Die Geschichte
des Michael Kohlhaas im Stil einer Boulevardzeitung
Ehrlicher, gerechter Mann wurde zum Tod verurteilt
Michael Kohlhaas war ein dreißigjähriger Mann aus Kohlhaasenbrück in Brandenburg. Er war ein ehrlich und gerechter
Mensch, doch genau das macht ihn zum Räuber und Mörder.
Und dazu kam es so:
Der Rosshändler war unterwegs nach Sachsen um dort seine gesunden, jungen Tiere zu verkaufen. An der Grenze wird er jedoch vom Burgvogt
aufgehalten, dem er einen Passschein vorzeigen muss. Da Kohlhaas auf die Forderung nicht eingehen
wollte, ließ er die Pferde und einen Knecht als Pfand zurück, um einen Passschein zu besorgen. Wie er vermutet
hatte, war das Ganze aber nur ein Schwindel und er ritt zu dem Burgvogt. Als er dort
ankam, fand er zwei völlig abgemagerte Pferde vor. Sein Knecht hingegen war nicht mehr da.
Er soll verjagt worden sein, weil er ein Verbrechen begangen hätte. Seine Pferde sollen zur Feldarbeit gedient haben.
Als Kohlhaas zu Hause ankam, erfuhr er von seinem Knecht, dass er zu Unrecht vertrieben worden sei. Daher reichte der
Rosshändler eine Klage ein, die jedoch abgewiesen wurde. Er wandte sich deshalb über dem Staatshauptmann Heinrich von Geusan an den Brandenburger Kurfürsten. Doch die Bitte kam nicht zu diesem
selbst, sondern zu dessen Erzkanzler Graf Kallheim, der mit dem Junker von Tronka verwandt ist. Deswegen
misslang auch dieser Versuch. Schließlich wollte die Frau von Kohlhaas zum
Kursfürst gelangen, um die Klage ihres Ehemannes vorzubringen. Sie wurde aber von den
Wachen verwundet und starb einige Tage danach an ihren Verletzungen. Nun schwor Kohlhaas ewige Rache. Er setzte dem Junker ein Limit von drei
Tagen, in denen er die Pferde durchfüttern und dann zu Kohlhaas zurückbringen sollte. Nach drei Tagen bekam er keine Antwort. Voller Wut brachte er seine Kinder zur Großmutter und verkaufte das
Grundstück. Dann brannte Kohlhaas, der jetzt völlig übergeschnappt war, mit seinen Knechten die Burg nieder. Dabei tötete er mehrere Menschen. Der Junker von Tronka rettete sich jedoch in ein Kloster. Kohlhaas wurde alles gleichgültig und
er brandschatzte im Land. Ihm gelang es mit dem kleinen Haufen von Anhängern,
der sich mittlerweile um ihn gebildet hatte, 500 Mann unter dem Befehl von Friedrich von
Meißen, durch einen Überraschungsangriff zu besiegen. Kurz danach schlug er 300
Männer des Landvogt in die Flucht. Nach einiger Zeit bekam er den Namen "Mordbrenner". Durch Martin
Luther, den Kohlhaas sehr verehrte, bekam er freies Geleit und die Klage wurde von neuem vor Gericht gebracht. Der Pferdehändler legte die Waffen nieder. Daraufhin machte ihm der Kurfürst
klar, dass wenn er den Prozess verlieren würde, er mit der ganzen Strenge des Gesetzes bestraft würde. Da die Unruhe
wuchs, beschloss Kohlhaas zu fliehen und er wurde zum Tod verurteilt.
Als er in Brandenburg, wo er hingerichtet werden sollte, eintraf, befragte man ihn nach der
Kapsel, die er um den Hals trug. Da erzählte er von einer Zigeunerin, die angeblich die Zukunft
voraussagen könnte. In der Kapsel befand sich ein wichtiger Zettel, den jeder haben wollte. Kohlhaas las ihn und aß ihn dann auf. Daraufhin wurde er unter
den Augen des Volkes hingerichtet.
Sandra Gerold (zur
Graphik)