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25.11. Lehrer mit Datenstick statt Aktentasche


Stadtverwaltung investiert 110000 Euro in modernste Computertechnik an Döbelner Schulen

"Eigentlich kommen unsere Lehrer nur noch aus Tradition mit der Aktentasche zur Schule. Brille und Datenstick in der Jackentasche reichen heute aus", sagt Michael Höhme, Schulleiter am Lessing-Gymnasium Döbeln, mit einem Schmunzeln. Doch die Zukunft hat an Döbelns Schulen schon begonnen. Laptops und interaktive Tafeln ersetzen schrittweise die Kreidetafeln. 110000 Euro hat die Stadt Döbeln dafür gerade investiert.

Ursula Kührig,

Fachleiterin für Naturwissenschaften (2.v.l.), und Schulleiter Michael Höhme (hinten), führten gestern Schulamtsleiterin Birgit Hummitzsch (l.) und Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (r.) die Möglichkeiten der neuen Computertechnik vor. Insgesamt 110000 Euro investierte die Stadt in neue Technik für ihre Schulen.Foto: Thomas Sparrer


Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) und Döbelns Schulamtsleiterin Birgit Hummitzsch führten gestern diese modernste schulische Ausstattung vor. Im gerade für 30000 Euro renovierten naturwissenschaftlichen Anbau das Gymnasiums von 1995 blinken in jeder Etage die Netzwerkrouter im Gang. Das Internet ist aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Ursula Kührig, Fachleiterin für die Naturwissenschaften, führte vor, wie neueste multimediale Technik im Unterricht Einzug hält. Auf ihrer Mini-Festplatte hat sie ihre komplette Unterrichtsvorbereitung mitgebracht. Am Laptop wird diese angesteckt und an der interaktiven Tafel für alle Schüler dargestellt. Das im Unterricht weiter entwickelte Tafelbild kann durch Informationen aus dem Internet ergänzt und gespeichert werden. Für erkrankte Schüler kann der Lernstoff auf der Schulhomepage bereitgestellt werden. Auch ob und welche Hausaufgaben sie aufgibt, hat sie auf der kleinen Festplatte gespeichert. Pech für die Schüler.
Doch die Schüler mögen die neue Technik der Smart-Boards genannten Tafeln. Sechs Stück gibt es am Lessing-Gymnasium. Im erst kürzlich sanierten Kunstgebäude gibt es gar keine Kreidetafeln mehr. Im Naturwissenschaftsgebäude gibt es ein Smart-Board. Dazu gehören je vier Laptops. "Jüngst hatte eine Schülerin zum Lernen einer mathematischen Formel eine Youtube-Adresse parat. Wir übten die Formel mit einem Song und einen Video", schildert Ursula Kührig eine witzige Begebenheit aus dem Mathe-Grundkurs, Klasse 11.
"Die Anschaffung ist das Eine. Man braucht auch Lehrer, die das wollen", weiß Schulleiter Michael Höhme. Schulamtsleiterin Birgit Hummitzsch bestätigt, dass die Initiative für die Förderanträge immer von den Schulen ausgehen müsse. Ursula Kührig und weitere Kollegen schulen am LGD die anderen Lehrer an der Technik und stoßen auf ungeteilte Begeisterung. "Wir sind dem Schulträger sehr dankbar und nehmen mit dieser Ausstattung sicher eine Vorreiterrolle ein", sagt Michael Höhme. International ist das eher nicht so. In Goßbritannien seien 80 Prozent der Grundschulen komplett mit solcher Technik ausgestattet. Deutschland liege in diesem Ranking im unteren Drittel, irgendwo zwischen Russland und Mexiko.
"Wir nutzen alle Fördermöglichkeiten und Eigenmittel, um auch in Zukunft unsere Schulen technisch auf neuesten Stand zu bringen", versprach Oberbürgermeister Hans Joachim Egerer.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
25.11.2011

