18.10. „Bei uns geht es ums Anpacken“

DAZ-Interview mit der Umweltaktivistin Emilia Börno aus Döbeln

Wir treffen Emilia Börno (17) an einem sonnigen Nachmittag vor einem gemütlichen Café auf dem Döbelner Niedermarkt. Mit ihrer bedachten und kompromissbereiten Art widerspricht sie dem gängigen Klischee der naiven Klimaextremistin. Seit Anfang dieses Schuljahres leitet die Schülerin des Döbelner Lessing-Gymnasiums gemeinsam mit ihrer Freundin Annabell Kempter (16) die Gruppe „Wir für eine nachhaltige Stadt“ und organisierte die globale Fridays for Future (FFF) Demonstration in Döbeln am 20. September. Im DAZ-Interview spricht sie über ihre Entwicklung zur Aktivistin, ihren Blick auf die derzeitige politische Situation und was sie schon in ihrem eigenen Leben geändert hat.

Frage: Emilia, was war der ausschlaggebende Punkt für dich, an dem du gesagt hast, wir müssen etwas tun?

Emilia Börno: Das war eher das Resultat all der Nachrichten, die man über Verschmutzung, beispielsweise der Meere, hört. Irgendwann haben wir gesagt, wir wollen nicht mehr nur darüber reden, wir wollen etwas tun und als gutes Beispiel voran gehen, um möglichst viele Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Bei uns geht es ums Anpacken!

Emilia Börno (17) steht mit an der Spitze der Döbelner Umweltbewegung „Wir für eine nachhaltige Stadt“. Das Klischee der Klimaextremistin passt nicht zu ihr. Foto: Sven Bartsch

Wie viele Mitglieder zählt eure Gruppe denn mittlerweile?

In unserer Gruppe „Wir für eine nachhaltige Stadt“ helfen schon etwa zehn Schülerinnen und Schüler tatkräftig mit und ich erlebe es tagtäglich, dass viele Interessierte auf mich zukommen und richtig Lust darauf haben.

Welche weiteren Aktionen sind nach der Großdemonstration im September bereits geplant?

Neben einer Müllsammelaktion nach den Herbstferien planen wir einen Workshop für nachhaltiges Verpacken von Weihnachtsgeschenken im Dezember. Außerdem steht im nächsten Frühjahr eine Baumpflanzaktion auf dem Programm.

Wie optimistisch bist du, dass FFF tatsächlich weltweit etwas erreichen kann?

Zwar hat meiner Meinung nach FFF eine große Rolle bei der schnellen Erarbeitung des Klimapakets gespielt. Allerdings bin ich angesichts der vielen Menschen, die für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen sind, etwas enttäuscht über das Resultat. Da muss auf jeden Fall noch viel mehr passieren.

Das heißt, du bist unzufrieden mit den Beschlüssen der Bundesregierung?

Ich glaube, im Klimapaket ist sehr viel verloren gegangen. Zum Beispiel was die Fliegerei betrifft. Zwar kann ich verstehen, wenn sich Familien einmal im Jahr eine Flugreise genehmigen, um in den Urlaub zu fliegen. Aber Inlandsflüge sollten perspektivisch ganz gestrichen werden.

Wie stehen die Lehrer und der Schulleiter zu euren Aktionen?

Sehr geteilt. Wir haben einige Lehrer, die super hinter uns stehen. Auch unser Schulleiter unterstützt uns. Aber ich habe auch von Lehrern gehört, die wohl das Gefühl haben, die junge Generation würde die Schuld dafür, wie sich die Welt entwickelt, den Älteren geben. An dieser Stelle muss noch mehr Kommunikation zu Stande kommen.

Wie siehst du das? Hat beim Klimaschutz vor allem die ältere Generation Fehler gemacht?

Nein. Einerseits glaube ich, dass wir für diese Entwicklung alle eine gewisse Mitverantwortung haben, andererseits bringt es nichts, anderen die Schuld zu geben. Wir sollten lieber zusammen arbeiten und gemeinsam an einem Strang ziehen.

Die Gruppe extinction ebellion (Rebellion gegen das Aussterben) ruft zu gewaltfreiem, zivilem Ungehorsam auf. Was hältst du von deren Konzept?

Von dem Konzept halte ich nicht sehr viel und ich stehe auch nicht dahinter. Ziviler Ungehorsam führt meiner Meinung nach genau in die andere Richtung. Dazu, dass wir uns stärker auseinander bewegen und nicht auf eine Ebene mit der Politik kommen. Ich halte den friedlichen Weg von FFF für langfristig Erfolg versprechender.

Was hast du persönlich schon in deinem Alltag verändert, um nachhaltiger zu sein?

Ich habe sehr viel verändert, auch wenn klar ist, dass man nicht alles von heute auf morgen umstellen kann. Aber ich habe zum Beispiel angefangen, Plastikfrei einzukaufen und zu reisen. Ein sehr großer Schritt war für mich Veganerin zu werden. Über dieses Thema schreibe ich derzeit auch eine Arbeit.

Welche Maßnahmen für den Umweltschutz sind für dich die wichtigsten?

Zum einen sollten Plastik-Tüten und -Strohhalme vollkommen verbannt werden, weil das nichts ist, was der Mensch wirklich braucht. Allgemein sollten wir einen Weg finden auf dem wir Biofleisch günstiger machen als konventionelles Fleisch. Dafür sollten wir die Massentierhaltung großflächig abschaffen und stattdessen zu einer ökologischen Landwirtschaft übergehen.

Interview: Johann-Christoph Landgraf