23.12. Selma allein in Frankreich
Eine Gymnasiastin aus Etzdorf verbringt das Fest zum ersten Mal ohne Familie - und auch noch weit weg von zu Hause.
Das erste Mal feiert Selma Dubiel (16) Weihnachten ohne die Familie. Und dazu noch in einem anderen Land – in Frankreich.
Seit August wohnt die Etzdorferin bei ihrer Gastfamilie in einem kleinen Ort der Region Rhone-Alpes und besucht als Austauschschüler das Lycée Germaine Tillion in Saint Bel. „Hier bin ich wunderbar aufgenommen worden und fühle mich bei meiner Gastfamilie sehr wohl“, berichtet Selma. Kein Wunder, schließlich gibt es in der Familie unter den vier Kindern auch die gleichaltrige Anna, die zuvor als Austauschschülerin in Etzdorf war. Der Kontakt ist durch das Voltaire-Programm zustande gekommen. Dabei handelt es sich um ein Schüleraustauschprogramm, um die Sprache, Land und Leute des Gastlandes kennen zu lernen.
Selma
steht vor einem typisch französischen Weihnachtsbaum. Der ist daran zu erkennen, dass er nach deutschen Maßstäben gesehen spärlich geschmückt ist. Foto: Privat
Weihnachten wird in Frankreich anders gefeiert als in Deutschland, berichtet Selma. Das beginnt schon beim Schmücken. „Das einzige, was etwas weihnachtlich ist, ist die weiß-blaue Dekoration in L’Arbresle, meiner Gaststadt, und die Werbung in einzelnen Supermärkten“, berichtet die Schülerin. Auch am Lyzeum, ihrem französischen Gymnasium, sei nicht viel von Weihnachten zu spüren. Da muss sie ein Jahr zurückdenken, als am Lessing-Gymnasium ein großer geschmückter Weihnachtsbaum das Gebäude zierte und der Schulchor sich lange mit Weihnachtsliedern auf sein Konzert vorbereitete. Auch in Frankreich habe es ein solches Konzert gegeben, allerdings mit wenig weihnachtlichen Melodien.
Selma wird ihre Geschenke, wie in Frankreich üblich, erst am ersten Weihnachtsfeiertag öffnen. „Meine Eltern und mein Bruder haben mich am ersten Advent in Paris besucht und mir einen Koffer voller Geschenke übergeben. Ich bin gespannt, was drin ist“, freut sich Selma. In der französischen Hauptstadt hat sie auch ihren ersten Weihnachtsmarkt in diesem Jahr gesehen. Solche Märkte seien hier nicht typisch, sagt sie. Sie fand es lustig, dass neben dem „le vin Chaud“ (warmer Wein) auch mit großen Buchstaben GLÜHWEIN geschrieben stand. Das ist auch bei den Franzosen ein Begriff.
Mit ihrer Gastfamilie wird sie nicht, wie in Frankreich üblich, am 24. Dezember um Mitternacht in die Kirche die Weihnachtsmesse besuchen. „Zur Familie gehören vier Kinder und ich, also gehen wir schon in die Messe am Nachmittag. Zuvor geht es noch zu Oma. Dort treffen sich alle nächsten Verwandten“, erzählt Selma Dubiel. Sie rechnet mit rund 40 Mann, dann ist das Haus voll und sie wird so manches, bisher unbekannte Gesicht sehen.
Nach dem Kirchenbesuch heißt es, sich noch bis zum Morgen gedulden. Aber dann werden die Geschenke ausgepackt. „Die liegen nicht nur unter dem Weihnachtsbaum, sondern stecken auch in den Schuhen, denn hier feiert man Nikolaus nicht“, hat Selma schon bemerkt.
Die folgenden Tage werden ganz in Familie verbracht, was stressig und ungewohnt sein wird in der großen Familie. „Sonst besuche ich die Lyzeum, was eine Ganztagsschule ist. Da komme ich oft erst 18 Uhr nach Hause“. Überhaupt sei das Schulsystem in Frankreich nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen.
Per Skype wird Selma im Internet verfolgen, wie ihre Familie in Etzdorf Weihnachten feiert. Ihre Gedanken sind dann in Sachsen. Aber Wehmut wird nicht aufkommen, dafür sorgen schon die Kinder ihrer Gastfamilie.
Im Februar kommt die Schülerin wieder zurück nach Etzdorf, und wird das zweite Halbjahr der zehnten Klasse am Lessing- Gymnasium in Döbeln besuchen.
Eine Gymnasiastin aus Etzdorf verbringt das Fest zum ersten Mal ohne Familie - und auch noch weit weg von zu Hause.
Döbelner Anzeiger
Reinhard Kästner
23.12.2011

