uhr stattfinden.
Die Inschrift auf dem Gedenkstein "...die Opfer von Krieg, Unrecht und Willkür...1933 bis 1989" hatte aber jahrelang heftige Kritik ausgelöst, weil sie Nazidiktatur und DDR-Zeit scheinbar gleichsetzte. Prominentester Kritiker der Inschrift, der an das Gymnasium schrieb, war dabei Radlegende Täve Schur. Immer wieder wurde das Denkmal zudem beschmiert, der Haupttäter sogar wegen Sachbeschädigung verurteilt. Nun wurde nach Mitgliederbefragungen und Beschlüssen der Mitgliederversammlung mit der Sanierung des Gedenksteines die umstrittenen Jahreszahlen "1933 bis 1989" entfernt. Die mehrere Diktaturen zusammenfassende Jahresangabe war immer wieder überklebt oder beschmiert worden.
Die 320 Mitglieder des Traditions- und Fördervereins des Lessing-Gymnasiums waren seit Dezember 2010 zu einer Diskussion aufgerufen, wie die Inschrift künftig lauten soll. Aus mehreren Vorschlägen entschieden sie sich mehrheitlich, die Jahreszahlen künftig wegzulassen.
Der Sandstein des Denkmals am Gymnasium
wurde in dieser Woche saniert. Rechtzeitig vor dem 21. Vereinstreffen am Wochenende setzte der Traditions- und Förderverein des Lessing-Gymnasium auch den Mitgliederbeschluss um und entfernte die Jahreszahlen, die jahrelang für einen Denkmalstreit gesorgt hatten.
Einer, den die Entscheidung besonders freut, ist Wilfried Bretschneider. Der 70-Jährige aus Queckhain führte seit Jahren einen ganz massiven Kampf gegen die "Gleichmacherei von Opfern des Nationalsozialismus und der DDR-Zeit" auf dem Gedenkstein. Immer wieder griff er deshalb zum Stift und "korrigierte" die Inschrift. Im Januar 2010 wurde er vor dem Amtsgericht Döbeln wegen Sachbeschädigung zu 1000 Euro Geldstrafe verurteilt. "Ich fühle mich als Sieger und bin davon überzeugt, dass ohne mein Zutun die Inschrift in hundert Jahren nicht geändert worden wäre", sagte Wilfried Bretschneider im Gespräch mit der DAZ, nachdem im Vorjahr die Pläne zur Änderung der Inschrift bekannt geworden waren.
"Wir haben den Mitgliederbeschluss in dieser Woche umgesetzt. Genau noch rechtzeitig vor unserem 21. Vereinstreffen", freut sich Reinhard Zerge, Vorsitzender des Traditions- und Fördervereins. Steinmetze entfernten vor Ort die Jahreszahl im Zuge der Sanierung des Sandsteines, denn dieser hatte durch die Schmierereien und deren Entfernungen im Laufe der Jahre schon Schaden genommen.
Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
30.09.2011
21. Vereinstreffen steht vor der Tür
- Heute 19 Uhr Eröffnungsveranstaltung im Kunstgebäude mit zwei Vorträgen: "Neue Medien und Unterricht" oder "Jüdische Familien in Döbeln - Das Schicksal der ehemaligen Schüler Max, Karl und Ruth Glasberg"
- Sonnabend: Goldenes und Diamantenes Abitur mit Besuch Schulmuseum, Pferdebahnfahrt, Feierstunde und geselligem Abend im Theater
- Vereinstreffen: Samstag 10 Uhr Kranzniederlegung, 10.30 Uhr Mitgliederversammlung, Sonntag 9.30 Uhr Busausflug nach Freiberg - Besuch "terra mineralia"


