Wie Technik den Unterricht verändert

Smartboard statt Kreidetafel, lernen mit Computerspielen, das „Kinderoffice“

Die Technik wird von Tag zu Tag moderner. Auch Schule ist inzwischen digital – zumindest beinahe. Die Lehrer am Lessing-Gymnasium in Döbeln arbeiten seit einiger Zeit schon mit den interaktiven Tafeln. Sieben davon gibt es. Die interaktive Tafel ähnelt einem großen Bildschirm. Statt mit Kreide darauf zu schreiben, steuert der Lehrer per Laptop, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Schreiben kann man auf der Tafel auch – mit sogenannten Stiftimitaten. Mit einem Schwamm kann das auch wieder entfernt werden.

Die Tafel funktioniert wie eine Art Touchscreen. Mit einem Beamer wird das, was gerade am Computer passiert, auf die Tafel projiziert. An den Seiten sind zwei Lautsprecher befestigt, aus denen Musik oder der Ton zu Videos zu hören sind.

Die interaktiven Tafeln sind Multitalente im Klassenzimmer. Foto: André Braun


Diese Technik erleichtert den Alltag. Neben jeder interaktiven Tafel sieht die gute alte Kreidetafel uralt aus. Selbst der älteste Lehrer ist begeistert. Aber noch nicht jeder beherrscht die neue Tafel perfekt.

Die Stadt legte für die interaktiven Tafeln am Gymnasium 110000Euro auf den Tisch. Aber die sieben Tafeln sind noch längst nicht alles. Wie Schulleiter Michael Höhme sagte, sollen noch sechs weitere Tafeln installiert werden.

Neben den modernen Unterrichtsräumen gibt es auch die Computerkabinette, die hauptsächlich für den Informatikunterricht genutzt werden. Seit diesem Jahr gibt es auch einen Monitor, an dem der Vertretungsplan angezeigt wird. Auch Nachrichten des Lessing-Gymnasiums sind dort nachzulesen. Jeder Schüler oder Lehrer kommt im Laufe des Tages daran vorbei und informiert sich so immer über das Neuste. Zuvor wurde das an eine Pinnwand geheftet.

Moderne Technik gibt es auch schon in den Grundschulen – so wie in der am Weinberg in Roßwein. Schon früh wird den Kindern beigebracht, wie man mit dem Computer umgeht. Die Deutsch- und Informatiklehrerin Heidrun Herbert unterrichtet die Grundschüler schon seit der ersten Klasse am Computer. Sie ist die Verantwortliche für Medien an der Schule. Der Lehrplan verlangt sogenannte informatische Vorbildung. „Den Kindern wird gezeigt, wie man auf der Tastatur schreibt, wie sie aufgebaut ist und wie man Programme startet und beendet“, sagt sie. Die Kinder haben sehr viel Spaß daran, am Computer zu arbeiten. „Sie erledigen sogar zusätzliche Hausaufgaben freiwillig“, sagt Heidrun Herbert.

Schon Vorschüler dürfen an interaktiven Tafeln arbeiten. Sie erstellen Mindmaps und spielen Spiele. Jeder Schüler hat ein kleines Armband mit einem integrierten USB-Stick, auf dem alle Dokumente gespeichert sind. Sie können so auch ihre Hausaufgaben speichern. Am nächsten Tag wird dann das Geschriebene an der interaktiven Tafel, dem Smartboard, für alle präsentiert. Der USB-Stick enthält das Programm „Kinderoffice“. Das hilft den Schülern, Vorträge vorzubereiten. Wer am Computer richtig gut ist, kann am Sächsischen Informatikwettbewerb an der TU Dresden teilnehmen. Die Kinder können auch den sogenannten „Computerführerschein“ absolvieren.

