Lessing-Gymnasium Döbeln

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24.05. Herr Minister, wie ist das mit Europa?

Döbelner Gymnasiasten halten viele Fragen an Minister Thomas Schmidt. Dabei ging es auch um die Lebenswelt der Schüler.

Das Lessing-Gymnasium ist seit zwölf Jahren Europaschule. Und damit nicht nur die Plakette im Foyer hängt, lädt sie sich ab und zu Gäste ein. Diesmal kündigte Schulleiter Michael Höhme Elftklässlern den sächsischen Staatsminister und Mittelsachsen Thomas Schmidt (CDU) an.
Der leitet das Ministerium für Regionalentwicklung. Und in dieser Eigenschaft ist er auch regelmäßig in Brüssel. Schmidt ist Mitglied des Europäischen Ausschusses der Regionen. Mehr als 300 Regionen wie Sachsen seien dort vertreten und wollten Einfluss auf die EU-Politik nehmen, sagte er. Und auch sonst setzt sein Ministerium viele Themen um, die mit Europa zu tun haben. Nicht zuletzt, weil viele der verteilten Fördermittel von dort kommen.

Thomas Schmidt (links), Staatsminister für Regionalentwickung, mit Schulleiter Michael Höhme vor Elftklässlern des Lessing-Gymnasiums, deren Fragen er beantwortete. Foto: Dietmar Thomas

Sachsen habe in mancher Hinsicht eine Vorreiterrolle. Zum Beispiel, wie die EFRE-Fördermittel für die ländliche Entwicklung verteilt werden. Nämlich durch die Regionen selbst, die die Projekte und sogar die Höhe der Fördermittel festlegen. „Das gab es in Europa nur in Sachsen", so Schmidt. Die Skepsis anderer, dass das missbraucht würde, habe sich nicht bestätigt „Die Regionen sind sehr verantwortungsvoll mit dem Mitteln umgegangen", sagte Schmidt
Auch sein Ministerium sei ziemlich einmalig in der EU. Die Entwicklung von städtischen und ländlichen Regionen sei in anderen Ländern oft in unterschiedlichen Ministerien angesiedelt „Man muss aber die städtische und die ländliche Entwicklung übergreifend denken", sagte Schmidt und beantwortete damit auch eine Schülerfrage nach den Vorteilen dieser Kombination.
„Wir hatten vor zehn Jahren noch eine ziemliche Abwanderung aus dem ländlichen Raum. Und jetzt kommen Bürgermeister und sagen: Wir haben keine Bauplätze mehr. Dieser Entwicklung müssen wir gerecht werden", sagte Schmidt.
Dazu gehöre auch, die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Menschen im ländlichen Raum nicht nur wohnen, sondern auch arbeiten können. Etwa durch den Breitbandausbau, den, so gibt Schmidt zu, Sachsen bisher verschlafen hatte. Bautzen haben damit begonnen, den Breitbandausbau zentral über die Landkreise zu steuern. Mittelsachsen sei der dritte Kreis. „Mittlerweile hängt es nicht mehr am Geld, sondern an den Kapazitäten der Baufirmen", sagte Schmidt
Die Elftklässler hatten sich auf ihren Gast gut vorbereitet. Eine Schülerin fragte nach Zugverbindungen zu und Wohnungen in den Großstädten. Für Schmidt besteht da ein Zusammenhang und machte es an einem Beispiel fest. In Pirna und Meißen gebe es noch 15 Prozent Leerstand und in Dresden herrsche Wohnungsknappheit „In 25 Minuten kann man in Dresden sein. Das muss noch besser werden", so Schmidt.
Die Ukrainekrise und die damit verbundene Energiekrise machen dem Minister Sorgen. Besonders in Bezug auf die Wirtschaft. „Wenn man im Glaswerk so eine Schmelzwanne abschalten muss, dann wird dort kein Clas mehr produziert werden können." Beim Ausbau der erneuerbaren Energien setzt Schmidt auf die Bereitschaft der Bevölkerung. „Die ist riesengroß, weil es sich lohnt So kann man die Leute begeistern, da hilft kein erhobener Zeigefinger." Derzeit fehlten die Photovoltaikmodule und die Firmen, die sie aufs Dach bringen. Schmidt wies Vorwürfe von sich, Bremser beim Ausbau der Windkraft zu sein. „Aber die Lösung kann nicht sein, den Leuten die Anlage in die Vorgärten zu setzen." Möglich sei das aber auf Bergbaufolgeflächen, die dem Bund gehören und dem Bergbaurecht unterliegen. „Darüber verhandeln wir mit dem Bund", sagte Schmidt.
Beim Thema Arbeitskräftemangel, nach dem ein Schüler fragte, setzt Schmidt auf eine gezielte Einwanderungspolitik für Fachkräfte. Und er berührte in einem anderen Punkt die Lebenswelt der Gymnasiasten. „Ich weiß nicht, ob der Anteil von Studierenden bei 50 Prozent liegen muss. Bayern hat einen Anteil von 30 Prozent." Das Image der Handwerker und Facharbeiter, so Schmidt, müsse gestärkt werden. Angehende Meister sollten kostenlose Ausbildung wie Studierende bekommen. „Diese Betriebe haben eine Riesenzukunft."

