16.12. Der Hattrick ist perfekt
Döbelner Sebastian Höhme erhält dritten Preis für seine Forschungsarbeit über jüdische Schicksale
Innerhalb kurzer Zeit hat der Döbelner Sebastian Höhme für seine Forschungsarbeit über jüdische Familien drei überregional bedeutende Auszeichnungen erhalten. Gestern wurde er mit dem Mitteldeutschen Historikerpreis "Ur-Krostitzter Jahresring" geehrt - ganz oben in der Panorama-Etage des Leipziger Cityhochhauses.
Der junge Mann hatte sich als Schüler des Lessing-Gymnasiums intensiv mit dem Schicksal der beiden jüdischen Familien Glasberg und Gutherz aus Döbeln während der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus sowie der Nachkriegszeit auseinandergesetzt. "Nach weit ausgreifenden akribischen Recherchen hat er eine umfangreiche und eindrucksvolle dokumentarische Darstellung über Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens vorgelegt", heißt es in der Begründung für die Preisvergabe. Die Arbeit diente zugleich als Grundlage für eine Ausstellung im Döbelner Stadtmuseum.
Stolz und glücklich:
Sebastian Höhme gestern nach der Preisverleihung in Leipzig. Foto: Westend
Die Juroren heben in ihrer Bewertung hervor, dass Sebastian Höhme seine Erkenntnisse aus zahlreichen, bisher unbekannten und teilweise persönlichen Dokumenten erlangte, er den Text lebendig geschrieben hat und eine "erstaunlich sichere Handhabung wissenschaftlicher Arbeitsweisen" an den Tag legte.
Sebastian Höhme siegte in der mit 500 Euro dotierten Kategorie Jugendsonderpreis des Wettbewerbs, der sich an so genannte Hobbyhistoriker richtet. Dieser Begriff mag ein wenig unpopulär klingen: "Die Bewerber haben längst das Gegenteil bewiesen, denn viele haben intensive wissenschaftliche Arbeit geleistet", betont der Juryvorsitzende Manfred Straube. Der Professor war bis zu seinem Ruhestand im Fachbereich Geschichte der Universität Leipzig tätig. Jener Wettbewerb um den Jahresring, an dem sich diesmal 131 Menschen beteiligten, habe sich längst in Mitteldeutschland etabliert - vor allem dank der Qualität der eingereichten Beiträge. "Die Freizeithistoriker arbeiten meist unbeachtet und ohne finanzielle Unterstützung akribisch die Geschichte Mitteldeutschlands auf", lobte der Chef der Ur-Krostitzer-Brauerei Wolfgang Welter: "Dieses Engagement wollen wir würdigen und bestärken." Das mag für eine Brauerei ungewöhnlich sein. Doch der Preis wird mittlerweile seit 2004 unter dem Motto "Zukunft braucht Herkunft" vergeben.
Bereits im Juni dieses Jahres wurde Höhme, der mittlerweile an der Uni Leipzig studiert, Landessieger beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Ende Oktober folgte dann die zweite Auszeichnung. Der Döbelner hatte in Dresden für seine Arbeit einen von vier Schülerpreisen des Sächsischen Landespreises für Heimatforschung erhalten.
Döbelner Allgemeine Zeitung
O. Büchel/M.Orbeck
16.12.2011
Einblicke in die Preisverleihung gibt auch ein ---> Beitrag von info tv leipzig.
Gymnasiast siegt mit Geschichtsarbeit

Sebastian Höhme
Foto: Westend-PR
Sebastian Höhme, ehemaliger Schüler am Döbelner Lessing Gymnasium, wurde gestern beim mitteldeutschen Historikerpreis „Ur-Krostitzer Jahresring“ mit dem Jugendsonderpreis ausgezeichnet. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert. Höhme hatte seine Arbeit über das Schicksal zweier jüdischer Familien aus Döbeln als Wettbewerbsbeitrag eingereicht. „Die gewonnenen Erkenntnisse durch die zahlreichen bisher unbekannten und teilweise persönlichen Dokumente, der lebendig geschriebene Text und die erstaunlich sichere Handhabung wissenschaftlicher Arbeitsweisen durch den jugendlichen Autor sind bestimmend für die Auszeichnung mit dem Jugendsonderpreis“, begründete der Juryvorsitzende Dr. Manfred Straube die Entscheidung. Die Arbeit diente auch als Grundlage für die Ausstellung „Zum Beispiel die Glasbergs – zur Geschichte einer jüdischen Familie in Döbeln“ im Stadtmuseum Döbeln.
