Friedrich Dürrenmatt "Der Besuch der alten Dame"

Plakatentwurf zur Aufführung Volker Höhme



Inhalt

Kennen Sie Güllen?
Kennen Sie das kleine, gottverlassene Städtchen, das zwischen der Niederung von Pückenried und dem Konradsweilerwald gelegen liegt und nun wirklich einer der ärmsten Orte in im ganzen Lande ist?
Nein?
Nun, genau in diese Stadt verschlägt es uns.
Überall herrscht Hektik, als bekannt gegeben wird, dass Claire Zachanassian, die Multimilliardärin der Armenian- Oil, eine der reichsten Frauen der Welt, Güllen einen Besuch abstatten wird. Sie beabsichtigt, ihre alte Heimat zum ersten Mal seit über fünfundvierzig Jahren wiederzusehen. Ein wichtiger Tag in dem verlotterten Städtchen, denn diese Frau hat die Mittel und die Absicht, Güllen Geld zu übertragen. Viel Geld.
Eine Milliarde, um genau zu sein. Fünfhundertmillionen für die Stadtverwaltung und Fünfhundertmillionen verteilt auf alle Familien. Doch Claire Zachanassian spendet das Vermögen nicht einfach. Sie stellt eine Forderung: Sie will Gerechtigkeit. Sie will, dass ihr Verflossener, Alfred Ill, umgebracht wird. Sie will sich rächen, für eine ungerecht verlaufene Vaterschaftsklage, in der sie als Hochschwangere aus Güllen vertrieben wurde.
Alle Bürger sind natürlich gegen diese Bedingung. Schließlich wurden sie zur Humanität erzogen.
Doch was passiert, wenn sie alle plötzlich anfangen, sich mit Krediten hoch zu verschulden? Wenn sie anfangen, zu hoffen, dass Ill bald sterben möge, um aus den Schulden und der Armut zu entkommen?
Dies bleibt abzuwarten.
Wenn Sie wissen wollen, wie die Geschichte den Besuch der alten Dame ausgeht, dann sollten Sie unsere Vorstellungen im Sommer auf keinen Fall verpassen!



Bereit zum Empfang (v.l.n.r. Anne Gemeinhardt als Lehrer, Christin Thomas als Bürger 2 und Juliane Hennig als Bürger 1) Foto: Matthias Müller



Wie empfängt man eine Millardärin? Christian Reißig als Bürgermeister (li.) und Marc Heilfort als Ill (re.) / Foto: Matthias Müller



Anfangs ist sich Ill seiner Sache noch sicher (v.l.n.r. Stephan Matthes als Ill, Janine Busch als Toby, Anna Pjankova als Claire Zachanassian) Foto: Matthias Müller



Besetzung

Claire Zachanassian Anna Pjankova, Patricia Draßdo
Ihre Gatten VII-IX Tobias Mende
Der Butler Anne Kowalski, Angelika Kim
Toby Anne Gemeinhardt, Janine Busch
Roby Mandy Wolfram, Robert Förster
Koby Toni Wittig, Philipp Strobel
Loby Fanny Pappelbaum , Johannes Weiß
Ill Stephan Matteß, Marc Heilfort
Seine Frau / Frl. Luise / Pressemann I / Kameramann Anne Kowalski, Angelika Kim
Seine Tochter / Pressemann II / Radioreporter Nicole Böhm, Maria Wendt
Der Bürgermeister Lisa Schiegl, Christian Reißig
Der Pfarrer Fanny Pappelbaum , Johannes Weiß
Der Lehrer Anne Gemeinhardt, Janine Busch
Der Arzt / Ills Sohn Mandy Wolfram, Robert Förster
Der Polizist Toni Wittig, Philipp Strobel
Bürger 1 Juliane Hennig
Bürger 2 / Bürger 4 Christin Thomas
Bürger 3 / Turner Tobias Mende
Frau 1 / Der Maler / Bahnhofsvorstand / Kondukteur Juliane Moser
Frau 2 / Pfändungsbeamter / Zugführer Anne Richter
Regie Michael Höhme
Bühnenbild Manfred Decker
Anfertigung Jugendtheater Döbeln
Beleuchtung / Ton / Bühnentechnik Mittelsächsisches Theater


