Dramatisierung der Szene auf der Tronkenburg

Kohlhaas , Junker Wenzel , Burgvogt , Verwalter , Ritter , Knechte

(Kohlhaas will mit seinen Pferden und Knechten an der Tronkenburg vorbeireiten, Burgvogt beobachtet ihn von einem Turm aus)

Burgvogt (schreit vom Turm herab): "Halt dort, der Rosskamm!" (eilt die Treppe herab, knöpft dabei seine Weste zu) "Wo ist der Passschein?"
Kohlhaas (betreten): "Der Passschein? Beschreibe mir, was das ist, so habe ich ihn vielleicht zufällig dabei."
Burgvogt (misstrauisch aus den Augenwinkeln auf Kohlhaas blickend): "Kein Rosskamm kommt ohne landesherrlichen Erlaubnisschein über die Grenze!"
Kohlhaas (treuherzig): "In meinem Leben bin ich schon siebzehn Mal ohne einen solchen Schein über die Grenze gezogen. Ich kenne alle landesherrlichen Verfügungen, die mein Gewerbe angehen. Das kann nur ein Irrtum sein.
(Ton wird forscher) Da meine Tagesreise lang war, halte mich nicht länger unnützerweise auf."
Burgvogt (ärgerlich): "Nun denn, ein achtzehntes Mal wird es nicht geben. Die Verordnung ist erst neu erschienen. So löse jetzt den Passschein oder kehre zurück, woher du kamst."
Kohlhaas (steigt erbost vom Pferde, übergibt die Zügel dem Knecht und verlangt leicht gereizt): "So bring mich zum Junker. Ich möchte es aus seinem Mund hören!"
(Beide gehen in die Burg und betreten, sich mit Blicken messend, den Saal. Kohlhaas nähert sich dem Junker, der mit einigen Freunden saufend und lachend am Tisch sitzt)
Junker: "Was willst du?"
Kohlhaas: "Ich bin Rosskamm und mit meinen Pferden auf der Durchreise. Man verlangt von mir einen Passschein, von dem ich nie gehört habe."
Ritter: "Pferde? Wo sind sie?" (eilen ans Fenster und spähen hinabvom Anblick erstauntgehen sie auf den BurghofAlle versammeln ich um die Pferde)
1.Ritter (begeistert): "Was für ein schöner Schweißfuchs!"
2.Ritter (verblüfft): "Der Kastanienbraune. einzigartig!"
3.Ritter (den Schecken streichelnd): "Diese tollen schwarzgelben Flecken!"
Alle Ritter (bewundernd und übereinstimmend): "Pferde, elegant wie Hirsche. Im Lande werden keine besseren gezogen."
Kohlhaas (munter und optimistisch): "Die Pferde sind nicht besser als die Ritter, die sie reiten sollen. Kauft sie doch!"
Junker
(fasziniert vom Schweißhengst): "Was kostet dieser da?"
Verwalter (an den Junker gewandt, fordert diesen auf): "Kauft ein paar Rappen, Herr! Sie werden in der Wirtschaft nützlich sein, da Pferdemangel herrscht." (Kohlhaas nennt den Preis, Ritter, Junker und Burgvogt schrecken zurück)
1.Ritter:"Was? Das ist nicht möglich!"
3.Ritter:Der Preis ist viel zu hoch!"
Junker (sarkastisch): "Wenn du die Pferde so hoch anschlägst, musst du den König Arthur und seine Tafelrunde aufsuchen, um sie loszuwerden!" (grinst hämisch)
Kohlhaas (sieht Burgvogt und Verwalter flüsternd auf die Rappen blicken, hat eine dunkle Vorahnung, zum Junker gewandt): "Herr, die Rappen habe ich vor 6 Monaten für 25 Goldgülden gekauft, gebt mir 30,so sollt ihr sie haben."
1.Ritter:"Ein guter Preis für so schöne Tiere!"
2.Ritter (mit Nachdruck): "Das kann man wohl sagen!"
Junker (erwidernd): "Für den Schweißfuchs möcht' ich wohl, nicht aber für die Rappen Geld ausgeben!" (macht Anstalten zu gehen)
Kohlhaas: "Vielleicht kann ich das nächste Mal, wenn ich wieder mit meinen Gäulen durchziehe, einen Handel mit euch machen." (ergreift die Zügel seines Pferdes um abzureisen)
Burgvogt (tritt aus dem Haufen hervor): "Höre, ohne einen Passschein darfst du nicht reisen!"
Kohlhaas (dreht sich zum Junker um): "Hat es mit diesem Umstand, der mein ganzes Gewerbe zerstört, in der Tat seine Richtigkeit?"
Junker (verlegen und sich abwendend): "Ja, den Pass musst du lösen. Sprich mit dem Burgvogt und zieh deiner Wege."
Kohlhaas: "Herr, ich versichere euch, dass es nicht in meiner Absicht liegt, die Forderungen, die wegen Ausführung der Pferde bestehen, zu umgehen. Ich verspreche, bei meinem Durchzug durch Dresden den Pass in der Geheimschreiberei zu lösen. Ich bitte euch mich nur dieses eine Mal ziehen zu lassen, da ich von dieser Forderung nichts gewusst habe."
(es fängt an zu stürmen)
Junker (frierend): "Nun, lasst den Schlucker laufen! (zu den Rittern gewandt) Kommt!" (geht Richtung Schloss)
Burgvogt (auf den Junker einredend): "Der Rosskamm muss wenigstens ein Pfand zur Sicherheit, dass er den Schein lösen wird, zurücklassen!" (Junker bleibt nachdenklich unterm Schlosstor stehen)
Kohlhaas: "Welchen Wert muss ich denn, an Geld oder Sachen, für die Rappen zum Pfande da lassen?"
Verwalter (murmelt in seinen Bart): "Lass doch die Rappen selbst zurück!"
Burgvogt (hinterlistig): "Allerdings, das ist das Zweckmäßigste. Ist der Pass gelöst, so kannst du sie jederzeit wieder abholen."
Kohlhaas (schockiert): "Junker Wenzel, die Rappen will ich doch verkaufen!" (von Regen und Hagel durchsetzter Wind jagt durchs Burgtor)
Junker (zittert vor Kälte, ruft): "Wenn er die Pferde nicht loslassen will, so schmeißt ihn wieder über den Schlagbaum zurück!" (geht ab)
(Kohlhaas resigniert, spannt die Rappen aus, führt sie in den zugewiesenen Stall, lässt einen Knecht gut versorgt bei ihnen zurück, reitet weiter)

Jana Herklotz    (zur Graphik)

zurück