LGD kompakt Profil Nachrichten Service Eltern Schüler Lehrer Förderverein Ehemalige
Start Nachrichten November

Nachrichten


Mai April März Februar Januar Dezember November Oktober September August Sport Fotostrecken

Neue Klasse 5 Schul- und Spendenkonto Sitemap Impressum Kontakt

22.11. Claudia wird Paukerin


Claudia Dziekan ist Referendarin am Lessing- Gymnasium. Der DA begleitet sie durch Höhen und Tiefen der Ausbildung zur Lehrerin.

Von wegen Lehrer machen mittags Feierabend. Lehramtsanwärterin Claudia Dziekan ist zurzeit zufrieden, wenn sie genügend freie Zeit hat, um ausreichend zu schlafen. 26 Jahre jung ist die Englisch- und Französisch-Referendarin, die nach ihrem Studium in Dresden im Sommer ihre Lehramtsausbildung am Döbelner Lessing-Gymnasium begonnen hat. Dort soll sie zusammen mit fünf weiteren Referendaren in zwei Jahren zur „Lehrerin für das höhere Lehramt an Gymnasien“ geschliffen werden. Der Döbelner Anzeiger begleitet die aus Grimma stammende Frau während dieser Zeit durch Höhen und Tiefen ihrer Ausbildung. Heute blickt Claudia auf die ersten drei Monate zurück.

"Mein Kaffeekonsum ist gestiegen",

sagt Lehramtsanwärterin Claudia Dziekan über ihre ersten drei Monate am Döbelner Lessing-Gymnasium. Während gestandene Lehrer die eine oder andere Unterrichtsstunde auch schon mal in zehn Minuten vorbereiten können, braucht sie bis zu zwei Nachmittage und Abende. Foto: André Braun


Ein Tief für Claudia war definitiv jener Freitag Mitte November, als sie nur drei Stunden geschlafen hatte, bevor sie vor ihre Klassen trat: Weil sie immer donnerstags in Dresden das Referendariatsseminar besucht, ist sie an diesem Tag frühestens am späten Nachmittag zu Hause. Freitags unterrichtet Claudia drei Stunden, also gab es noch eine Menge zu tun. „Um eins bin ich ins Bett gegangen, weil es einfach nicht mehr ging, und habe mir den Wecker auf um vier gestellt, um dann weiter zu arbeiten. Um vier ging es mir aber auch nicht viel besser“, erinnert sich die junge Frau und hofft, diese Erfahrung nicht noch einmal machen zu müssen.

Ihr Koffeinkonsum ist seit Beginn des Referendariats spürbar gestiegen. „Am wohlsten fühle ich mich im Englisch-Vorbereitungszimmer, weil es dort immer nach Kaffee riecht“, sagt Claudia und lächelt. Manchmal hapert es noch am Zeitmanagement, oft ist aber auch einfach zu viel Arbeit da, stellt sie fest. Sechs Stunden pro Woche muss die Referendarin bis jetzt unterrichten, acht sollen es bis zu den Winterferien sein. Klingt wenig, ist aber viel, wenn man als Anfänger für 45 Minuten Unterricht zwei bis vier Zeitstunden Vorbereitung benötigt.

Unterrichtsvorbereitung auf dem Weg zur Arbeit? Nichts da. Verlegenheitsplanungen sind nicht möglich, wenn im ersten Ausbildungsjahr mindestens die Mentorin für das jeweilige Fach immer im Unterricht sitzt und vor jeder Stunde eine ausgearbeitete Stundenplanung sehen möchte.

Keine Unterrichtsstunde ohne Auswertung. Hin und wieder kommt der Seminarleiter für Fachdidaktik aus Dresden – dann dauert allein die Auswertung 45 Minuten: Selbstkritik, Feedback vom Fachdidaktiker, Feedback von der Mentorin. Glücklich, wer da ein dickes Fell hat. Steht der Besuch des Didaktikers an, muss Claudia ihm vorher auf zehn Seiten erklären, warum sie die Unterrichtsstunde so gestaltet und welchen Zweck die Methoden haben, die sie einsetzt.

Wie so viele angehende Lehrer findet auch Claudia, dass man leider an der Uni zu wenig das Unterrichten lernt. „Mit Kindern umzugehen testet man im Studium nicht aus. Man hofft, dass es später einfach klappt“, erklärt die 26-Jährige. Bis auf zwei kürzere Pflichtpraktika wurden die Studenten ihrer Generation bis zum Referendariat nie auf Kinder losgelassen. Claudia bringt außerdem noch die Erfahrungen aus anderthalb Jahren Au-Pair-Dienst mit: ein Jahr in Frankreich, ein halbes in England. Die junge Frau kann aufatmen, denn anscheinend hat sie nicht an ihrer Begabung vorbeistudiert: „Frau Dziekan kommt gut mit der Disziplin in der Klasse zurecht. Ich glaube, dass die Schüler sie akzeptieren“, lautet das mündliche Zeugnis, das ihr ihre Französisch-Mentorin Roswitha Reiprich nach drei Monaten am Gymnasium ausstellt. Dass die Referendarin nicht auf den Mund gefallen ist, dürfte ihr sehr dabei helfen, als Autoritätsperson wahrgenommen zu werden.

Claudia hat von 2005 bis 2011 Bücher gewälzt, Theorien gepaukt und Hausarbeiten geschrieben. Wenn, wie gerade eben, die Woche des fächerverbindenden Unterrichts ansteht, kann sie dieses Wissen getrost in der Schublade lassen. Sie musste zum Beispiel in der siebenten Klasse im Fach Biologie mit den Kindern über Gesundheit und Schokolade sprechen – auf Deutsch. Am Freitag faltete sie mit den Kindern Servietten. „Wir müssen uns also auch mal mit fachfremden Inhalten auseinandersetzen“, bemerkt die Referendarin trocken. Ihr Augenzwinkern ist nicht zu übersehen.

Claudia wählt ihre Worte diplomatisch, gibt dann aber doch zu: Döbeln hatte sie nicht zum Wunschort für ihr Referendariat auserkoren. Sie war ein kleines bisschen enttäuscht, als sie am 17. Juni erfuhr, wohin die Sächsische Bildungsagentur sie schicken wollte. „Ich habe darüber nachgedacht, ob ich die Stelle nicht annehme. Ich komme ja aus Grimma – und in eine Stadt dieser Größe wollte ich eigentlich nicht wieder gehen“, erklärt sie.

Die ersten Monate pendelte sie jeden Tag zwischen der Landeshauptstadt und Döbeln. „Vor dem Winter wollte ich dann aber doch hier eine Bleibe finden“, so die junge Frau. Mittlerweile wohnt Claudia Dziekan in einer Zweiraumwohnung im Döbelner Osten. Kürzlich wurde die Küche geliefert. „Ich hoffe, dass ich mich bis Dezember so eingerichtet habe, dass ich die Vorweihnachtszeit genießen kann.“ Mittlerweile freut sich Claudia, in Döbeln zu sein. „Die Schule gefällt mir. Ich bin hier von den Kollegen gut aufgenommen worden. Und es hätte mich ja auch nach Görlitz oder ins Vogtland verschlagen können.“

Döbelner Anzeiger
Carsten Gäbel
22.11.2011