Claire Zachanassian wird von Bodyguards begleitet (v.l.n.r. Robert Förster als Roby, Patricia Draßdo als Claire Zachanassian, Anne Gemeinhardt als Toby) Foto: Matthias Müller



Die Schatten der Vergangenheit kommen näher (v.l.n.r. Fanny Pappelbaum als Loby, Toni Wittig als Polizist, Philipp Strobel als Koby) Foto: Matthias Müller



Aufregung in Güllen - verlangt wird ein Mord (v.l.n.r. Philipp Strobel als Polizist, Christan Reißig als Bürgermeister, Janine Busch als Lehrer, Fanny Pappelbaum als Pfarrer) Foto: Matthias Müller



Unsere Schauspieler stellen ihre Figuren vor

Particia Draßdo über Claire Zachanassian
Claire Zachanassian ist eine Frau von Welt und ziemlich auf ihr Aussehen bedacht. Sie ist extrem egoistisch und besucht Güllen nur, um Gerechtigkeit zu schaffen, indem sie ihren ehemaligen Geliebten aus dem Weg räumt. Claire ist sarkastisch und skrupellos. Und all diese Eigenschaften muss ich beim Spielen unter einen Hut bringen. Im Moment fällt es mir noch schwer zu unterscheiden, wann Claire etwas ehrlich meint und wann es ironisch klingen soll. Doch ich denke, dass werde ich mit der Zeit auch noch hinbekommen. Mit ihrer hochnäsigen und eleganten Art und Weise habe ich wiederum kein Problem, im Gegenteil. Mir gefällt es sogar. An Text zum Lernen mangelt es auch nicht. Ich habe also allerhand zu tun und werde mein Bestes geben bis zum Juni, zur Premiere.




 

Anna Pjankova über Claire Zachanassian
Claire Zachanassian ist eine Frau, die nach Güllen zurückkehrt, um sich an den Menschen zu rächen, die sie vor 45 Jahren in den Abgrund trieben. Sie ist eine alte, verletzte und verbitterte Dame, die einiges durchstehen musste, ihre Schönheit und ihren Stolz jedoch nie verlor und sogar Grazie und Stärke entwickelte.
Das Spielen der Claire Zachanassian macht großen Spaß, da ich eine andere Seite von mir zeigen kann - eine kühle, distanzierte und arrogante Art. Allerdings ist diese Rolle auch sehr anspruchsvoll. Es ist nicht immer leicht die Balance zwischen Bosheit und fesselndem Charme zu finden.




 

Angelika Kim über den Butler
Ich spiele den Butler von Claire Zachanassian. Es ist ein alter Mann, der früher einen hohen Posten als Richter hatte. Seine Rolle im Stück kann nicht eindeutig als negativ oder positiv definiert werden. Ich kann mich mit dieser Person nicht direkt identifizieren. Doch genau das macht es spannend...




 

Stephan Matthes über Alfred Ill
Alfred Ill ist im Prinzip ein aufrichtiger und von seinen Mitbürgern sehr geschätzter Mensch, doch Verfehlungen seiner Vergangenheit holen ihn ein. Claire Zachanassian, seine Jugendliebe, fordert Rache für das Leid, das sie ertragen musste, als Ill vor Jahren bestritt, der Vater ihres ersten Kindes zu sein.
Im Laufe des Stückes vollzieht sich schließlich ein Wandel seiner mentalen Verfassung und aus dem ursprünglich freundlichen und hilfsbereiten Krämer wird ein vom Verfolgungswahn und Todesangst geplagter Ill.




 

Marc Heilfort über Alfred Ill
Alfred Ill ist ein 65jähriger, seniler Mann. Er besitzt einen Laden in Güllen, hat sich einen guten Ruf erarbeitet und wird wahrscheinlich der Nachfolger des Bürgermeisters sein. Jedermann kennt ihn und war ihm bis vor kurzen wohlgesinnt. Als jedoch Claire Zachanassian ein Kopfgeld auf ihn aussetzt, zeigt sich das wahre Gesicht seiner „Freunde“. So findet Ill schnell heraus, dass der Schein, die Leute würden ihn unterstützen, trügt.