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
24.05.2022


Europa in der Region Döbeln und am Gymnasium

Döbelner Gymnasiasten löchern Sachsens Minister für Regionalentwicklung, Thomas Schmidt, mit ihren Fragen zu Stadt, Land und Europa.

Seit 2010 hängt die Plakette mit dem Titel „Europaschule“ im Foyer des Lessing-Gymnasiums in Döbeln. Man kann an der Bildungsstätte mit Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch und Latein fünf Sprachen lernen. „Mit Veranstaltungen wie dieser Europa-Projektwoche und dem heutigen Ministerbesuch können wir das Thema Europa zudem immer wieder in unserem Schulalltag akzentuieren“, führte Schulleiter Michael Höhme gestern vor Elftklässlern des Döbelner Lessing-Gymnasiums einen besonderen Gast ein: Thomas Schmidt, Staatsminister für Regionalentwicklung, verantwortet in seinem Ressort die Strukturentwicklung im ländlichen Raum, aber auch die Stadtentwicklung. Und er vertritt Sachsen im Ausschuss der Regionen in der EU. Auch die Verteilung der Europäischen Fördergelder liegt in seinem Ressort. „Europa stärkt dich und deine Stadt“, lautete deshalb ein Slogan auf seiner Präsentation. Und Thomas Schmidt zeigte auch an einigen Beispielen, wohin in der Region europäisches Fördergeld fließt, aus den Programmen LEADER für den ländlichen Raum, EFRE für nachhaltige Stadtentwicklung, aus dem Europäischen Sozialfond (ESF) oder dem Just Transmission Fonds, einem Fonds für den gerechten Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft.

Thomas Schmidt, Minister für Regionalentwicklung in Sachsen, stand den Elftklässlern des Lessing-Gymnasiums Rede und Antwort. Foto: Sven Bartsch

Die 40 Elftklässler der beiden Grundkurse im Fach Gesellschaftskunde hatten Fragen für zwei Unterrichtsstunden mitgebracht. Warum stehen Wohnungen und Gebäude in vielen Ortskernen leer, während an Orts- und Stadträndern neue Baugebiete entstehen? So eine der Schülerfragen. „Da bin ich bei ihnen. Hier sind in den Kommunen Orts- oder Stadtentwicklungskonzepte wichtig.“ „Was ist der Schwerpunkt der Regionalentwicklung in Sachsen?“, so eine weitere Frage. „Ländliche Räume genauso zukunftsfähig zu gestalten, wie die Ballungszentren“, antwortet der Minister. Nach Jahren hoher Abwanderung habe sich die Bevölkerungsentwicklung im ländlichen Raum stabilisiert. Vielerorts würden sogar Bauplätze rar, weil Menschen aus den Großstädten zurück aufs Land wollen. „Jetzt müssen wir die Voraussetzungen schaffen, dass die Leute genauso gut auf dem Land leben und arbeiten können. Dafür brauche wir Infrastruktur, gut getaktete Nahverkehrsanbindungen und Breitband. Genau damit befassten sich weitere Schülerfragen zum Verkehr, zu Mieten in Großstädten und dem Breitbandausbau.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
24.05.2022