Die Geschichte des Michael Kohlhaas im Stil einer Boulevardzeitung

Brandanschlag auf die Tronkenburg
Gestern abend, um 21.00 Uhr, haben neun Menschen einen Brandanschlag auf die Burg von Tronka ausgeübt. Der Brand wütete die ganze Nacht, berichtete uns ein Überlebender. Am Morgen war das ganze Schloss bis auf die Mauern niedergebrannt. 
Bei einem unterhaltsamen Spiel saßen gestern der Junker von Tronka, sein Schlossvogt und sein Verwalter in der Burg zusammen, als ein wild gewordener Mann namens Michael Kohlhaas hereinstürzte und das Leben vieler unschuldiger Menschen auf tragische Weise beendete. Die Haushälterin, die dem Junker die Wirtschaft führte, erzählte, dass plötzlich das ganze Schloss in Flammen stand und nichts mehr gerettet werden konnte. Nach dem Brand haben Kohlhaas und seine acht Gehilfen im ganzen Land ein "Kohlhaasisches Mandat" verbreitet. In diesem Mandat wird das Land aufgefordert den Junker Wenzel von Tronka, mit dem Kohlhaas in einem gerechten Krieg liege, keinen Vorschub zu tun, vielmehr jeden Bewohner, seine Verwandten und Freunde nicht ausgenommen, verpflichtete, denselben bei Strafe Leibes und des Lebens, und unvermeidlicher Einäscherung alles dessen, was ein Besitztum heißen mag, an Kohlhaas auszuliefern. 
Aber wie entstand der Hass unter den beiden Konkurrenten Kohlhaas und von Tronka ? Ein zur Tronkenburg gehöriger Knecht, welcher ebenfalls diesen Brandanschlag überlebte, berichtete uns, wie es zu dem Mandat und dem Brandanschlag gegen den Junker Wenzel gekommen ist. Kohlhaas wollte vor ein paar Tagen die Grenze überqueren, doch dazu benötigte er einen Passschein, den er aber nicht besaß. Deshalb schloss er ein Abkommen mit dem Junker Wenzel von Tronka. In dem wurde festgelegt, dass Kohlhaas zwei seiner Rappen und seinen Knecht Herse, den er für die Verpflegung seiner Tiere zur Verfügung stellte, in der Burg ließe. Dafür dürfe er die Grenze überqueren und müsste innerhalb von einer Woche mit einem Passschein wiederkehren.
Der Junker gab sein Einverständnis. Als Kohlhaas nach einer Woche wiederkam um sein Eigentum abzuholen, stellte er mit Erschrecken fest, dass sein Knecht verjagt und seine Rappen für Feldarbeiten eingesetzt wurden und nur noch aus Haut und Knochen bestanden. Kohlhaas forderte verärgert, dass der Junker seine Rappen wieder fett füttern sollte, was dieser verweigerte. Nach dieser Geschichte wollte ich den Junker von Tronka, der den Brand durch die Flucht aus dem Hinterausgang überlebte, befragen. Doch sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Kohlhaas und seine Bande werden jetzt ebenfalls im ganzen Land gesucht, da vermutet wird, dass das nicht sein letztes Attentat sein wird.

Mandy Volkmann    (zur Graphik)

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