Traditions- und Förderverein e.V.

1956 - 2006

Generation Schiefertafel

Sie haben in ihrer Schulzeit die Schiefertafel, Lebensmittelkarten, Eisenöfen und teilweise auch Hunger erlebt. Am Wochenende kamen die ehemaligen Abiturienten der Döbelner Lessing Oberschule in die Muldenstadt zurück, um hier aus den Händen des heutigen Schulleiters Bernd Lautenschläger das Goldene Abitur zu empfangen. Erstmals wurde auch das Diamantene Abitur an drei ehemalige Absolventen vergeben, die 1946 in Döbeln ihr Abitur ablegten.

Abiturjahrgang 1956

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„Die Verleihung des Goldenen Abiturs hat sich in den vergangenen Jahren zu einer guten Tradition entwickelt, so viele ehemalige Gymnasiasten wie in diesem Jahr konnten wir bisher noch nicht begrüßen“, sagte Matthias Müller, stellvertretender Schulleiter und Mitglied im Förderverein bei der Begrüßung.

Der Goldene Abiturjahrgang hatte 1956 in Döbeln die Hochschulreife erlangt. „Es war eine schwierige Zeit, in der Mangel herrschte, der Staat sich in die Ausbildung einmischte und die Ereignisse des Aufstandes von 1953 seine Eindrücke hinterließ“, erzählte Schulleiter Bernd Lautenschläger, der extra für die Festveranstaltung in den alten Klassenbüchern gestöbert hatte. „Und wir haben trotzdem eine solide Ausbildung erhalten, die ein gutes Startkapital für unser späteres Berufsleben war“, betonte Hans Kromer bei seiner Dankrede. „Ein gewisses Döbelner Selbstbewusstsein, dass wir hier an der Lessing Oberschule bekamen, hat uns sehr weiter geholfen“, bestätigt auch Kammersänger Rolf Wollrad, der an der Staatsoper Dresden tätig war.

Förderverein verleiht erstmals ein Diamantenes Abi

Hermann Schneider, Günther Neuber und Friedrich Zschaage erhielten von Bernd Lautenschläger ihr Diamantenes Abitur. DAZ-Fotos: Hagen Rösner

In die Wirren des II. Weltkrieges fiel das Abitur des Abschlussjahrgangs 1946. „Wir hätten eigentlich viel eher unseren Abschluss bekommen sollen“, sagte Hermann Schneider, der 1946 die Hochschulreife ablegte. „1943 war mit der Schule Schluss und wir mussten als Flak-Helfer nach Berlin, dann kam die Gefangenschaft, die so genannte Entnazifizierung, bei der über Nacht alle Lehrer arbeitslos wurden, dann kamen die Neulehrer und 1946 konnten wir dann unser Abitur machen“, erinnert er sich an die schwere Zeit zurück. „Trotzdem ist aus vielen von uns etwas geworden. 1946 waren wir 22 Abiturienten. Davon sind immerhin fünf Professoren und drei Doktoren geworden“, hat Hermann Schneider herausgefunden.

Alle ehemaligen Döbelner Abiturienten lobten bei der Veranstaltung die Arbeit des Traditions- und Fördervereins Lessing-Gymnasium, der die jährliche Ehrung organisiert.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Hagen Rösner, 02.10.2006

Der "Döbelner Anzeiger" schreibt am 2. Oktober 2006 zum gleichen Thema:

Ehrung nach einem halben Jahrhundert

Sie haben als Arzt, Bau- oder Landwirtschaftspezialist, als Lehrer, Psychologen, Schriftsteller, Juristen, Steuerberater oder als Opernsänger erfolgreich gewirkt. Einen Teil der Grundlagen für Studium und fürs Leben, den bekamen sie am Döbelner Lessings-Gymnasium vermittelt. Nach fünfzig Jahren führte der Weg der Frauen und Männer wieder in ihre einstige Heimat zurück. Förderverein und Schule hatten sie zum „Goldenen Abitur“ eingeladen. Seit vier Jahren wird an der Bildungseinrichtung, unterstützt von dessen Förderverein, diese schöne Tradition gepflegt.

Ergreifend!

Der musikalische Gruß einer kleinen Chorgruppe des Gymnasiums

Bei einer Feierstunde, die von heutigen Schülern mit musikalischen Darbietungen umrahmt wurde, bekamen sie aus den Händen von Schulleiter Bernd Lautenschläger die Urkunden dazu überreicht.

Hans Kromer

In Festreden erinnerten ehemalige Absolventen, wie der heute in Dresden lebende Autor und Verleger Hans Kromer, an die prägenden Jahre an der Döbelner Bildungseinrichtung. Erinnerungen an Lehrer, an Erlebnisse im Skilager oder bei der Kartoffelernte in Börtewitz, an Tanzstunde und von den Schülern damals einstudierten Kulturprogramme wurden wach und mit Anekdoten aufgefrischt. Schon damals offenbarte mancher der Gymnasiasten so viel Talent, dass es keinen wunderte, beispielsweise ihren ehemaligen Mitschüler Rolf Wollrad später auf der Bühne der Semperoper zu erleben.

 

Kammersänger Rolf Wollrad

legte vor 50 Jahren in Döbeln sein Abitur ab. Am Wochenende sang er in der Döbelner Aula eine Passage aus Don Giovanni.

Der Sänger ließ es sich nicht nehmen, seine ehemaligen Mitschüler mit einem Ständchen zu beglücken. Passend zum Mozartjahr und zur Erinnerung an eine damalige Schulinszenierung zu Ehren Mozarts sang er eine Arie des Komponisten. Mit stehenden Ovationen dankten seine ehemaligen Mitschüler.

Die Feierstunde hielt jedoch noch einen weiteren Höhepunkt bereit. Erstmals wurde drei Absolventen das Diamantene Abitur überreicht. Zu den Geehrten hörte Hermann Schneider, der 1946 am Lessing-Gymnasium sein Abitur baute und später vor allen als Deutschlehrer ganze Schülergenerationen prägte. Auch die an diesem Tag mit dem Goldenen Abitur ausgezeichneten waren seine Schüler und konnten sich noch gut an die Jahre mit dem Lehrer erinnern, der kaum älter als sie damals war.

„Von unserem Jahrgang, der nach Kriegsende das Abitur ablegte, leben heute nur noch wenige. Ich freue mich, dass wir heute trotz der Mühen drei Ehemalige sind, die diesen Tag erleben dürfen“, sagte Schneider. Er und seine beiden Mitschüler Günther Neuber und Friedrich Zschaage wünschten sich, dass auch das Diamantene Abitur zur Tradition werden möge.

Bärbel Schumann