 

Fanny Pappelbaum über den Pfarrer
Der Pfarrer ist eher eine unscheinbare und fromme Person. Er steht mehrmals im Hindergrund des Geschehens und erinnert häufiger an Gott. Der Pastor, wie er von Claire Zachanassian genannt wird, kennt jeden in der Stadt Güllen und weiß auch Rat in schwierigen Situationen.




 

Anne Kowalski über Frau Ill
Ich spiele Mathilde Ill, geborene Blumhardt, die Frau des Krämers und Bürgermeisterkandidaten Alfred Ill.
Im großen und ganzen bin ich mit meinem Leben zufrieden, aber ich würde mir wünschen einmal die große weite Welt zu sehen und Luxus zu erleben. Das elende Dasein in Güllen hab ich satt, so wie die Zachanassian möchte ich sein, mit den Schönen und Reichen mithalten können.




 

Tobias Mende über den Gatten und den 3. Bürger
Der Gatte ist eher eine ruhige und zurückhaltende Person, daher gefällt mir die Rolle. Der Bürger und die anderen Bürger sind stattdessen an fast jeder öffentlichen Szene beteiligt und somit für das gesamte Stück sehr wichtig.
Ich werde später sehen, wie sich die Rolle weiterhin entwickelt und ob es mir auch weiterhin Spaß macht, das Stück zu spielen.




 

Nicole Böhm über die Tochter Ills
Ich spiele die Tochter von Herr und Frau Ill. Sie ist circa 16 Jahre alt und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf.
Aus diesem Grund will auch sie von dem vielen Geld, das Frau Claire Zachanassian ihrem Heimatstädtchen Güllen verspricht, profitieren. Sie beginnt mit der Masse mit zu schwimmen, indem sie sich auch Dinge leistet, von denen sie vor dem Besuch der Zachanassian
nur hätte träumen können.
Ich glaube, die Tochter zu spielen, ist keine besondere Schwierigkeit, da ich im gleichen Alter bin und es mir ja nicht allzu schwer fallen dürfte, mir auszumalen, was man mit viel Geld tun könnte...




 

Maria Wendt über die Tochter Ills
Ich spiele Ottilie, die Tochter von Ill, und bin ca.17 Jahre alt. Meine Schule habe ich abgeschlossen und suche Arbeit. Nebenbei erlerne ich die englische und französische Sprache. Mit meiner Familie bin ich eng verbunden, lasse mich aber dennoch gerne von Geld beeinflussen und möchte am liebsten genau wie meine Freunde sein.




 

Lisa Schiegl über den Bürgermeister
Als Bürgermeister des verlotterten Städtchens Güllen vertritt Güllen bei offiziellen Anlässen.
Im Grunde ist er eine Person, die auch gern mal hektisch wird und vom widererlangten Reichtum seiner Stadt träumt.
Alles in allem lässt sich sagen, dass es viel Spaß macht, diesen Charakter zu spielen. Er stellt für mich eine Herausforderung dar, weil ich noch nie eine solche Figur gemimt habe. Der Bürgermeister ist im Allgemeinen nicht wirklich ernst zu nehmen, ohne dass ihm das bewusst ist. Deshalb ist das Ganze noch viel lustiger.
Schwerer ist schon sein Text. Er redet sehr viel und sehr lange und manchmal auch sehr übertrieben. Sich seine gesamten Reden zu merken ist schwierig.




 

Christian Reißig über den Bürgermeister
Ja hallo erst mal, ich bin der Bürgermeister. Ein beliebter älterer Herr, welcher sich um das kleine Städtchen Güllen kümmert. Das Wohl des Städtchens ist mein zweitgrößtes Bestreben, nach dem Bestreben die eigene Persönlichkeit finanziell und sozial abzusichern. Eigentlich bin ich als Bürgermeister recht ruhig, aber wenn es hart auf hart kommt, kann ich auch anders. Ich bin die treibende Kraft in Gülllen und kümmere mich um alle Bürger. Auch wenn die Stadt arm ist und wir wirtschaftlich ruiniert sind, respektieren mich die Bürger.