Insgesamt gab es 131 Bewerbungen für den „Ur-Krostitzer Jahresring“. Der Gesamtsieger kommt aus Thüringen.
Döbelner Anzeiger
16.12.2011
Junghistoriker für Forschungen hochdekokoriet
Sebastian Höhme hat die Geschichte der Döbelner Juden erforscht und dafür gleich drei Preise bekommen.
Eine besondere Lernleistung – diese Floskel klingt erst einmal nicht spektakulär. Hinter der „besonderen Lernleistung“ von Sebastian Höhme, damals Schüler der 12. Klasse am Lessing-Gymnasium, steckt aber eine aufwendige Forschungsarbeit. Er hatte mit seinem Beitrag „Zum Beispiel die Glasbergs...“ dem Schicksal Döbelner Juden in der Zeit des Nationalsozialismus nachgespürt und zwar so akribisch, dass auch Leute vom Fach seine Arbeit würdigten. Drei Preise hat der 18-Jährige im Laufe des Jahres eingesammelt. Der erster kam von der renommierten Körber-Stiftung, die jedes Jahr einen Geschichtswettbewerb für Schüler auslobt. Sebastian Höhme war unter den Landessiegern. Er räumte auch einen Schülerpreis des Sächsischen Landespreises für Heimatforschung ab und zuletzt den Jugendsonderpreis des Ur-Krostitzer Jahresrings – ein Geschichtspreis, der von der gleichnamigen Brauerei vergeben wird (DA berichtete).
Sebastian Höhme
zeigt zwei seiner Preisurkunden vor dem ehemaligen Wohnhaus der Glasbergs in der Bahnhofstraße. Foto: Jens Hoyer
Von seinem Erfolg ist der Junghistoriker selbst überrascht. „Das habe ich nicht erwartet“, meint er. Die Anerkennung rechtfertigt aber die viele Mühe, die in der Arbeit „Zum Beispiel die Glasbergs...“ steckt. „Ich habe viel Zeit investiert. Es gab sehr viel Material, das ich sichten musste.“ Er las auch Zeitungen aus der Zeit im Döbelner Stadtarchiv und fuhr ins Landeshauptarchiv Potsdam, um den Spuren der Glasbergs nachzuspüren. „Ich war vorher noch nie in so einem Archiv. Ich hatte mir das ganz anders vorgestellt“, erzählte Höhme. Statt Akten wälzen zu müssen, konnte er das Material ziemlich schnell auf Mikrofilm sichten. „Ich habe dort sogar eine Todesurkunde von Max Glasberg gefunden“, erzählte er.
In Berlin besuchte Höhme das ehemalige Wohnhaus der Familie – sie war 1936 in die Anonymität der Großstadt gezogen. Die Tochter von Ruth Glasberg stellte ein Fotoalbum ihrer Mutter zur Verfügung. Ruth Glasberg hatte als einzige der Familie in Schweden überlebt.
Im Januar waren die Ergebnisse der Forschungsarbeit in einer vielbeachteten Ausstellung im Stadtmuseum gezeigt worden. Das Museum hatte dem Jungforscher dabei geholfen, seine Ausarbeitungen in eine vorzeigbare Form zu bringen, der Kulturraum finanzierte die Herstellung der Schautafeln.
Nicht nur wegen der Ehrungen und hat sich die Forschungsarbeit für Sebastian Höhme gelohnt. Durch seine besondere Lernleistung hat er sich eine mündliche Prüfung fürs Abi erspart, erzählt er. Die drei Preise waren zudem mit insgesamt 1250 Euro dotiert – viel Geld für einen jungen Mann, der gerade mit dem Studium begonnen hat. Anders als man vielleicht erwarten könnte, studiert Sebastian Höhme aber nicht Geschichte, sondern Informatik.
Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
31.12.2011