Hintergrund


Fingertipp statt quietschender Kreide

Die Zeiten, in denen Schüler mit staubenden Schwämmen Tafeln abwischen müssen, gehen langsam zu Ende. Zu langsam, meinen viele, die mit der Alternative umgehen. Die neuen interaktiven Tafeln bergen riesige Potenziale. „Sie werden den Unterricht nachhaltiger beeinflussen als jedes Eckwertepapier zum Lehrplan“, sagt Michael Höhme, Leiter des Lessing-Gymnasiums. Die Schule verfügt über sechs der überdimensionalen Computerbildschirme. Allein fünf hängen im frisch sanierten Kunstgebäude. Angeschafft wurden sie samt 24 Notebooks mit Geld aus dem Förderprogramm Medios II. Wert: Rund 50000 Euro.

Ein Fingertipp von Mathelehrerin Ursula Kührig und auf der Tafel beginnt sich eine komplizierte geometrische Figur zu drehen, in die verschiedene Ebenen eingezeichnet sind. „Um das den Schülern bildlich zu erklären, haben früher die Hände gar nicht ausgereicht“, sagt sie. In einen Klassenraum, der mit einer interaktiven Tafel ausgestattet ist, nimmt der Lehrer die Aktentasche nur noch aus Traditionsgründen mit, meint Höhme. Der Unterrichtsstoff passt auf einen winzigen Speicher-Stick, der nur noch am Rechner angestöpselt wird. Falls ein Schüler mal krank wird, ist es für ihn kein Problem, an den Stoff zu kommen. Er kann ihn ruckzuck von der Internetseite der Schule herunterladen. Mit den interaktiven Tafeln lassen sich Filme zeigen, Musik abspielen und Informationen aus dem Internet holen.

Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (r.)

und Schulamtsleiterin Birgit Hummitzsch (l.) haben sich von Fachleiterin Ursula Kührig und Schulleiter Michael Höhme am Gymnasium eine der interaktiven Tafeln vorführen lassen. Foto: André Braun


Während die meisten Schüler heute wie selbstverständlich mit der Technik umgehen, müssen viele Lehrer zumindest in diesem Bereich dazulernen. Ursula Kührig, die auch Fachleiterin Naturwissenschaften ist, kümmert sich um die Fortbildung. Meist seien danach auch die Skeptiker von den Vorteilen der neuen Technik überzeugt.

Neben dem Gymnasium hat auch die Grundschule am Holländer drei interaktive Tafeln und die zwölf dazugehörigen Notebooks. Die Mittelschule am Holländer bekam vier der Tafeln samt 16 der kleinformatigen Rechner. Insgesamt wurden in zwei Jahren rund 110000 Euro ausgegeben. Drei Viertel davon waren Fördermittel, ein Viertel steuerte die Stadt bei.

Die Tafeln kosten aber nicht nur Geld, sie sparen auch welches, wie Höhme am Beispiel historischer Landkarten erklärt: Die kosten in traditioneller Form im Lehrmittelhandel zwischen 200 und 300 Euro pro Stück. „Wir haben jetzt für 70 Euro eine CD gekauft, auf der alle Karten drauf sind.“

Die Stadt steht dem Streben nach Modernität aufgeschlossen gegenüber. „Wir werden die Fördermöglichkeiten weiter nutzen, um die Schulen auf einen modernen Stand zu bringen“, sagt Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer. Schon beim Vorgängerprogramm Medios I habe die Stadt rund 150000 Euro in die Ausstattung der Schulen investiert. Im Gymnasium gibt es drei Computerkabinette und einen Satz mobiler Rechner.

Trotz der Fortschritte sei Deutschland aber noch ein medientechnisches Entwicklungsland, auf der Weltrangliste weit hinten zwischen Russland und Mexiko, sagt Höhme. „In England sind zum Beispiel 80 Prozent der Grundschulen mit interaktiven Tafeln ausgestattet.“ Am Gymnasium will man etwas tun, um den Rückstand aufzuholen: Fürs kommende Jahr ist ein Fördermittelantrag für sieben weitere Computertafeln gestellt.

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
25.11.2011