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10.11. Damit die Erinnerung lebendig bleibt


Erinnerungen an jüdische Familien aus Döbeln und ihre Schicksale am Jahrestag der Reichspogromnacht

Am gestrigen 73. Jahrestag der Reichspogromnacht, am 9. November, lud der Treibhausverein Döbeln zu einer Mahnwache und zum symbolischen Putzen der Stolpersteine in der Döbelner Innenstadt ein. Neben vor allem jungen Leuten, unter anderem vom Lessing-Gymnasium, nahmen auch Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU), Döbelns Pfarrer Stephan Siegmund und Michael Höhme, Schulleiter des Lessing-Gymnasiums an der Mahnwache teil.
An der Theaterstraße 4, am Stolperstein von Marie Rothstein, war die erste Station. Stephan Conrad vom Treibhausverein informierte jeweils an jedem Stein über das Schicksal der einstigen jüdischen Hausbewohner. Marie Rothstein wurde 1942 von ihrer langjährigen Mieterin denunziert, die beobachtet hatte, wie sie zu einer Zeit, als das für Juden verboten war, Briketts nach Hause trug. Sie wurde ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück verschleppt, wo sie nach wenigen Monaten am 12. Oktober 1942 starb.

Mit Zahnbürste und Elsterglanz

wurden die Stolpersteine gestern gereinigt. Mit Blumen und Kerzen wurde an die jüdischen Opfer erinnert. Foto: Sven Bartsch


Zweite Station war die Bahnhofstraße 72/73. Hier sind im Straßenpflaster die Stolpersteine für Karl und Max Glasberg gesetzt. Die letzte Station war in der Bahnhofstraße 51, bei den Stolpersteinen von Dr. David und Dr. Helene Gutherz. Kleine Würfel mit Messingplatte sowie Angaben zu den Personen, denen diese gewidmet sind, erinnern an die Schicksale der jüdischen Familien in Döbeln. Das Lessing-Gymnasium Döbeln war maßgeblich an der Umsetzung der Stolpersteinidee als lebendige Erinnerung beteiligt. Seit dem Schuljahr 1998/99 gibt es den Wahlgrundkurs "Jüdische Geschichte und Kultur" am Gymnasium. Dank der Recherchen des heutigen Schulleiters Michael Höhme und seiner Schüler ist etwa die Geschichte der jüdischen Familien Gutherz und Glasberg ins öffentliche Bewusstsein gerückt worden. Die Ausstellung von Sebastian Höhme beleuchtet die Familienschicksale ausführlich. Sie ist noch bis 27. November im Café Courage an der Bahnhofstraße 56 zu sehen. Die Stolpersteine findet man im Alltag, genau dort, wo verschleppte und getötete Juden wohnten. Döbeln zählt in der Region zu den Vorreiterstädten, die sie setzten. Inzwischen gibt es rund 17000 solcher Erinnerungssteine in Deutschland, den Niederlanden, Polen, Österreich, Tschechien, Ungarn und Italien. Damit soll es sich um das größte dezentrale Kunstwerk Europas handeln.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
10.11.2011