Traditions- und Förderverein e.V.

1962 - 2012

"Keine einfachen Jahrgänge"

50 und 60 Jahre nach dem Abitur erinnern sich die Ehemaligen an ihre Schulzeit. Für sie stöberte der Schulleiter in den alten Klassenbüchern.

Zur Festveranstaltung für die Jubilare im heutigen Lessing-Gymnasium wurde immer wieder deutlich, dass mit dem Abitur die Basis für das Studium und die Basis für den Beruf gelegt wurden. Vor allem seien die Kenntnisse der damaligen Abiturienten auch von den Hochschulen geschätzt und anerkannt worden, sagte Moderator Christian Wolf. Dies brachten auch die Sprecher drei ehemaligen Klassen zum Ausdruck.

42 Goldene Abiturienten trafen sich am Wochenende in ihrer "alten Penne" in Döbeln wieder. Schulleiter Michael Höhme las aus den alten Klassenbüchern der drei Klassen vor und sorgte für viel Gelächter. Premiere: Eine Klasse traf sich an diesem Wochenende nach 50 Jahren zum ersten Mal wieder. Foto: Frank Heinze, EP Namyslo in Döbeln


Es war politisch gesehen eine schwere Zeit, vor allem für die „Goldenen Abiturienten“, die die damalige EOS (erweiterte Oberschule) von 1958 bis 1962 besuchten. Zur Feier des Diamantenen und des Goldenen Abiturs erinnerten sich die einstigen Schüler zur Festveranstaltung im Lessing-Gymnasium. „Wir haben eine ganze Menge erlebt, denn wir waren vier Jahre zusammen und unsere gemeinsame Schulzeit fällt in die Zeit des innerdeutschen Mauerbaues“, erinnerte sich Klaus-Jürgen Schab. „Nach dem Abitur sollten wir uns verpflichten, zwei Jahre zur Armee zu gehen“, sagte er. Das wollte natürlich keiner, denn alle strebten so schnell wie möglich einen Studienplatz an. „Zunächst gelang es mir als einzigem aus der Klasse, denn ich hatte mir eine Fachrichtung im Bereich Technik ausgewählt, die schwierig war“, erklärte Schab. Schließlich seien alle Mitschüler froh gewesen, als mit dem Mauerbau 1961 die Wehrpflicht kam und sich dieser „freiwillige“ Zwang erledigt hatte, sagte Schab.


Besonders lobten die Jubilare die lebhafte und lustige Festansprache von Schulleiter Michael Höhme. Dieser hatte in alten Klassenbüchern gestöbert und so manchen Eintrag verlesen, der Heiterkeit weckte. So entschuldigte H. einen zweimaligen Verstoß gegen die Grußpflicht seines Lehrers von 0,50 bis 1 Meter Entfernung mit Kurzsichtigkeit. Roselore K. erhielt einen Tadel, da sie ihre Hausaufgabe in Deutsch, ein Gedicht zu lernen, nicht erledigt hatte. Sie hielt es nicht für notwendig, sich deswegen zu rechtfertigen. „Die Klasse war über ihr Verhalten empört.“ „Die Klassenbücher geben Auskunft, dass Sie kein einfacher Jahrgang waren“, so Höhme zu den Goldenen Abiturienten. Aber auch die „Diamantenen“ waren keine Engel. „Ob sich Herr D. noch an den 14. 3. 1952 erinnert?“, fragte Höhme und half ihm auf die Sprünge. „Sie saßen in der 12b2 und erhielten vom damaligen Schulleiter eine Ermahnung. Fernbleiben von der Feier anlässlich des Internationalen Frauentages – so lautete der Eintrag.“ Und die Diamantenen freuten sich am Ende der Schulzeit, dass sie ihr Abitur glücklich bestanden hatten. Acht Schüler unterschrieben dies samt ihrer Spitznamen wie Popanz und Puschkin. Zur allgemeinen Erheiterung hatte Höhme den Datenschutz etwas auf die leichte Schulter genommen, doch die „Verfehlungen schlummern nun weiter im Schularchiv“, versicherte er.

Lustig ging es am Abend in der Ratskellerdiele mit dem Austausch der Erinnerung weiter.

Döbelner Anzeiger
Wilrun Wagner
01.10.2012