Wahrscheinlich gibt es in einigen Jahren auch keine Schulbücher mehr. Man denkt darüber nach, in der Schule stattdessen mit einem Tablet zu arbeiten. „Das Ganze steckt noch in den Kinderschuhen“, wie der Schulleiter des Lessing-Gymnasiums Michael Höhme sagt. Man würde dann auf solch einem Tablet alle Bücher in einer Art E-Book speichern. Die einzelnen Seiten versieht man dann mit Internetadressen, um dann zu den entsprechenden Themen zu gelangen. Die Idee wurde schon in Ländern, wie zum Beispiel in Südkorea, umgesetzt. Dort brauchen die Schüler keine schweren Schulbücher mehr zu tragen.

Die Schüler der Klasse 7 a des Lessing-Gymnasiums in Döbeln durften erstmals mit einem Computerspiel im Deutschunterricht arbeiten. Die Referendare Felicitas Hampel und Tommy Greim haben über das Thema „Computerspiele im Unterricht“ ihre Masterarbeit geschrieben. Im Deutschunterricht haben die Siebtklässler das Computerspiel „Edna bricht aus“ gespielt. Dieses handelt von einem Mädchen, das ihr Gedächtnis verloren hat und in einer Gummizelle einer Irrenanstalt aufwacht. Bei dem Anblick verschiedener Gegenstände erinnert sie sich an ihre Kindheit und an damals erworbenen Fähigkeiten. Nur mit der Hilfe des Spieles kann Edna aus der Anstalt entkommen.

Die Schüler mussten die Personen in dem Spiel charakterisieren oder Grammatikaufgaben lösen. Sie haben also nicht einfach nur gespielt. „Die Schüler sollen durch Computerspiele, die vor allem bei Jungs sehr beliebt sind, mehr zum Lesen ermuntert werden“, erklärt Tommy Greim. Nur wer die Bedienungsanleitung verstanden hat, kann auch spielen. „Das ist interessanterer Lesestoff als ein dickes Buch“, so Greim.

Anschließend hat die angehende Lehrerin Felicitas Hampel einen Test mit einem Text aus einem Buch und einen mit einem Text aus der Spiel-Anleitung schreiben lassen. Tatsächlich schnitt der Test mit dem Anleitungstext besser ab, als der zum normalen Text. „Computerspiele sind also nicht unbedingt schlecht, sie können auch zum Lernen anregen“, sagt Referendar Tommy Greim.

Die Schüler arbeiten aber nicht nur im Internet, sie sind dort auch mit ihren Projekten präsent. Projekte des Lessing-Gymnasiums Döbeln, wie „Jüdische Geschichte und Kultur“ und „Gesteine – Baumaterial unserer Erde“ sind für jeden im Internet zugänglich und werden pro Tag etwa 2000-mal besucht. „Für eine Schulseite im Netz ist das beachtlich“, sagt Schulleiter Michael Höhme.

Er verschweigt aber auch nicht die Gefahren. Facebook ist eine von Jugendlichen meistbesuchte Seite. Es gibt oft Fälle von Mobbing, in denen sich Jugendliche nicht zu helfen wissen. Aus diesem Grund gibt es am Lessing-Gymnasium das Projekt „Social-Community-Guides“. Interessierte Schüler der achten und neunten Klassen werden zu Experten für Soziale Netzwerke, wie Facebook und SchülerCC ausgebildet. Sie gestalten dann für Schüler der fünften und sechsten Klassen einen Projekttag zum Thema und begleiten diese bei ihren ersten Schritten in Sozialen Netzwerken. Den Schülern wurde zum Beispiel gezeigt, wie man auf der Seite Facebook ein sicheres Profil erstellen kann.

Die technische Entwicklung an unseren Schulen wird sich in Zukunft weiter durchsetzten. Denn Computer und Computerspiele sind nicht immer schlecht. Sie haben auch positive und sehr nützliche Seiten. Sie müssen nur sinnvoll eingesetzt werden.

Döbelner Anzeiger
Antonia Rommer
06.07.2013