Dramatisierung der Abdeckerszene

Personen:
- Kämmerer Kunz
- Junker Wenzel von Tronka
- Abdecker von Döbbeln
- Michael Kohlhaas
- Freiherr von Wenk
- Meister Himboldt
- Knecht
- Offizier


Abdecker aus Döbbeln erscheint mit seinem Pferdewagen, an den die 2 Rappen gebunden sind, auf dem Marktplatz. Junker Wenzel von Tronka und dessen Vetter, der Kämmerer Kunz treten hinzu. Das Volk versammelt sich langsam auf dem Platz, Getuschel und Gelächter geht los.
Kunz, der die Tiere mißtrauisch betrachtet, tritt zum Abdecker


Kunz: wirft seinen Mantel zurück, entblößt seine Orden und Ketten
"He, du da! Sind das die Rappen, die der Schäfer von Wilsdruf an sich gebracht, und die dem Junker Wenzel von Tronka gehörten?"

Abdecker: tränkt sein Pferd
"Die Schwarzen da ? Die Rappen hat mir der Schweinehirt von Hainichen verkauft. Wo der sie her hat und ob sie vom Wilsdrufer Schäfer kommen, weiß ich nicht. Mir hat der Gerichtsbote aus Wilsdruf gesagt, dass ich sie nach Dresden, in das Haus derer von Tronka bringen soll. Der Junker, an den ich gewiesen bin, heißt aber Kunz." 
wendet sich vom Pferd ab und schüttet das restliche Wasser auf die Straße

Kunz: "Ich bin der Kämmerer Kunz von Tronka. Die Rappen, die du mir bringen sollst, müssen meinem Vetter, dem Junker gehören. Ein Knecht ist bei der Gelegenheit des Brandes auf der Tronkenburg entwichen und zum Schäfer von Wilsdruf gegangen. Zwei Pferde, die angeblich dem Kohlhaas gehörten, hat er dort abgegeben. Weißt du etwas davon? Hat vielleicht auch der Schweinehirt diese vom Wilsdrufer erstanden, oder sogar von einem Dritten?"
Abdecker: zieht sich die Hosen hoch, nachdem er an den Wagen gepinkelt hat  "Ich bin mit den Rappen nach Dresden bestellt worden, um sie im Haus derer von Tronka abzugeben und meinen Lohn zu empfangen. Ich verstehe nicht, was sie von mir wollen! Und es ist mir gleich, ob die Gäule von dem Schweinehirten, Peter, Paul oder dem Wilsdrufer Schäfer gehörten!" dreht sich um und geht, die Peitsche über dem Rücken hängend, zur nächsten Kneipe
Kunz: etwas verdutzt "Nun Vetter, so sagt doch auch mal etwas!"
Junker: kreidebleich, stammelt "Das Ratsamste wäre wohl, die Rappen zu verkaufen, ob sie nun dem Kohlhaas gehören oder nicht!"
Kunz: flucht über seine Eltern, tritt aus der Menge zurück, ruft seinem Bekannten, den Freiherrn von Wenk, zu sich, der gerade über den Platz reitet / Volk wartet gespannt, kann das Lachen nur schwer zurückhalten "Wenk! Mein Freund! Der Himmel schickt dich! Bitte, reite schnell zum Großkanzler, Grafen Wrede, und sage ihm, er möge den Kohlhaas unverzüglich zur Besichtigung der Rappen herschicken!"
Wenk: " Ich werde mich beeilen! Warte solange hier, mein Freund, ich bin bald mit dem Kohlhaas da!"
Kunz: "Hab' Dank!"
Eine halbe Stunde später
Kunz steht mit einigen Freunden auf dem Marktplatz, der Abdecker steht an seinem Wagen,  Wenk und Kohlhaas erscheinen, das Volk tuschelt. Kunz wendet sich an Kohlhaas...
Kunz: ... sein Schwert stolz unterm Arm "Nun Rosshändler, sind das dort eure Pferde?"
Kohlhaas: betrachtet die Pferde flüchtig "Gnädiger Herr, der Abdecker hat ganz recht. Die Pferde, die dort an dem Karren angebunden sind, gehören mir." rückt seinen Hut zurecht, begibt sich, von der Wache begleitet, vom Platz
Kunz: tritt zum Abdecker heran und wirft ihm einen Geldbeutel zu "Da! Das müsste reichen!"
Abdecker betrachtet das Geld, nickt "Knecht! Löse die Pferde ab und bringe sie nach Hause!"
Knecht: "Ja Herr!" tritt aus der Menge, will die Pferde ablösen, als ihn sein Vetter plötzlich am Arm packt...
Himboldt: "Du rührst diese Schindmähren nicht an!"
...schleudert ihn weg. Knecht geht wieder zum Kämmerer
"Ihr müsst euch schon einen Schindknecht anschaffen, der Ihnen einen solchen Dienst erweist!"
Kunz: total wütend "Wache! Wache!"
Offizier mit Gefolge erscheint.
Offizier: "Was geht denn hier vor?" 
Kunz: "Nehmen sie sofort diesen Mann da fest!" packt Himboldt am Kragen "Er hat meinen Knecht, dem ich befahl die Pferde vom Karren loszubinden, weggeschleudert und ihn misshandelt!"
Himboldt: löst sich vom Kämmerer "Gnädigster Herr, einen Burschen von zwanzig Jahren zu sagen, was er zu tun hat, heißt nicht, in verhetzen! Fragt ihn doch, ob er euren Auftrag immer noch ausführen will, nach dem, was ich gesagt habe. Tut er's, so sei es. Meinethalb soll er sie jetzt abludern und häuten!"
Kunz: wendet sich zum Knecht
"Wirst du meinen Befehl gehorsam sein und die Pferde, die dem Kohlhaas gehören, losbinden und nach Hause führen?" 
Knecht: mischt sich vorsichtig unter die Bürger
"Die Pferde müssten erst ehrlich gemacht werden, bevor man mir das zumute!"
Kunz: folgt ihm von hinten, reißt ihm den Hut runter, tritt diesen mit Füßen und jagt den Knecht mit wütenden Hieben der Klinge vom Platz....  "Du Nichtsnutz! Scher dich zum Teufel!"
Himboldt: "Schmeißt den Mordwüterich dich gleich zu Boden!" wirft Kunz von hinten nieder, reißt ihm Mantel, Kragen und Helm ab, nimmt ihm das Schwert aus der Hand und wirft es wütend über den Platz
Kunz: "He, was soll das?! Hilfe! So helft mir doch!!"
Junker: blickt zu den Rittern "Ja was steht ihr denn da noch wie angewurzelt? Helft meinem Vetter gefälligst!" Ritter versuchen etwas zu tun, kommen aber nicht dazu, weil das Volk aufgebracht herumwuselt
Kunz: total aufgebracht, große Platzwunde am Kopf "Hilfe!"
Offizier mit Gefolge erscheint, lösen den Haufen auf. Offizier packt Himboldt am Kragen, reitet mit ihm weg, zwei Freunde des Kämmerers helfen ihm aufzustehen und führen ihn nach Hause
Kunz: "Dieser Wüterich, dafür wird er bezahlen!"
Die Leute gehen wieder ihre Wege, der Abdecker bindet die Rappen an einen Laternenpfahl und geht, glücklich über sein Geschäft, in Richtung Kneipe.

Anja Schlösinger    (zur Graphik)

zurück