11.09. Denkmaltag - Rundgang durch den Körnerplatz

In Körnerplatzschule florierte sogar mal eine Seidenraupen-Zucht

Wer noch nicht wusste, dass in der Döbelner Körnerplatz-Schule eine Zeit lang Seidenraupen gezüchtet wurden, der konnte es am Sonntag beim Vortrag von Karlheinz Enzmann in eben dieser Schule erfahren. Die Heimatfreunde und das Stadtarchiv nahmen zum Denkmaltag das nun schon 126 Jahre alte Schulhaus genau unter die Lupe.

Wer noch nicht wusste, dass in der Döbelner Körnerplatz-Schule eine Zeit lang Seidenraupen gezüchtet wurden, der konnte es am Sonntag beim Vortrag von Karlheinz Enzmann in eben dieser Schule erfahren. Die Heimatfreunde und das Stadtarchiv hatten sich für den diesjährigen Denkmaltag vorgenommen, das nun schon 126 Jahre alte Schulhaus und seine Geschichte genau unter die Lupe zu nehmen. Karlheinz Enzmann studierte also Baupläne und andere Dokumente, trug Fotos und Informationen zusammen. Lehrerin Katrin Niekrawietz schloss nicht nur die Tore und Türen auf, sondern führte auch durchs Gebäude. Reichlich 20 Geschichtsinteressierte nahmen das Angebot an.

Geschichtsinteressierte vor der Körnerplatzschule. Gleich beginnt der Rundgang durchs Schulgebäude.

Unter ihnen Peter Steinbock aus Döbeln. „Früher stand dort in der Ecke ein Klavier. Zu Beginn jeder Unterrichtsstunde haben wir ein Lied gesungen“, erinnerte sich der 57-Jährige, dessen Schulzeit 1967 in der damaligen Polytechnischen Oberschule Karl Marx begann.

Karlheinz Enzmann blickte noch viel weiter zurück. Ende des 19. Jahrhunderts brauchte Döbeln dringend eine neue Schule. Für 365  000 Mark entstand das repräsentative, 62 Meter lange und 18 Meter breite Gebäude im Baustil des Historizismus am damaligen Niederscheunenplan. Der hieß dann aber nicht mehr lange so. Am 3. Oktober 1891, also kurz nach dem 100. Geburtstag von Theodor Körner, erfolgte die Umbenennung in Körner-Platz und nur zwei Tage später war erster Unterrichtstag im neuen Schulhaus, das auch gleich noch nach dem Dichter und Dramatiker benannt wurde.

Die Bildungsstätte war anfangs überwiegend für Mädchen gedacht. Die Turnhalle nebenan diente übrigens nicht nur den Leibesübungen der Schülerinnenen und Schüler, sie war gleichzeitig Aula, bald Domizil des Turnvereins und sogar Gebetshaus der katholischen Christen von Döbeln. An der Stirnseite des Gebäudes, dort wo sich heute der Jugendclub befindet, zog früher das städtische Archiv ein. Und im Ersten Weltkrieg war dort auch eine Kriegsküche untergebracht. Toiletten mit Wasserspülung bekamen Schüler und Lehrer erst 1933 nach einer Eingabe des Elternbeirates.
Und die Seidenraupen? „Deren Zucht begann im Mai 1939 in der Schule für die im Zweiten Weltkrieg dringend benötigte Fallschirmseide. Das war damals so üblich. Ich erinnere mich noch daran, wie ich Maulbeerblätter sammeln musste, mit denen die Raupen gefüttert wurden“, klärte Karlheinz Enzmann auf.

Als was diente die Schule nicht noch alles in Kriegs- und Nachkriegszeiten! Als Tageskindergarten, für Luftschutzschulungen, als Kaserne der Roten Armee. Ab 15. Oktober 1945 spielte wieder der Unterricht die Hauptrolle im Haus. Das wechselte als POS in der DDR den Namen (Karl Marx), um nach der Wende Körnerplatzschule zu heißen. Von 1998 bis 2002 erfolgte eine umfangreiche Sanierung für 3,6 Millionen DM. Nach dem die Mittelschule nach Döbeln-Nord umzog, diente das Schulhaus schon bald als Teil des Döbelner Gymnasiums. Das ist für rund 200 Schüler der fünften und sechsen Klassen bis heute so. „Für die Kinder ist das eine gute Lösung. Sie kommen nach der Grundschule nicht gleich ins ’große’ Gymnasium, so fällt der Übergang leichter“, sagte Katrin Niekrawietz.

Olaf Büchel
DAZ 11.09.2017