Der Abschied
Deborah, Menuchim, Mendel, Familie Billes und Mirjam
Auf der linken Seite der Bühne steht eine kleine Hütte, die nur aus Holz besteht, so dass man durch sie hindurch sehen kann. Deborah steht mit Menuchim im Arm davor. Auf der entgegengesetzten Seite steht ein kleiner, klappriger Pferdewagen auf dem Mendel und Mirjam Singer sitzen. Es ist alles dunkel, nur Deborah und Menuchim stehen im Licht. Man hört eine traurige, schwere Musik, die leise verstummt.
Deborah: Oh, mein Sohn ! Warum musste es soweit kommen ? Warum bist du nicht gesund geworden ? Warum kann ich Dich nicht mit nach Amerika nehmen ?
Mendel (befehlend, sehr laut ):
Deborah, komm endlich. Es wird Zeit zu fahren.
Deborah (weinend): Ich muss fort, Menuchim. Es ist kein Wunder geschehen. Du kommst ganz bestimmt nach, ja ?
(Deborah setzt Menuchim sacht auf die Türschwelle und verabschiedet sich von der Nachbarsfamilie Billes. Sie geht langsam, mit schweren Schritten und mit gesenktem Kopf zum Wagen und setzt sich auf ihn. Sie wird vom Scheinwerfer begleitet. Musik setzt ein und steigert sich. Der Wagen fährt langsam los.)
Mendel (tröstend zu Deborah):
Deborah, glaube mir es ist das Beste ihn hierzulassen. Wir müssen Russland verlassen. Denk an Schemarjah, den wir bald in Amerika sehen werden. Es gibt keine andere Möglichkeit. Verstehst du das ? Du musst das verstehen !
(Deborah springt schreiend vom Wagen, eilt zurück zum Haus und fällt vor Menuchim nieder. Die gesamte Bühne ist erhellt. Die Musik erreicht ihren Höhepunkt und verstummt schlagartig.)
Deborah (weinend und verzweifelt):
Nein ! Menuchim ich bleibe, hörst du, ich lass dich nicht allein. Ich weiß, daß du gesund wirst, der Rabbi hat es doch selbst gesagt. Ich weiß es, Menuchim.
(Deborah klammert sich an Menuchim. Herr Billes versucht sie wegzuziehen.)
Herr Billes: Frau Singer lassen sie ihn zurück, er wird nicht mehr gesund, lassen sie ihn schon los. Ihm kann keiner mehr helfen. Sie müssen vernünftig sein und nach Amerika fahren. Das ist die beste Entscheidung Frau Singer, hören sie ?
Menuchim (lallend): Mama, Mama !
Deborah (schreiend und schluchzend):
Nein, lassen sie mich los. Gehen sie weg, ich will bei meinem Sohn bleiben. Menuchim, ich bleibe, ich bleibe. Warum bist du nicht gesund ? Warum straft uns Gott so schrecklich ? Warum ist kein Wunder geschehen ?
(Herr Billes zieht Deborah von Menuchim weg und führt sie zum Wagen. Die Musik setzt erneut ein und das Licht verblasst. Es ist das Klappern der Pferdehufe zu hören, als der Wagen die Bühne verlässt. Familie Billes geht ab. Nur Menuchim stecht im schwachen Licht des Scheinwerfers.)