18.12. Wir fahren nach Berlin!


Wahlgrundkurse „Jüdische Geschichte und Kultur“ auf Kurztrip in der Bundeshauptstadt

Mittwoch,14.12.2011, 06:45 Uhr…
…eigentlich eine Zeit, in der sich die meisten auf ihren Schultag vorbereiten oder schon auf ihren Bus warten. Doch an diesem Tag überlegten sich ungefähr 25 Schüler der Sekundarstufe II, dies nicht zu tun.
An diesem Tag fanden sich wissbegierige und interessierte junge Menschen des jüdischen Wahlgrundkurses der elften und zwölften Klasse zusammen, um sich gemeinsam auf den Weg in die Bundeshauptstadt zu begeben. Dabei hatten sie sich nicht nur zum Ziel gesetzt, „Neues“ über die Jüdische Kultur und Geschichte herauszufinden, sondern auch gemeinsam zwei schöne Tage in Berlin zu verbringen.
Nach einer ziemlich ermüdenden Zugreise über Elsterwerda wurde auch schon der erste Programmpunkt des 2-Tage-Trips angesteuert. Nach kurzem Fußmarsch befanden wir uns im Jüdischen Museum, welches schon allein durch seine aufwendig gestaltete Architektur bei vielen der Mitreisenden für Staunen sorgte. Innen angekommen starteten wir ohne unerwünschte Wartepausen sofort mit der Entdeckung und durften, eingeteilt in zwei Gruppen, zuerst den Ausstellungsbereich des Jüdischen Museums erkunden und später selbst aktiv werden. Dafür bot uns das Learning Center ausreichend Möglichkeiten. „Bewaffnet“ mit Zettel und Stift vertieften wir uns in die Lebensgeschichte eines jüdischen Musikers. Nach der Auswertung des Workshops bot sich dann allen noch einmal die Möglichkeit, individuell das Museum zu erkunden. Ob ein unfassbar hoher Turm aus Beton, der die Gefühle vertriebener und deportierter Juden nachvollziehbar machen sollte, der Garten des Exils, oder eine Ausstellung zum Thema Heimat: alle Schüler zeigten sich interessiert und machten so ganz neue Erfahrungen.


Nach unserem Aufenthalt setzten wir unsere kleine Reise durch Berlin fort und kamen etwas durchnässt und überfressen (woran nicht zuletzt die Weihnachtsplätzchen schuld waren) in unserem Hostel an. Wirkliche Entspannung gab der einstündige Aufenthalt jedoch nicht her, denn nach einer kurzen Pause machten wir uns wieder alle gemeinsam auf den Weg.
Nun war es ein Besuch im Theater am Kuhdamm der in unserem Programm ein kleines Kulturhighlight darstellte. Ohne jegliche Erwartungen sahen wir das Stück „Wer hat Angst vor Virginia Wolf?“, welches innerhalb der Gruppe für interessante Diskussionen und Interpretationsdebatten sorgte. Nach einem zweistündigen Aufenthalt machten wir uns nun mit Hilfe von U- und S-Bahn wieder auf den Weg in unsere Unterkunft und ließen den Tag beim gemütlichen Zusammensein ausklingen.
Am nächsten Tag holte uns der Wecker schon früh aus unseren Träumen zurück und der Jüdische Friedhof Weisensee sollte unser vorerst letztes Reiseziel darstellen. Schon der Anblick des Eingangstores und das Denkmal zur Erinnerung an die ermordeten Juden während der Shoa werden mir wohl noch ewig im Kopf herumschwirren. Solch beeindruckende Bilder, da waren sich alle Mitreisenden einig, erinnerten eher wenig an einen Ort der Trauer, sondern viel mehr an einen verwunschenen und von Magie erfüllten Garten. Dieser erstreckte sich über ganze 40 Hektar und erzeugte bei den meisten ein wirklich mulmiges Gefühl. Nach unserem gemeinsamen Besuch mit Führung machten wir uns dann selbst auf den Weg, die Hauptstadt zu erkunden. Ob Friedrichstraße, Hackscher Markt oder einfach nur der Weihnachtsmarkt mit Glüh...äh Kinderpunsch: alle ließen die zwei schönen Tage, in einer wirklich sympathischen Gruppe, nach ihrem Geschmack ausklingen.
Die S-Bahn-Panne in Berlin erschwerte dabei einigen von uns die Bewältigung der Rückreise zum Hauptbahnhof, doch trotz aller Umstände saßen wir am Ende alle wohl behütet im Zug Richtung Heimat. Denke ich an diese Fahrt zurück, und so geht es wohl den meisten, so erinnere ich mich nicht nur an positive Erfahrungen für mich selbst, sondern vor allem an viele Gespräch über “das Judentum und die Welt“ in unserer kleinen Reisegruppe.
Dieser Ausflug hat wieder einmal bewiesen, dass innerhalb der Schülerschaft viel Wissbegierde und Tatendrang existiert und dieser nur auf geeignete Weise aufgegriffen werden müssen.
Im Namen aller Schüler möchte ich mich hierbei bei unseren Mitreisenden Frau Niekrawietz und Herr Höhme bedanke, ohne die die Reise weder möglich noch so amüsant geworden wäre.

Anja Fischer