 

Johannes Weiß über den Pfarrer
Der Pfarrer ist ein Mann der Kirche, der versucht die Menschen auf den richtigen Weg zu bringen. Er ist ruhig und bedacht, gibt Denkanstöße - kann aber die Probleme der Anderen nicht lösen, ist nur behilflich.




 

Anne Gemeinhardt über den Lehrer
Die Rolle des Lehrers war meine erste Wahl, weil er fast bis zum Ende für Menschlichkeit einsteht. Zumindest versucht er die Bürger umzustimmen.
Selbstverständlich bin ich gegen Gewalt in der Schule. Das mit Claire damals war ein Ausrutscher. Im Stück muss ich ja zum Glück niemanden schlagen...
Außerdem mag ich die Reden, die er hält, wenn auch teilweise unter Alkoholeinfluss...




 

Janine Busch über den Lehrer
Ich spiele die Rolle des Lehrers, eines verbissenen alten Mannes, der an seinen Gewohnheiten festhält.
Doch im Laufe der Proben lernt man diese Rolle kennen und lieben. Denn hinter der Ernsthaftigkeit des Lehrers steckt ein guter und hilfsbereiter Mensch...




 

Mandy Wolfram über den Arzt
Ich spiele u.a. die Rolle des Arztes. Meiner Meinung nach ist er ein sehr ruhiger und zurückhaltender Mensch. Diese Eigenschaften stehen im Kontrast zu meiner Person, denn ich rede meist ununterbrochen. Vielleicht fällt es mir deshalb so schwer, mich mit der Rolle zu identifizieren. Trotzdem ist es eine Herausforderung, der ich mich gern stelle.




 

Robert Förster über den Arzt
Der Arzt ist noch einer der wenigen Menschen in Güllen, die nicht ganz so arm sind, wie die meisten Bürger der Stadt. Er ist ein stattlicher, gut gekleideter Mann, der einen Mercedes aus dem Jahre 1932 besitzt.




 

Toni Wittig über Koby
Koby – Der kleine, blinde, dicke “Mann“ ist stets mit seinem Leidensgenossen Loby unterwegs. Die Milliardärin ließ sie einst blenden und kastrieren und nun gehören sie zu ihrem Gefolge. ...Warum sie ihnen das angetan hat? ... das werdet ihr schon mitbekommen, wenn ihr unsere Theateraufführung seht!
Einen Blinden zu spielen ist zur Zeit noch schwer, aber ich werde mein Bestes geben, damit es am Ende so authentisch wie möglich aussieht. Aber die Art und Weise, in der die beiden Blinden reden, ist sehr amüsant und bereitet mir viel Spaß beim Spielen und wird auch die Zuschauer erfreuen.




 

Philipp Strobel über den Polizist
Unter dem Polizisten stelle ich mir einen Mann mittleren Alters vor, der eine mitgenommene Uniform trägt und stets Zigaretten raucht. Er hat eine raue Stimme, was seinen Charakter untermalt, und eine leicht hinterhältige, falsche Mimik und Gestik. Die Anforderungen, die an einen Polizist gestellt werden, erfüllt er nicht, da er unter anderem schnell gereizt und aufbrausend ist.




 

Juliane Hennig über den 1. Bürger
Mit dem ersten Bürger habe ich meine Wunschrolle bekommen, es macht mir Spaß ihn zu spielen. Besonders im Trio ergänzen sich die Bürger wunderbar und reihen die Inhalte sinnvoll, aber auch komisch aneinander. Es passt und bringt etwas Witz in diese doch ernste Komödie. Die Bürger sind wie das Allzweckmittel im Spiel, werden meist gebraucht und sind doch öde und lahm. Ich werde in Zukunft sehen, was die Rolle mir noch bringt und in wieweit ich mich in sie hinein versetzen kann.




