19.06. So cool ist Mathe

Döbelner Schüler lernen mit dem Tablet

Mathe-Unterricht der Zukunft gab es gestern bei der Klasse 7a des Lessing-Gymnasiums Döbeln. Bei Fachleiterin Ursula Kührig ging es um Flächeninhalte bei Dreiecken und Vierecken, aber auch um Flächen- und Volumenberechnungen von Prismen und Pyramiden. Zum Einsatz kam dabei ein geliehener Satz iPads.

Einen Satz iPad Air 2 hatte ein Computerhändler dem Gymnasium ausgeliehen. Die Schüler der 7a um Mathe-Lehrerin Ursula Kührig lösten spannende Matheaufgaben damit. Foto: T. Sparrer

Ursula Kührig (57) ist eine von 20 Promotoren, die an der Hochschule in Chemnitz Unterrichtssequenzen für den Unterricht mit Tablets erarbeiten. Unter 70 Bewerbern war sie für das Projekt ausgewählt worden. Mit ihren Promotoren hatte sie dabei in Dresden einige lebensnahe Mathe-Aufgaben erarbeitet, die mit dem iPad und seiner Fotofunktion zu lösen waren. So hatte sie die Dresdner Hofkirche aus verschiedenen Perspektiven fotografiert und die Aufgabe gestellt, einem Glaser zu helfen, der ein Angebot für ein Turmfenster erstellen sollte, ohne hinaufklettern und messen zu können. Mit Metermaß und Fotos per iPad begannen die Schüler erst zu schätzen und dann zu rechnen. Im Schulgelände suchten sie sich schließlich ähnliche Aufgaben, indem sie Glasflächen oder die Grafittiwand an der Stadtsporthalle berechneten oder am Eingang für Malerarbeiten die Fläche bestimmten, die mit Folie abzudecken ist. Ihre Ergebnisse präsentierten die Schüler gruppenweise per iPad und auf der interaktiven Tafel im Klassenzimmer. "Ich weiß, dass es zum Unterricht mit den mobilen Medien sehr unterschiedliche Meinungen gibt, finde es selbst aber sehr wichtig, dass wir unsere Unterrichtsgestaltung anpassen. Wir können die Schüler nicht dafür verantwortlich machen, dass sie die Technik, die "wir" entwickelt haben, umfassend nutzen wollen", sagt Ursula Kührig. Die Schüler seien in die Welt mit dieser Technik geboren. "Es ist ihre Welt. Sie sind die Eingeborenen und wir die Zuwanderer. Man muss nur das richtige Maß der Nutzung finden", so die Mathe-Lehrerin.
Im frisch sanierten Hauptgebäude des Döbelner Gymnasiums sind alle Unterrichtsräume mit interaktiven Tafeln ausgestattet. Zwei Räume sind für den Tablet-Unterricht vorgesehen. "Perspektivisch möchten wir die Ausstattung unserer Schule auch um eigene Tablets erweitern, um noch flexibler auf die Anforderungen unserer digitalen Zeit reagieren zu können", sagt Schulleiter Michael Höhme.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
19.06.2015

Kommentar

Zukunft der Schule hat schon begonnen

Tablets und das Smartphone sind aus dem Alltag der größeren Kinder und Jugendlichen nicht mehr weg zu denken. Die schöne neue Welt ist in den Händen des Nachwuchses heute scheinbar alltagsbestimmend. Erwachsene fragen sich deshalb oft: Was machen die jungen Leute eigentlich, wenn mal der Strom oder nur die Internetverbindung ausfällt? Klar sollten sie lernen, dass man auch ohne Internet überleben kann. Aber deshalb muss man im Mathe-Unterricht nicht wieder den Rechenschieber einführen, nur weil die Elterngeneration sich damit herumquälen durfte. So schön wie es war, damit ohne Strom und Datennetz ganz analog komplizierte Aufgaben zu berechnen. Es entspricht einfach nicht mehr der heutigen Lebenswirklichkeit unserer Kinder, wenn sie mit antiquierten Hilfsmitteln lernen müssen. Der Ansatz vieler Lehrer sich in die Lebenswelt ihrer Schüler zu begeben und nicht umgekehrt ist goldrichtig. Auch, dass mittelfristig Kreidetafeln von interaktiven Tafeln abgelöst und schwer zu schleppende Wörter- und Lehrbücher auf grammleichten Tablets gespeichert werden, ist eine schöne Vorstellung von der Schule der Zukunft. Diese Zukunft hat am Lessing-Gymnasium Döbeln schon begonnen. Auf den Schulträger kommen nach Investitionen in die Gebäude bald weitere Geldausgaben für handliche Tablets zu.