26.04. So wollen junge Leute wohnen

Elftklässler entwickeln Ideen für eine typische Wohnung in Döbeln Ost. Sie sollen kein Hirngespinst bleiben.

Von Jens Hoyer

Was kommt dabei heraus, wenn junge Leute Wohnungen entwerfen? Total flippige überdrehte Entwürfe, nicht zu bezahlen? Celia, Laura und Sophie aus der 11. Klasse des Lessing-Gymnasiums haben sich für die funktionale, preiswerte Variante entschieden, Wohnzimmer mit großem Sofa und einer großen Stehlampe, Fernseher optional, weil Studenten und Azubis Fernseher eher selten benutzen. Teure Spielereien sind überflüssig und würden das Budget der jungen Leute sprengen.

Am Mittwoch haben die Elftklässler die Ergebnisse ihrer Arbeiten im Fach GRW (Gesellschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft) vorgestellt. Unter dem Titel „Junges Wohnen“ arbeitet das Gymnasium dabei mit der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt zusammen, die sich Anstöße für Wohnungen für ihr junges Mieterpotenzial erhofft. Jonas und Alexandra haben ein kuschliges Nest für ein junges Paar entworfen und dabei die typische 58-Quadratmeter-Dreiraumwohnung im Altneubau umgekrempelt. Die winzige Küche ist ins Kinderzimmer verlagert, wo es mehr Platz gibt. Im großen weißen Bett im Schlafzimmer gibt es viel Stauraum und im Bad eine Dusche statt einer Wanne. Das Teuerste ist die Küche mit den Fliesen. Gurvinda, Marie, Martha und Maria haben im Bad ihrer Wohnung für mehr Platz eine Wand herausgenommen. Ihre Küche ist groß mit einer Essecke, dafür das Schlafzimmer eher klein. Annika, Theresa und Lilly haben keine Mühe gescheut und sogar eine Umfrage unter jungen Leuten über ihre Vorlieben gestartet. Sie haben eine Wohngemeinschaft für drei junge Leute entworfen und dafür die Wohnküche in einen größeren Raum verlegt. Eine Spülmaschine muss in die Wohnung, damit kein Streit entsteht, wer abwäscht. Eine ihrer Erkenntnisse: Viele junge Leute wünschen sich eine möblierte Wohnung.

Lilly Marleen Wetzig (v.l.), Theresia Hankowiak und Annika Großmann haben für die Präsentation ihrer Ideen für junges Wohnen ein Modell der Wohnung gebaut. Jens Hoyer

Im vergangenen Jahr hatten schon Zwölftklässler Ideen für junge Wohnformen entwickelt. Diese Gedanken will die WG Fortschritt aufgreifen. „Unser Ziel ist, eine Wohnung danach umzubauen“, so Vorstand Stefan Viehrig. Mit den Elftklässlern will die Genossenschaft das Projekt im kommenden Jahr zu Ende bringen. „Die Schüler dürfen sich eine Wohnung aussuchen“, sagte Viehrig. Es wird wohl auf eine im fünften Stock eines Hauses in Döbeln Ost II hinauslaufen. „Dazu müssen wir eine junge Familie finden, die in die Wohnung einziehen würde“, so Viehrig. „Es soll ja auch kein Geld rausgeschmissen werden.“ Auch eine Wohngemeinschaft für mehrere junge Leute sei denkbar. „Vielleicht in Zusammenarbeit mit der Heimerer-Schule und dem Berufsschulzentrum.“
Ein paar Ideen könnten an der technischen Umsetzbarkeit scheitern – etwa weil sich Wände nicht so einfach entfernen oder verschieben lassen. Über eine Möblierung lässt der Vermieter mit sich reden. „Wir würden dann aber wahrscheinlich nur die Küche und die Funktionsräume möblieren“, so Viehrig.

DA 26.04.18

So würden wir gern wohnen

Wie stellen sich junge Döbelner ihre erste „eigene“ Wohnung vor? Sie sollte sich in der Innenstadt befinden, trotzdem in einer ruhigen Lage und mit Grün drumherum. Öffentliche Verkehrsmittel sollten gut erreichbar sein. Auf jeden Fall müssten die vier Wände WG (Wohngemeinschaft)-tauglich sein. Eine Einbauküche und Badmöbel dürfen gern schon drin sein, doch es soll auch noch Raum für die individuelle Gestaltung, für die eigene Kreativität bleiben.

Das sind einige der wichtigen Punkte, die Elftklässler des Döbelner Lessing-Gymnasiums im GRW-Kurs (Gesellschaft, Recht, Wirtschaft) für das Projekt „Junges Wohnen – Wohnen für Neueinsteiger“ herausgearbeitet haben. Dabei erhielten sie Unterstützung von der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt. Diese ist sehr interessiert an den Ergebnissen des Projektes, die die Schüler gestern Vormittag in kleinen Teams präsentierten, unter anderem im Beisein der Schulleitung und von WGF-Vorstand Stefan Viehrig. Die meisten Schüler nutzen für die Vorstellung die interaktive Tafel. Theresia Hankowiak, Annika Großmann und Lilly Marleen Wetzig hatten zusätzlich ein Wohnungsmodell gestaltet. „Eine WG benötigt eine große Küche mit Essbereich, denn die ist Treffpunkt Nummer eins. Das weniger genutzte Wohnzimmer kann kleiner ausfallen“, begründen die Schülerinnen die gewünschten Grundrissveränderungen. Dusche statt Wanne, weil platzsparend, wäre eine weitere Option. Dafür lieber noch ein kleines Schlafzimmer mehr, für eine mögliche Dreier-WG. Gewünscht ist auch ein Geschirrspüler in der Küche. „Dann gibt es keinen Streit, wer den Abwasch macht.“

Die Elftklässlerinnen des Döbelner Gymnasiums, Theresia Hankowiak, Annika Großmann und Lilly Marleen Wetzig zeigen ihr Wohnungsmodell. Foto: Sven Bartsch

DAZ 26.04.18