 

Christin Thomas über den 2. Bürger
Ich schätze meine Figur in disem kleinen Stück wütend ein, da er diese "verfluchten" Journalisten nicht in seinem kleinen Städtchen haben will. Des Weiteren wollte ich etwas Neugierde ausdrücken, was meiner Meinung nach am Ende bei den vorbeigehenden Frauen auch ansatzweise gelungen ist. Auch wollte ich das Zynische im Stück verdeutlichen. Im Allgemeinen ist die Figur des Bürgers sehr
vielseitig.




 

Juliane Moser als Maler
Der Maler ist ein Künstler der von seinem Talent überzeugt ist. Jedoch bekommt er wenig Anerkennung vom Güllener Bürgertum und wird wie ein normaler Anstreicher behandelt. Dies findet er nicht so gut und wirkt deshalb manchmal etwas erzürnt.
Auch der Maler wirft seine Moral über Bord und denkt nur an sein eigenes Wohl, indem er Alfred Ill im Stich lässt und sich den anderen Bürgern von Güllen anschließt.




 

Anne Richter als Frau, Pfändungsbeamter und Zugführer
Ich spiele drei Rollen. Dazu gehören der Pfändungsbeamter, der Zugführer und die Frau 2, welche in Ills Laden auftritt.
Am meisten mag ich die Rolle des Zugführers, da er sich so ahnungslos verhält. Die ganzen Bürger von Güllen befinden sich am Bahnhof und warten angespannt auf die Ankunft von Claire Zachanassian und er ist wütend darüber, dass sie die Notbremse zog. Natürlich wusste er in diesem Moment nicht, wer vor ihm steht und das finde ich amüsant. Er verkörpert diese unwissende Person, welcher am Ende alles furchtbar peinlich ist und das macht ihn in einer gewissen Art sympathisch.




 

Eine Lobeshymne auf die Millirdärin (v.l.n.r. Angelika Kim als Frau Ill, Marc Heilfort als Ill, Patricia Draßdo als Claire Zachanassian, Christian Reißig als Bürgermeister) Foto: Matthias Müller



Die Güllner Honoratioren beraten (v.l.n.r. Lisa Schiegl als Bürgermeister, Anne Gemeinhardt als Lehrer, Johannes Weiß als Pfarrer) Foto: Matthias Müller



Ill hofft vergeblich auf Hilfe (Toni Wittig als Polizist, Stephan Matthes als Ill) Foto: Matthias Müller



Pressestimmen

Alte Dame entfacht Spielleidenschaft

Elftklässler vom Theaterkurs des Lessing-Gymnasiums laden heute Abend zur Premiere ins Döbelner Theater ein

Heute Abend ist es endlich so weit: Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ hat auf der Bühne des Döbelner Theaters Premiere. Seit September 2007 arbeiten die 23 Elftklässler des Theaterkurses am Lessing-Gymnasium Döbeln an dem Stück.

Aus den zum Kurs gehörenden zwei Wochenstunden ist längst viel mehr geworden. Es geht nicht nur darum, gute Noten aus dem Kurs zum Abiturergebnis beizusteuern. Mittlerweile hat die Schüler so richtig die Theaterleidenschaft gepackt. Mit Fleiß und Ehrgeiz verbrachten die 23 Elftklässler auch ihre Nachmittage und einige Sonnabende mit den Proben für die etwa dreistündige Aufführung der unterhaltsamen Tragikomödie. Ob großes Talent oder nicht, alle ließen sich anstecken und wurden eingebunden.

„Das ist der besondere Reiz vom Schülertheater und ich staune, wie sich die Schüler dadurch entwickeln, selbstbewusster werden, Stress bewältigen, Initiative ergreifen und im Team arbeiten. Es ist längst viel mehr geworden als ein Unterrichtsprojekt“, freut sich Lehrer Michael Höhme, der mittlerweile das elfte Stück mit Schülern auf die Theaterbühne bringt. Nicht zuletzt auch dank einer großen Unterstützung des Döbelner Theaters. Von Anfang an wurde im TiB geprobt. Gemeinsam wurde die Bühne eingeleuchtet. Der technische Leiter Manfred Decker brachte sich beim Bühnenbild mit seinem Fundus entscheidend ein.

