28.01.2013 Social-Community-Guides

Interessierte Schüler der 8. und 9. Klassen werden zu Experten für Soziale Netzwerke ausgebildet. Sie gestalten dann für Schüler der 5. und 6. Klassen einen Projekttag zum Thema und begeliten diese bei Ihren ersten Schritten in Sozialen Netzwerken.

28.01. Gymnasiasten als Facebook-Führer


Am Gymnasium lernen Schüler die Tücken der sozialen Netzwerke kennen. Sie sollen ihr Wissen weitergeben.

Die künftigen Führer durch die sozialen Netzwerke – Acht- und Neuntklässler des Lessing-Gymnasiums – haben gestern selbst eine Menge gelernt. Wo liegen die Tücken von Facebook, SchülerVZ oder SchülerCC? An welchen Stellen muss man bei den persönlichen Einstellungen Häkchen setzen? Was ist eigentlich Datenschutz und Urheberrecht? Alles brandaktuelle Themen für eine Generation, für die Gefahren nicht mehr nur im Straßenverkehr, sondern auch am Ende der Datenautobahn lauern. Die Eltern können oft nicht überblicken, was ihre Kinder in den Netzwerken treiben, sagte Michael Höhme, Leiter des Lessing-Gymnasiums. Nicht nur, weil manche damit grundsätzlich überfordert sind; zu bestimmten Communitys haben Erwachsene keinen Zutritt. Um so wichtiger ist die „Medienkompetenz“ der jungen Leute.

Ken Bleyer (l.) von der Lernwerkstatt Zwickau leitete die "Guides" im Umgang mit der Netzgemeinschaft Facebook an. Foto: André Braun


Viel Zeit bringen Schüler heute in den Netzgemeinschaften zu. Ein großer Teil der sozialen Kontakte wird dort gepflegt. In der virtuellen Welt kann auch eine besondere Art von Gewalt vorkommen. „Wir hatten schon Fälle von Cyber-Mobbing“, sagte Höhme. Konflikte werden vom Schulhof in die sozialen Netzwerke hineingetragen und arten dort in Beschimpfungen und Herabsetzungen aus. Das kann Jugendliche sehr belasten und sich auch auf die schulischen Leistungen auswirken, sagte Höhme.


Die gestern ausgebildeten „Social-Community-Guides“ werden ihr Wissen im März bei einem Projekttag an Fünft- und Sechstklässler weitergeben. Auch danach sollen sie Ansprechpartner bleiben. Wenn wirklich mal ein Schüler im Netz gemobbt wird, ist ein anderer Schüler ein besserer Ansprechpartner als ein Lehrer, meint Höhme.

Nicole Natzschka, Referendarin am Gymnasium, hat das Projekt organisiert. „Als Lehrer kommt man um das Thema nicht herum“, meint sie. Für die angehende Lehrerin hat das Projekt auch weiterreichende Bedeutung: Sie wird es zum Thema ihrer zweiten Examensarbeit machen.

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
28.01.2012

Facebook am Schultor

Größere Schüler unterrichten Fünftklässler am Lessing-Gymnasium im Umgang mit sozialen Netzwerken

Gleich eine doppelte Premiere gab es gestern Vormittag am Lessing-Gymnasium Döbeln. Zum ersten Mal wurde bei den Fünftklässlern des Gymnasiums in der Körnerplatzschule das Thema soziale Netzwerke im Internet ausführlich im Rahmen eines Projekttages behandelt. Erstmalig traten dabei ausschließlich Schüler der achten und neunten Klassen als Lehrkräfte auf, um den kleineren Mitschülern Chancen und Gefahren sozialer Netzwerke zu vermitteln.
Seit Wochen bereiteten sich die größeren Schüler auf den Projekttag vor. Gestern waren sie allesamt seit sieben Uhr im Schulhaus, "Die Jungs und Mädels sind hochmotiviert und sie haben für ihre Stationen richtig gute Ideen im Gepäck", freut sich Schulleiter Michael Höhme. Der Direx selbst könnte zu Facebook, SchülerCC und Co. gar nicht so viel sagen, wie seine Schüler. "Ich habe gar kein Facebookprofil. Ich bin mit der täglichen Aktualisierung unserer Schulseite im Internet vollkommen ausgelastet", gesteht er.

