Lessing-Gymnasium Döbeln

Start | Schule während der Pandemie | Schul- und Spendenkonto | Kontakt | Impressum | Datenschutz

03.06. Nachhilfe auf dem Handy

Das Döbelner-Lessing-Gymnasium als Ostdeutschlands erste Smart-School und ein soziales Startup-Unternehmen bringen die Tafel zu den Schülern.

Wenn der Nachwuchs am Handy daddelt, muss es nicht immer TikTok, Whatsapp oder Instagram sein. Vielleicht machen die jungen Leute am Handy mal was ganz Vernünftiges. Nachhilfe zum Beispiel.

Das ist jetzt bei Schülern des Lessing-Gymnasiums Döbeln seit einigen Wochen gar nicht so abwegig. Denn das Thema Nachhilfe geht jetzt per Handyapp und für die Schüler völlig kostenlos. Die Corona-Pandemie, mit geschlossenen Schulen und isolierten Schülern hat das Thema deutlich befeuert.

In einem Webinar erklären Firmengründer Jens Richter und Lehramts-Studentin Jessica Gückel aus Hartha den Schülern, wie LiveBoard funktioniert. DAZ Screenshot

Schon seit Anfang 2019 arbeitet das Lessing-Gymnasium für das Projekt „Schüler helfen Schülern“ mit der gemeinnützigen PRIMA TANDEMS GmbH aus Dresden zusammen. Gründer Jens Richter (42) aus Dresden hatte sich 2018 mit der Idee, für mehr Chancengleichheit in der Bildung einzutreten, selbstständig gemacht. Als das Lessing-Gymnasium Döbeln im selben Jahr als erste ostdeutsche Schule vom Digitalverband Bitcom als Smartschool ausgezeichnet wurde, war der frisch gebackene Sozialunternehmer bei der Preisverleihung in Döbeln dabei und konnte mit seiner Lern-Tandem-Idee erste Kontakte knüpfen.

Am Lessing-Gymnasium gab es schon länger das System „Schüler helfen Schüler“. Schulsozialarbeiterin Susann Gasse kümmerte sich darum, Schüler, die Nachhilfe geben konnten, und Schüler die Hilfe brauchten, zusammenzubringen. Ganz analog. Jens Richter und sein Prima Tandem bot dafür nun eine digitale Verabredungsplattform. „Es dauerte ein wenig und bedurfte vieler Anstupser, doch mit zunehmender Bekanntheit wurde das Netzwerk auch effektiver. Unser Credo war bis dahin, dass sich die Schüler online finden und dann zu realen Lerntreffen verabreden“, erzählt Jens Richter. Für alle Lernverabredungen gab es ein Bonussystem mit Partnern wie der Buchoase in Döbeln, die für eine gewisse Belohnung für jede funktionierende Lernpartnerschaft unter Schülern sorgt.

Die Corona-Krise beschleunigte nun einen viel später geplanten Schritt. Da seit Mitte März keine Schule möglich war und auch keine Treffen in den Nachhilfeteams, forcierte Jens Richter die Zusammenarbeit mit dem externen Partner LiveBoard. Damit können die Döbelner Schüler nun Online-Lerntreffen direkt über die Plattform von PRIMA TANDEMS durchführen – mit einem digitalem Whiteboard und einem Audio-Chat, auch vom Handy aus. Diese Funktionen steuert die Firma LiveBoard bei, die bereits einige Jahre Erfahrung mit Online-Whiteboards hat. Die Nutzung ist für LGD-Schüler kostenlos, und es ist keine Registrierung bei LiveBoard erforderlich.

Das System funktioniert wie Skype nur ohne Kamera. Die Schüler nutzen eine weiße Tafel, um daran Aufgaben gemeinsam zu bearbeiten und haben eine Audioverbindung. Auf eine Art Videotelefonie wurde verzichtet, damit das System auch auf den Handys der Schüler funktioniert und nicht zu viel Datenvolumen verbraucht.

„Wir haben uns bewusst für eine benutzerfreundliche und intuitive Nutzung am Handy entschieden, weil die meisten Kinder ab Beginn der weiterführenden Schule in nahezu allen Schichten ein eigenes Handy haben. Zugriff auf einen eigenen PC oder ein Tablett haben viele dagegen nicht. Es ging uns darum, keine unnötigen Barrieren aufzubauen“, sagt Jens Richter. Er zielt damit auch weiter weiterführende Schulen, wie Oberschulen und Berufsschulen, die das Lernhilfesystem nutzen können.

Das Lessing-Gymnasium in Döbeln, als Smart-School in Deutschland, war für die Gründer von Prima-Tandem sozusagen der Prototyp und der Beweis, dass die Idee funktioniert. Aktuell nutzen neun aktive Lerntandems am Lessing-Gymnasium die Plattform und das Liveboard. Weitere Schüler verabreden sich konventionell über das System. Die Lernhilfe geben dabei vorwiegend Schüler der siebenten bis elften Klasse. Die Lernhilfe in Anspruch nehmen vorwiegend Fünft- bis Achtklässler. Das Fach Mathematik ist der Nachhilfeschwerpunkt, gefolgt von Biologie und Latein in einem größeren Abstand.

Nach dem Erfolg in Döbeln nutzen mittlerweile insgesamt sieben Partnerschulen das Nachhilfesystem von Prima-Tandem. So das Lichtwer-Gymnasium in Wurzen, das Kant-Gymnasium Leipzig, das Marie-Curie-Gymnasium Dresden, die Dreikönigschule Dresden sowie die Gymnasien Dresden Bühlau und Bischofswerda.

Auch wenn jetzt langsam wieder reale Treffen zum Üben möglich sind, sieht Jens Richter bei LiveBoard weiterhin viel Potenzial: „Gerade im ländlichen Raum, wo viele Schüler auf Busse angewiesen sind, und deshalb nachmittags nicht länger in der Schule bleiben können, um miteinander zu lernen, ist die Verabredung zur Nachhilfe per WhiteBoard eine flexible Lösung.“

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
03.06.2020

Kommentar

Jede Schule sollte Smart School sein
von Thomas Sparrer


Es ist interessant zu sehen, dass die Auszeichnung des Lessing-Gymnasiums in Döbeln durch den Verband der Digitalwirtschaft (Bitcom) recht schnell Früchte trägt und durch das digitale Nachhilfeprojekt Prima Tandem nun auch an andere sächsische Schulen weiter getragen wird. Es ist von jeher ein interessanter und sehr sozialer Ansatz, dass leistungsstärkere Schüler anderen Schülern Nachhilfe geben. Dieses zu professionalisieren und die helfenden Schüler gut anzuleiten – dazu war das Döbelner Gymnasium schon im analogen Zeitalter angetreten. Das ganze auf eine digitale Plattform zu heben, hat jetzt in den Zeiten geschlossener Schulen während der Corona-Pandemie einen richtigen Schub erfahren. Es ist ein schöner Gedanke, dass solche Nachhilfe-Tandems künftig auch schulübergreifend etwa zwischen Harthaer und Döbelner Gymnasiasten oder sogar schulartenübergreifenden zwischen Gymnasiasten und Oberschülern stattfinden könnten. Was ein solches simples per Handy funktionierendes System aber besonders gut kann, ist Eltern zu entlasten. Gerade in diesen Wochen des Wechsels zwischen Präsenzunterricht in der Schule und dem Lernen zu Hause. Corona zeigt aber gerade sehr schmerzhaft, dass die meisten Schulen noch längst nicht auf einem solchen Stand sind. Jede Schule muss schnellstmöglich zur Smart School ausgebaut werden.