Innerer Monolog des Michael Kohlhaas vor seiner Hinrichtung

Heute ist also der Tag, an dem ich sterben muss. Trotzdem ist mir viel Gutes widerfahren. Die schönen Tage mit meiner Frau und meinen Kindern - wie glücklich wir waren, wenn wir die Rösser einspannten, scherzten und lachten.
Bis zu dem Tag, an dem ich meine Rösser als abgemagerte und fast verhungerte Mähren im Stall dieses Junkers wiederfand. Danach diese harte Zeit mit vielen Prozessen und dieser Ungerechtigkeit. Der Freispruch für diesen Wenzel von Tronka war der Anfang vom Ende.
Alles was ich wollte, war doch nur Gerechtigkeit. Doch die bekam ich nun einmal nicht. Elisabeth würde noch leben, hätte ich nur eingesehen, dass ich gegen diesen Junker einfach keine Chance hatte. Hart hat das Schicksal zugeschlagen, denn meine Frau wurde bei dem Versuch mir Recht zu verschaffen getötet.
Mich plagt nun ein anderer Gedanke: Was wird nach der Hinrichtung aus meinen Kindern?
Sie werden Waisen sein - Liebe und Zuneigung der Eltern vermissen, was für ein schreckliches Leben. Doch hungern müssen sie nicht, zumindest dafür habe ich gesorgt. Nur die Einsamkeit, die kann ich ihnen nicht nehmen. Ob sie mir je verzeihen können? Ob sie aus meinen Fehlern lernen werden? Ich hoffe es, denn ich habe genug Unheil angerichtet, das nicht wieder gutzumachen ist.
Niedergebrannte Städte habe ich hinterlassen, unschuldige Menschen mussten sterben.
War es das wert?
Man kann nicht Unrecht mit neuem Unrecht vergelten. Als ich festgenommen wurde, kam ich in Brandenburg vor das Gericht, dieses urteilte gerecht, das heißt nicht nur zugunsten des Junkers. Er bekam 2 Jahre Gefängnisstrafe, meine Pferde mussten gesund gefüttert werden.
Und ich?
Ich musste feststellen, dass die Hinrichtung für mich unausweichlich war. Mir bleibt dennoch eine kleine Freude, nämlich die Rache am Kurfürsten. Denn heute am Tag meiner Hinrichtung werde ich den Zettel mit dem Todesdatum des Kurfürsten einfach verschwinden lassen.
Er wollte diese Weissagung schon immer besitzen . . .
Oh, der Richter ruft, ich wünsche mir, dass ich keine Schmerzen spüren muss, ich bete für ein mit Glück erfülltes Leben meiner Kinder und ich bete, dass mir vergeben wird."

Christin Hänsel     (zur Graphik)

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