Der eigene Steckbrief am Schultor:

Symbolisch und sehr wirksam demonstrierten Laura Müller (r.) und ihre Mitschülerin Juliane Johne den Fünftklässlern, was man von sich im Internet nicht zu gedankenlos über sich preisgeben sollte. Einige der Fünftklässler schwankten zwischen Spaß und Erschrecken. Foto: Thomas Sparrer

Am Schultor der Körnerplatzschule schwanken die Fünftklässler zwischen Lachen und Erschrecken hin und her. Laura Müller und Juliane Johne aus der 8a haben mit den Schülern symbolisch einen Steckbrief auf einem A4-Blatt erarbeitet, wie man ihn bei Facebook oder SchülerCC ausfüllen würde. Die Fünftklässler sollten selbst entscheiden, was sie von sich preisgeben wollen. Was sie zudem Zeitpunkt nicht wussten: Ihr Steckbrief wurde anschließend an einer Wäscheleine am Schultor für jeden vorbeigehenden Passanten sichtbar aufgehängt. Dabei war plötzlich doch dem ein oder anderen Schüler das Lachen vergangen. Laura und Juliane gingen am Tor mit den Schülern nun die Einzelheiten durch. "Was habt ihr bei mein peinlichstes Erlebnis eingetragen?". Nur zwei Witzbolde hatten sich an ihre Kindergartenzeit erinnert. Doch das Lachen währte nicht lang. Eine Steilvorlage für die beiden Achtklässlerinnen. "Denkt immer daran, was ihr preisgeben wollt. Das Internet vergisst nie und eine Peinlichkeit könnte euch ewig verfolgen", so Laura. Als die Gruppe ihre Steckbriefe wieder vom Tor abnehmen durfte, schienen einige der Fünftklässler doch erleichtert. Auch lernten sie, dass nicht jeder der sich im Chat als elfjähriger Gesprächspartner ausgibt auch in ihrem Alter sein muss. Oder das man überlegen sollte, ob man auf der Pinnwand preisgeben sollte, wann die Familie in den Urlaub fährt.


Was oder wen man mag oder nicht mag - und was man davon im Netz preisgibt, diese Fragen hatten Dorothee Müller, Anna Kellert, Pauline Seidel und Lea-Marie Berger aus der 9b mit den Fünfklässlern auf dem Schirm. Aus dem Posten, wen man nicht mag, könne schnell auch sogenanntes Cybermobbing werden. Die drei Mädchen erarbeiteten mit den kleineren Schülern mit Hilfe eines Einstiegsvideos und mit Rollenspielen und kleinen Theaterszenen Gegenstrategien.
Die richtigen Facebook-Profileinstellungen erklärten die Matti Simon, Friedhelm Finsterbusch und Robin Kehl aus der 8a. Zuvor hatten sie den Mitschülern anhand zerknüllte der Zettel mit kleinen nachrichten mal ganz analog erklärt, wie bei Facebook Nachrichten verschickt werden und was im Gegensatz dazu auf der Pinnwand gepostet wird.
Was darf man herunterladen? Was ist illegal? Wie nutzt man Youtube oder Simfy? Darauf hatte sich Richard Köhler sich an seiner Station vorbereitet und gab nützliche Rechtstipps.
"Der Projekttag Soziale Netzwerke setzt in der fünften Klasse genau richtig an. Denn ein großer Teil der Schüler bewegt sich nach eigenen Aussagen bereits in dem Bereich im Internets", sagt Nicola Natzschka. Die Referendarin für Sport, Geografie und Englisch betreute den gestrigen Projekttag federführend und wird ihn auch für ihre Examensarbeit auswerten.

