04.10. Vereinstreffen und Ehemaligenball
Mit der Pferdebahn zum Traditionstreffen - Goldene und Diamantene Abiturienten des Lessing-Gymnasiums verbringen Festtag in Döbeln
Ganz im Zeichen der Erinnerung und des Erinnert-Werdens stand am Sonnabend die Verleihung des "Goldenen und Diamantenen Abiturs" sowie der Ehemaligenball und das 21. Vereinstreffen des Traditions- und Fördervereins des Lessing-Gymnasiums.
Für die insgesamt 69 ehemaligen Absolventen des Lessing-Gymnasiums der Abschlussjahre 1941 und 1951 war es ein kleiner Döbeln-Marathon. Zahlreiche Tagespunkte wie die Führung durch die ehemalige Schule mit Museum, die Feierstunde in der Aula, der gesellige Abend im Theater Döbeln oder die Mitgliederversammlung des Fördervereins sorgten für ein straffes Programm.
Jörg Lippert,
stellvertretender Vorsitzender des Traditionsvereins Döbelner Pferdebahn, ließ es sich nicht nehmen, einen Teil der Goldenen und Diamantenen Abiturienten des Lessing-Gymnasiums auf dem Weg mit der Pferdebahn zu begleiten. Dabei erfuhren die Besucher auch etwas über das Pferdebahnmuseum. Foto: Allner
Bereits beim Besuch des Pferdebahnmuseum gab es erste Verzögerungen. Die geplante Fahrt mit der Traditionsbahn verschob sich nach hinten. Ein Auto hatte die Gleise blockiert. Zu dem war das eigentliche Zugpferd verletzt. "Heute heißt die Stute Ulme", scherzte Jörg Lippert, der die Besuchertruppen im Wagen begleitete und für Unterhaltung sorgte: "Das haben wir uns in Amerika abgeguckt, da gibt's immer einen Quatscher."
Im Museum selbst führte unterdessen Uwe Hitschke ehemalige Klassenkameraden. Der Vorsitzende des Traditionsvereins Döbelner Pferdebahn hatte ein halbes Jahr vor dem Abitur die Klasse verlassen, die Familie war verzogen. "Aber drei Jahre drückten wir gemeinsam die Schulbank", so Hitzschke. Über dessen Vornamen mussten Harald Voigt und Reinmar Teubert nur kurz nachdenken. Beide bezeichnen sich als "Schulfreunde" , die von 1957 bis 1996 die gleiche Klasse besuchten. "Wir saßen all die Jahre hintereinander", erinnern sie sich.
Goldenes Abitur
Der Abiturjahrgang 1961 in der Aula des Gymnasiums.
Beide nehmen regelmäßig an Klassentreffen teil und der Besuch beim "Goldenen Abitur" war für sie eine Selbstverständlichkeit. Voigt und Teubert erzählen eine Anekdote vom letzten Tag in der Schule: "Wir haben doch tatsächlich unsere Schulbücher verbrannt, darunter auch Russischbücher. Das kam bei den Lehrern gar nicht gut an."
Zum ersten Mal "heute nach 50 Jahren" sah auch Heidi Vogel ihre Mitschüler wieder. Sie hatte damals die Sprachklasse besucht und ist später Lehrerin für Sport und Biologie geworden. "Ich habe vorher schon ein bissel herumgefragt, wer kommen wird. Manche können es ja schon nicht mehr", bedauert Vogel. Außerdem war sie auf Döbeln neugierig, was sich verändert hat in der Stadt. Vor allem die Fahrt mit der Pferdebahn hatte es ihr angetan: "Mir war das vorher kein Begriff. Jetzt bin ich zum ersten Mal damit gefahren, großartig." Für die Festveranstaltung in der Aula hoffte sie auf möglichst viele bekannte Gesichter.
60 Jahre nach dem Reifezeugnis
trafen sich Ehemalige aus dem Abiturjahrgang 1951.
In der Aula begrüßte wenig später Michael Höhme die Jubilare: "Dass Schuljahre prägend sind, erfährt man oft erst mit dem Rückblick darauf. Ich habe mich in ihre Klassenbücher vertieft. Mit dem Kanon an Pflichtlektüre könnten sie heute den Bachelor in Germanistik bestreiten." Der Schulleiter zitierte auch vermerkte Begebenheiten wie diese: Zwei Schüler hatten in Eigenregie die Schulfunkanlage wieder hergestellt. Damals erhielten sie dafür eine Buchprämie.
Döbelner Allgemeine Zeitung
Natasha G. Allner
04.10.2011
Besuchen Sie auch unsere Fotostrecke zum Thema!
Ehemalige Gymnasiasten erleben volles Programm
Rund 3600 Euro hat die neue Inschrift des Denkmals am Gymnasium gekostet. Jetzt fand dort die erste Ehrung statt.
Ohne großes Aufheben haben die Mitglieder des Traditions- und Fördervereins des Lessing-Gymnasiums am Sonnabend anlässlich des 21. Jahrestreffen am neugestalteten Gedenkstein ihrer verstorbenen Kameraden gedacht. „Zum Gedenken an die Lehrer und Schüler, die Opfer von Krieg und Willkür wurden!“, heißt es jetzt. Die alte Inschrift, die für manche Betrachter Nazi- und DDR-Diktatur gleichsetzte, ist damit Vergangenheit. Die Vereinsmitglieder können mit der neuen Inschrift leben, war zu hören.
Reinhard Zerge, Vorsitzender des auf nunmehr auf 333 Mitglieder angewachsene Traditions- und Fördervereins, ließ nochmal die 20 Jahre Revue passieren, die seit der Vereinsgründung vergangen sind. Er wünschte dem neuen Leitungsteam des Gymnasiums unter Michael Höhme und Heike Geißler viel Erfolg. Einer guten Tradition folgend, zeichnete der Verein die Jahrgangsbesten der einzelnen Klassenstufen aus. 70 Prozent der Vereinseinnahmen wird dem Schülerförderfonds zur Verfügung gestellt. In diesem Jahr sind rund 2700 Euro. Damit werden zum Beispiel auch Ganztagsangebote finanziert. „Ich bin beeindruckt, wie sich in den drei Jahren seit meiner Pensionierung die Schule entwickelt hat“, sagte der ehemaligen Schulleiter Bernd Lautenschläger. Und er meinte damit vor allem den „Kunsttempel“, das vollständig sanierte Gebäude für die Kunsterziehung.
Jörg Lippert,
der stellvertretende Vorsitzende des Traditionsvereins Döbelner Pferdebahn, machte die Goldenen und Diamantenen Abiturienten bei einer Fahrt durch die Stadt mit der Geschichte der Bahn vertraut. Foto: Lutz Weidler
Das Wochenende war jedoch nicht nur vom Vereinstreffen geprägt. Bereits am Freitagabend hatte das Lessing-Gymnasium zu zwei Vorträgen eingeladen. Dabei wurden das Schicksal der Döbelner jüdischen Familie Max, Karl und Ruth Glasberg lebendig, aber auch moderne Medien, wie die Multimedia-Tafel erläutert. Auch für die Goldenen und Diamantenen Abiturienten gab es ein volles Programm. Das reichte von einer geführten Stadtbesichtigung mit Pferdebahnfahrt bis zum geselligen Abend im Theater und dem kurzweiligen Ehemaligentreffen im Volkshaus. Am Sonntag stand dann noch die Besichtigung der Terra-Mineralia- Ausstellung im Schloss Freudenstein in Freiberg auf dem Programm.
Döbelner Anzeiger
04.10.2011
Reinhard Kästner

