25.11. Mittelsachsen gut in Naturwissenschaften
Im neuen Lernatlas der Bertelsmann Stiftung landet der Kreis trotzdem nur im Mittelfeld. Das soziale Engagement fehlt.
Die Mittelsachsen sind die besten Mathematiker und Naturwissenschaftler, aber in Sachen soziales Engagement haben sie Nachholbedarf. Bei der aktuellen Bildungsstudie, dem Deutschen Lernatlas der Bertelsmann Stiftung, landet der Landkreis nur im Mittelfeld.
„Mit dem Deutschen Lernatlas ist es uns wichtig zu zeigen, dass Lernen mehr ist als nur Schule. Wir lernen auch am Arbeitsplatz, als Mitglieder in Vereinen oder politischen Organisationen, in der Familie, in der Freizeit, im Gemeinwesen“, äußert sich Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Die Studie versucht abzubilden, unter welchen Bedingungen die Menschen in ihrer Region lernen. Untersucht wurden Aspekte des schulischen, beruflichen, sozialen und persönlichen Lernens.
Lukas Morgenstern
vom Lessing-Gymnasium Döbeln experimentiert im Physikunterricht an der Influenzmaschine. In den Naturwissenschaften und in Mathe sind Mittelsachsens Schüler top. Das sagt der neue Deutsche Lernatlas. Nachholbedarf gibt es beim sozialen Engagement. Foto: Braun
Mittelsachsen zählt in der Studie wie 143 weitere Regionen Deutschlands zu den Kreisen im dichten Umland. Die Gebiete haben eine Bevölkerungsdichte von über 150 Einwohnern pro Quadratkilometer und liegen in der Nähe von einer Stadt mit mehr als 100000 Einwohnern. Unter den 144 Regionen positioniert sich Mittelsachsen mit Rang 74 genau im Mittelfeld. Sachsenweit teilt sich der Landkreis mit Bautzen den fünften Platz. „Die Studie weist gerade gegenüber anderen sächsischen Landkreisen nach, dass sich der Landkreis stärker mit den einzelnen Gebieten auseinandersetzen muss, um eventuellen Nachholbedarf zu korrigieren“, kommentiert André Kaiser, Sprecher des Landratsamtes. Er betont, dass die Studie differenziert betrachtet werden muss.
Im schulischen Lernen liegt Mittelsachsen weit vorn auf Rang 29. Den ersten Platz sichern sich die Schüler mit ihrem Wissen in Mathe und den Naturwissenschaften. Schon seit vielen Jahren nehmen zum Beispiel Schüler des Lessing-Gymnasiums in Döbeln an Mathe- und Physik-Olympiaden teil, und das mit Erfolg. „Es gibt viele, die sich in den Fächern engagieren“, so Schulleiter Michael Höhme.
Auch lesen können die Schüler besser als der Durchschnitt, und das schon in der Grundschule. „Die Lesekompetenz ist die Grundlage für alle anderen Fächer“, so Karin Zschoche, die Leiterin der Sigismund-Reschke-Grundschule Leisnig. Die Einrichtung tue alles, was möglich ist, um die Lesefähigkeit der Schüler zu fördern. „Wir sind zufrieden, können aber als Schule nicht alles leisten“, so Zschoche. Die Kompetenz muss auch im Elternhaus gefördert werden. Das Lesen von englischen Texten fällt den Schülern laut Studie dagegen schwer. Das Landratsamt weist darauf hin, dass der Landkreis und die Kommunen seit 1990 viele Investitionen vorgenommen haben, um gute Lernbedingungen herzustellen und bestehende zu verbessern.
Am schlechtesten schneidet der Landkreis in der Kategorie soziales Lernen ab. Mit Rang 139 liegt Mittelsachsen hier fast ganz hinten. Rund 30 Prozent der Bürger engagieren sich im sozialen Bereich, die meisten für ältere Menschen. Die zahlreichen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren werden in der Statistik nicht erwähnt. In der Würdigung des Ehrenamtes, wie vor Kurzem der langjährigen Feuerwehrmänner, sieht der Landkreis eine Möglichkeit, mehr Bürger für das Ehrenamt zu begeistern. Zum sozialen Lernen gehört zudem, wie sich die Bürger in die Politik einbringen. Die Wahlbeteiligung liegt bei rund 65 Prozent, geringer als in anderen Landkreisen. Punkten kann Mittelsachsen mit den Einrichtungen für die Jugendarbeit. Es gibt 26 hauptamtlich und 91 ehrenamtlich geleitete Einrichtungen der Jugendarbeit.
Was das Lernen im Berufsleben anbelangt, erreicht der Landkreis einen Mittelwert. Auffallend ist, dass im Vergleich mit den anderen Regionen viele Jugendliche einen Ausbildungsplatz in Aussicht haben. „Hier spielt alles ein wenig mit hinein. Zum einen haben wir deutlich weniger junge Menschen als 1990, aber auch Unternehmen in zahlreichen Branchen“, begründet André Kaiser. Fast 70 Prozent schließen ihre Ausbildung erfolgreich ab. Wie oft sich die Mittelsachsen beruflich weiterbilden, dazu gibt es in der Studie keine Angaben.
Auch in der Freizeit lernt der Mensch viel dazu. Das Internet spielt dabei eine immer größere Rolle. Noch ist der Landkreis jedoch insbesondere im ländlichen Bereich nur schlecht damit versorgt. Doch das Landratsamt ist dabei, dieses Problem zu beheben. Erstaunlich viele Mittelsachsen besuchen regelmäßig Theatervorstellungen oder Konzerte, mehr als Museen. Christoph Nieder vom Mittelsächsischen Theater freut das. „Natürlich könnten es mehr sein, aber wir haben unseren Platz in Mittelsachsen gefunden. Obwohl das anfangs nicht einfach war“, sagt Nieder.
Lesen bildet, das wissen auch die meisten Mittelsachsen. Jedoch schauen nicht mehr Männer und Frauen ins Buch als in vergleichbaren Regionen. Wichtig für das persönliche Lernen sind auch die Sportvereine. Im Landkreis kommen auf 1000 Einwohner rund anderthalb Sportvereine, mehr als in den anderen Kreisen.
Döbelner Anzeiger
Maria Lotze
25.11.2011

