Mendel Singer von Sohn ermordet
Gestern Abend starb Mendel Singer, ein ostjüdischer Lehrer, in einem der luxuriöseren Hotels in New York. Die Polizei vermutet einen Mord, der Pressesprecher konnte allerdings zur konkreten Situation nichts sagen. Mendel Singer war der Vater von vier Kindern und Ehemann von Deborah Singer, einer Hausfrau und Mutter.
Nachdem die Familie Zuchnow, einen kleinen jüdischen Provinzort auf russischem Gebiet, verlassen hatte und nach Amerika floh, um der sittlichen Verwahrlosung der Tochter Mirjam entgegenzuwirken, folgte ein Unglück dem anderen. Auch in Amerika führte Mirjam ein eher unstetes Leben. Später erkrankte sie an Schizophrenie. Den Sohn Menuchim, einen geisteskranken Krüppel, musste die Familie bei Nachbarn in Zuchnow zurücklassen, da Behinderte nicht nach Amerika einwandern durften.
Die Polizei sieht hier ein Motiv, da der in Amerika gesundete Menuchim zur Tatzeit mit dem Vater im besagten Hotel gastierte und laut Hotelpagen unter dem Einfluss irgendeiner Droge stand.
Zurück zur Vorgeschichte: Das Elend ging noch viel weiter. Die beiden Söhne, Jonas, der Älteste und ein begeisterter Soldat und Pferdeliebhaber und Schemarjah, später Sam, ein desertierter Theoretiker, der sein Geld mit Spekulationen und einem kleinen Geschäft verdient, fielen im Krieg. Jonas, der auf der Seite des Zaren kämpfte, wurde Zeugenaussagen zufolge von einer alliierten Splittergranate getötet. Sam fiel auf der Seite der Amerikaner, als er in einem Stoßtrupp für sein neues Vaterland kämpfte. Mendel Singer trafen diese Schicksalsschläge tief, eine tiefe Verzweiflung erfasst den strenggläubigen Juden.
In diesem Moment der völligen Hoffnungslosigkeit tritt nun Alexej Kossak auf. Er gibt sich als ferner Verwandter der toten Deborah aus, war aber, wie sich später herausstellte, der verloren geglaubte Sohn Menuchim. Der Vater gab sich seinem nunmehr berühmten Sohn - er war Sänger geworden - hin und vertraute im völlig. Ein Fehler.
Der Tathergang wurde uns wie folgt beschrieben. Es wird vermutet, das Menuchim den Vater im besagten Hotel unterbrachte. Später soll er ihm ein Glas Whiskey eingeschenkt haben, welches mit einem langsam wirkenden Gift versetzt war. Der gutgläubige Mendel trank das Glas aus und der Sohn verließ das Hotel unter dem Vorwand ein Konzert spielen zu wollen. Der Vater verstarb noch am Abend.
Das Kuriose der Geschichte ist, dass Beamte der Polizei aussagten, dass Mendel mit einem breiten, zufriedenen Lächeln im Ohrensessel lag, als man ihn fand.