30.10. Mein Auslandsjahr in Russland

Vom Alltag als Austauschschüler in Wolschski

Привет! Am 23. August begann für mich das bisher größte Abenteuer. Ich trat ein Auslandsjahr an, nach Russland. Letztes Jahr bewarb ich mich bei einer „Schüleraustauschorganisation“, wurde angenommen, musste einige bürokratische Dinge erledigen und nun bin ich hier.
Zunächst sind wir an dem besagten Freitag nach Moskau geflogen. „Wir“ waren 14 Jugendliche aus Deutschland, die dieselbige Idee wie ich hatten. Der Flug hatte eine Stunde Verspätung und wir sind nachts 00:30 in der Jugendherberge als letzte angekommen. Dort gab es noch etwas zu essen und Tee. Danach ging es ab ins Bett, denn am nächsten Tag wartete ein straffes Programm.
An diesem Samstag wurden uns die anderen Gastschüler vorgestellt. Insgesamt haben sich mehr als 100 Jugendliche aus der ganzen Welt entschlossen, ein Jahr in Russland zu verbringen.

Am Montag ging es dann in unsere Regionen. Für mich stand mit ein paar anderen ein 18-stündige Zugfahrt an. Das Ziel war Wolgograd, wo wir unsere Gastfamilien trafen. Von dort aus fuhren wir nach Wolschski (20 km östlich von Wolgograd). Wolschski ist eine „russische Kleinstadt“ mit 350.000 Einwohnern im Süden Russlands, nicht weit entfernt von der Wolga.

Am 2. September wurde das neue Schuljahr mit einer feierlichen Zeremonie eingeleitet. In diesen Tagen erfuhr ich, dass ich in einer 11. Klasse lernen werde. Das russische Schulsystem ist anders als unser deutsches. Von der ersten bis zu 9. Klasse lernt man hier zusammen. Am Ende der neunten Klasse muss man Prüfungen ablegen. Danach kann man entscheiden, ob man noch zwei weitere Jahre die Schulbank drücken will oder halt nicht. Wer sich entscheidet weiterzumachen, macht noch die 10. und 11. Klasse (vergleichbar mit der Kursstufe). Am Ende der 11. Klasse muss man dann nochmal Prüfungen ablegen, das ЕГЭ (mit dem Abitur vergleichbar). Demzufolge war ich also in der Abschlussklasse gelandet. Der Stoff ist dadurch natürlich komplizierter und anstrengender. Für mich spielt das noch keine große Rolle, da ich ja erstmal die Sprache lernen soll. Am liebsten mag ich die gesellschaftlichen Fächer, da die zum einen die meisten Internationalismen haben und wirklich sehr einfach sind. Zudem sind noch zwei Italiener und eine Argentinierin in meiner Klasse.

Ich bin trotzdem froh, in der 11. Klasse zu sein, da ich sehr nette Klassenkameraden habe. Diese wurden schnell zu guten Freunden, mit denen wir bisher immer viel unternahmen. So habe ich auch schon eine ganze Menge erlebt. Zum Beispiel war ich schon zweimal in Wolgograd im neuen WM-Stadion zum Fussball. Dieses ist nämlich nun das Stadion des FK Rotor Wolgograd (russischer Zweitligist). Die Tickets haben wir für 200 Rubel (umgerechnet etwa 2,80 €) bekommen. Wir waren aber auch schon am Wochenende der ersten Schulwoche in Wolgograd zu einem Konzert.

Ich wohne hier in einer Gastfamilie. Ich habe hier zwei kleine Gastbrüder (14 und 3), eine Gastmutter und einen Gastvater. Viel machen wir jedoch nicht gemeinsam. In der Familie passiert nie wirklich was. Deswegen bin ich ganz froh, dass ich meine Freiheiten habe und mich fast immer mit Freunden treffen kann.

Ich bin auf jeden Fall megaglücklich, hier gelandet zu sein. Die Menschen sind super nett und hilfsbereit. Und auch klimamäßig habe ich einen ziemlichen Extrempunkt erwischt. Herbst und Frühling sind recht gleich zu Deutschland. Der Winter hingegen ist aber viel kälter und intensiver. Für Russland zwar recht mild, aber trotzdem drei Monate Schnee und Temperaturen um die -20 Grad. Das andere Extrem ist der Sommer, in dem durchschnittlich meist gegen 40 Grad Celsius sind. Des Weiteren ist hier eine sehr trockene Region.

Viele Grüße aus Russland

Joe Koch