Die Döbelner Allgemeine Zeitung präsentiert die vier Vorstellungen, für die mittlerweile 700 Karten verkauft sind. Die Premiere ist heute Abend um 19 Uhr. Hier gibt es noch einige Karten, ebenso wie für die Vorstellung am Sonnabendnachmittag, 15 Uhr. Am Montag um 12 Uhr sehen sich Schüler des Lessing-Gymnasiums Döbeln und des Martin-Luther-Gymnasiums Hartha die Vorstellung an. Die Aufführung am Dienstag mit Gymnasiasten aus Döbeln und Hartha sowie vom Beruflichen Gymnasium ist bereits restlos ausverkauft.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer, 20.06.2008



Auch der Bürgermeister plant schon Lisa Schiegl als Bürgermeister (Foto: Matthias Müller)



Güllen verschuldet sich und die alte Dame wartet (v.l.n.r. Patricia Draßdo als Claire Zachanassian, Anne Kowalski als Butler, Tobias Mende als Gatte IIX



Der Pfarrer empfielt Ill zu beten (v.l.n.r. Anne Richter als Sigrist, Johannes Weiß als Pfarrer, Stephan Matthes als Ill)



Premiere nach Probenmarathon

Jugendliche spielen Dürrenmatt: Das Lessinggymnasium inszeniert erneut ein Theaterstück. Diesmal geht es um die Wahl zwischen Moral und Moneten.

Schüler der elften Klassen des Lessinggymnasiums haben gestern zum ersten Mal Friedrich Dürrenmatts Stück „Der Besuch der alten Dame“ im Theater aufgeführt. Für die jungen Frauen und Männer geht damit ein wahrer Probenmarathon zu Ende. Mit zwei Wochenstunden steht der Theaterkurs für die Schüler im Stundenplan. Seit Februar haben die 23 Gymnasiasten aber weit über dieses Pensum hinaus auch nach Schulschluss und an Wochenenden auf die gestrige Premiere hingearbeitet. „Jeder Schüler, der sich für den Theaterkurs interessiert weiß, dass er das zu seinem Hobby machen muss“, sagte der Regie führende Deutschlehrer Michael Höhme.

Das Theaterstück handelt von einer jungen Frau, die in einem verlotterten Nest in der Schweiz ungewollt schwanger wird. Der Vater des Kindes lässt die junge Frau mit dem Nachwuchs sitzen, das Kind stirbt. Die junge Frau kommt später zu ungeheurem Reichtum und zieht in die Ferne. Nachdem Jahrzehnte vergangen sind, kehrt sie zurück und bietet dem kleinen Örtchen eine Milliarde Franken an – unter einer Bedingung: Die Frau verlangt, dass ihr untreuer Geliebter von damals stirbt.

„Wir sind heilfroh, dass wir im Theater spielen dürfen“, sagte Höhme. Der Deutschlehrer lobte zugleich die seit mehr als einem Jahrzehnt bestehende Zusammenarbeit mit dem Mittelsächsischen Theater. Er kenne kein anderes Schülertheaterprojekt, das Jahr für Jahr auf einer professionellen Bühne auftreten dürfe. Geprobt wurde das aktuelle Stück allerdings fast ausschließlich in der Schulaula und auf der Bühne im Theater im Bürgersaal (TiB). Erst zur Generalprobe am Donnerstag hatte das Schülerensemble die Gelegenheit, die Abstimmung mit Beleuchtung und Bühnenbild auf der Bühne im Hauptsaal zu testen.

Weitere Aufführungen sind heute um 15 Uhr sowie am Montag und Dienstag jeweils um 12 Uhr zu sehen. Weil die meisten Rollen doppelt besetzt sind, stehen heute andere Jugendliche auf der Bühne als gestern. So kommt jeder Schüler zu seinem Auftritt.