Hintergrund

"Soziale Netze - aber sicher!?" war gestern Abend auch das Thema eines Elternabends in der Aula des Lessing-Gymnasiums. Nicole Natzschka, Ute Krause vom Lehrerkollegium, Schulleiter Michael Höhme und Mitglieder des Schülerrates informierten Eltern zum Thema Facebook, SchülerCC und Co, zu Datenschutz, Urheberrecht, Profileinstellungen und Cybermobbing.


Standpunkt

Netzwerke knüpfen, statt sie zu verteufeln

Heutige Eltern haben sich noch kleine Zettel flüsternd hinter dem Rücken des Lehrers zugesteckt. Ihre Kinder posten ihr Befinden bei Facebook. Sie chatten im Schülernetz, mehr als sie im wahren Leben miteinander reden. Nun kann man die sozialen Netzwerke im Internet verteufeln und seinen Kindern Facebook verbieten. Doch das dürfte in der heutigen Informations- und Technologiegesellschaft weltfremd sein. Das Lessing-Gymnasium hat mit dem Projekttag "Soziale Netzwerke" andere Wege aufgezeigt. Acht- und Neuntklässler befassen sich intensiv mit Gefahren und Möglichkeiten von Facebook und Co und klären Fünftklässler ziemlich überzeugend auf. Doppelter Gewinn für die Schüler. Und was noch besser ist, per Elternabend wurde dieses Wissen am Abend angeboten. Denn wenn sich Kinder in der Medienwelt zurechtfinden sollen, müssen Eltern diese Medienkompetenz auch erwerben.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
23.03.2012

Internetknigge für Fünftklässler

Beim Projekttag lernen die kleinsten Gymnasiasten viel über soziale Netzwerke und Mobbing im Internet.

Der Schrecken soll heilsam sein. Erst haben die Fünftklässler Steckbriefe mit persönlichen Daten, Foto und allem Pipapo versehen. Und jetzt flattern sie auf einer Leine in aller Öffentlichkeit draußen am Zaun der Körnerplatzschule. Theoretisch für jeden sichtbar. Genau so ist es, wenn man unüberlegt persönliche Daten in den sozialen Netzwerken wie Facebook weltweit zugänglich macht, erklären Julia John und Laura Müller. Die beiden Achtklässlerinnen sind „Social-Community-Guides“ des Lessing-Gymnasiums. Gestern haben die Fünftklässler bei ihnen und den anderen „Guides“ etwas über die Gefahren des Internets gelernt.

Wer zu viel über sich

im Internet preisgibt, kann seinen Steckbrief auch gleich an den Zaun hängen.


Soziale Netzwerke im Internet gehören heute wie selbstverständlich ins Leben von Kindern und Jugendlichen – selbst bei Fünftklässlern. Michelle Finsel-Mitschke, zehn Jahre alt, ist beim Netzwerk Schueler.CC angemeldet, einem bei den Döbelner Gymnasiasten offenbar ziemlich beliebten Netzwerk. „Meine Mama hat mir alles erklärt. Ich schaue aller zwei Tage mal rein“, erzählt sie. Mittlerweile habe sie viele Freunde im Netz. Die meisten kennt sie persönlich aus der Schule. Alia Bungenhagen (11) ist auch bei Schueler.CC. Von Facebook will sie dagegen nichts wissen. „Das ist mir eine Nummer zu groß“, sagt sie.

Bei Facebook kann man erst mit 13 Jahren Mitglied werden. Trotzdem stand das weltweit größte soziale Netzwerk mit auf dem Plan beim Projekttag für die 105 Fünftklässler des Gymnasiums. Welche persönlichen Daten gehören ins Netz und welche nicht? Welche Einstellungen sind richtig? Wie ist das mit illegalen Downloads, dem Datenschutz und dem Urheberrecht? Nicht zuletzt: Wie zerstörerisch ist Mobbing im Netz? Das sind die Fragen, die gestern beantwortet wurden. Die Wissensvermittlung endet nicht bei den Schülern. Auch die Eltern waren zu einem Info-Abend eingeladen.

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
23.03.2012