Döbelner Anzeiger
Carsten Gäbel, 21.06.2008



Die Güllner hoffen auf bessere Zeiten (v.l.n.r. Tobias Mende als Bürger 3, Christin Thomas als Bürger 2, Juliane Hennig als Bürger 1) Foto: Matthias Müller



Geld gibt es nur, wenn die Güllner Ill töten Anna Pjankova als Claire Zachanassian



Auch die Familie Ills gönnt sich etwas (Bei der Fahrt im Auto v.l.n.r. Nicole Böhm als Tochter Ills, Stephan Matthes als Ill, Anne Kowalski als Ills Frau, Robert Förster als Ills Sohn) Foto: Matthias Müller



„Alte Dame“ in Schwerstarbeit vorbereitet

Theaterstück des Döbelner Lessing-Gymnasiums hatte am Freitag Premiere.

Es ist ein Kraftakt sondergleichen, den Michael Höhme vom Döbelner Lessing-Gymnasium mit gut zwei Dutzend Elftklässlern am Wochenende im Theater gestemmt hat.

„Theaterkurs Schuljahr 2007/08“ steht in sympathischer Untertreibung auf dem Programmzettel – doch was der Kurs da in einem Jahr Schwerstarbeit vorbereitete, erinnert an große Zeiten hiesigen Schülertheaters. Und natürlich wäre es auch dieser Truppe zu wünschen, wenn sie im Kern beisammen bliebe, um weiter gemeinsam Theater zu spielen. Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ hatten die Schüler gewählt und damit die Latte hoch gehängt. Denn die tragischen Komödien des Schweizers gehören seit Ewigkeiten schon zu den beliebtesten Stoffen des Jugendtheaters.

Weshalb die Handlung auch fast jeder kennt: Da kehrt nach Jahrzehnten die steinreiche Claire Zachanassian in ihren Geburtsort Güllen zurück und stellt dem Ort eine Milliarde in Aussicht – unter der Bedingung, dass ihr untreuer Jugendfreund umgebracht werde. Die sich in antiker Größe zuspitzende Konstellation um eine Frau, die Gerechtigkeit kaufen will und Stadtbewohner, die angesichts der Verlockungen des Geldes ihre Ideale verraten, gehört zu den Klassikern des 20. Jahrhunderts. Denn „Der Besuch der alten Dame“ stellt genau jene Fragen, mit denen sich auch im Jahr 2008 Heranwachsende beschäftigten.

So ist es keine Frage, dass den Schülern eine packende Umsetzung des Stücks gelingt, dass viele der fast durchgängig doppelt besetzten Partien mit Spielfreude und Leidenschaft dargestellt werden. Was wohl seinen Grund darin hat, dass in allen beiden Premieren die gewaltigen Textmengen überaus sicher sitzen – weshalb es sich für den Rezensenten auch verbietet, einzelne Leistungen herauszuheben.

Zur sehr guten Ensembleleistung gehört aber auch der Anspruch des Lehrers, für den Theater mehr ist als nur Textdeklamation: In mühevoller Kleinarbeit hat Michael Höhme mit jeder Figur gewissenhaft Personenregie geführt, und so sind es oft auch die Details zwischen den Zeilen, die in dieser Produktion für Spannung sorgen. In einem Punkt aber schoss der Ensembleleiter wohl etwas über das Ziel hinaus: War es Ehrfurcht vor der Literatur oder die Begeisterung über die Lernfähigkeit seiner Schüler, die dazu führte, dass das Stück fast ohne Kürzungen produziert wurde? Den ersten beiden Akten vor der Pause hätten nämlich großzügige Striche durchaus gut getan.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Hagen Kunze, 23.06.2008



Schließlich wird Ill getötet - Chor der Güllner (v.l.n.r. Robert Förster als Arzt, Christin Thomas als Bürger 2, Lisa Schiegl als Bürgermeister, Juliane Hennig als Bürger 1, Toni Wittig als Polizist, Anne Gemeinhardt als Lehrer) Foto: Matthias Müller



Der Theaterkurs 2007/08 verabschiedete sich mit Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame".



Werbebanner zur Aufführung (3 x 4 m) gemalt von Christian Haunstein