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23. Februar 2007
Volles Haus bei Fritz Mierau
"Volles Haus bei Hermann Schneider" - so betitelte die "Döbelner Allgemeine Zeitung" am 22. Februar ihre Berichterstattung vom 80. Geburtstag unseres Ehrenvorsitzenden. Unser Rückblick auf den Februarstammtisch mit Fritz Mierau trägt nicht zufällig die gleiche Überschrift, verbindet doch die beiden weit mehr als nur ein "Volles Haus".
Aber das war es an diesem Freitagabend tatsächlich. In Erwartung des großen Interesses hatte der Vorstand das große Vereinszimmer der "Bavaria" gebucht. Bei über 30 Gästen reichte dann nicht einmal die lange Tafel, auch die Nebentische füllten sich zusehends - ein schöner Beweis für die Lebendigkeit und Anziehungskraft unseres Vereins.
Nach der Eröffnung durch den 1. Vorsitzenden, VF Reinhard Zerge, und einem "Dankeschön"-Sekt unseres Jubilars ergriff Fritz Mierau das Wort. Hochgewachsen, hager, wacher Blick, eine spürbare Aura ausstrahlend - man glaubt unserem Ehrenvorsitzenden sofort, dass jener Mann schon vor über 50 Jahren als Hermann Schneiders Schüler eine außergewöhnliche (Schüler-)Persönlichkeit war.

Fritz Mierau referiert fesselnd über die frühen 50-iger am heutigen Gymnasium, Foto: M. Müller
Mit geschliffenen Worten und wohlformulierten Sätzen - gewürzt mit englischen, lateinischen und russischen Einstreuungen (köstlich: das nachgeahmte Moskau-Russisch seiner damaligen Russischlehrerin) - verlangte der studierte Slawist seinen Zuhörern höchste Aufmerksamkeit ab. Die aufzubringen war jedoch nicht schwer, scheinbar mühelos zog Fritz Mierau die Anwesenden mit seiner Reminiszenz an die Lehrerinnen und Lehrern der frühen 50-iger Jahre in seinen Bann. Und da wurden sie mit ihrem Unterricht, ihren persönlichen Schicksalen, ihren liebenswerten "Macken" und vielem mehr wieder lebendig: altgediente Gymnasiallehrer, Neulehrer der Nachkriegsjahre, Frauen und noch mehr Männer und natürlich damalige "Greenhorns" wie Hermann Schneider.
Was bleibt außer dem vergnüglichen Auffrischen der Erinnerung für die Gäste, die z.T. Mitschüler von Fritz Mierau waren, oder einer spannenden Geschichtsstunde für die Gäste, die zu jener Zeit noch gar nicht geboren waren? Es bleibt vor allem die Quintessenz aus Fritz Mieraus Vortrag: Lehrerinnen und Lehrer sind weit mehr als nur Wissens- und Könnensvermittler. Ob bewusst oder unbewusst, sie wirken mit ihrer gesamten Persönlichkeit, mit ihrem Auftreten, mit ihrer Lebenseinstellung, ihrem Gestus und Habitus, selbst mit scheinbaren Nebensächlichkeiten, noch lange Jahre und Jahrzehnte in ihren Schülern nach.

Fritz Mierau erinnert an die Festschrift zum 125-jährigen Schuljubiläum 1994, die maßgeblich von Hermann Schneider verfasst wurde. Foto: M. Müller
Jeder kennt wohl den eigenartigen Effekt, dass sich die eigene Schulzeit mit zunehmendem zeitlichen Abstand zu verklären scheint. Vielleicht liegt das auch daran, dass immer stärker aus dem Unterbewusstsein ins Bewusstsein vordringt, was und wieviel man seinen damaligen Lehrerinnen und Lehrern zu verdanken hat.
Deshalb war Fritz Mieraus anrührender Vortrag auch als Dank an seinen "alten" Lehrer Hermann Schneider gedacht. Passender hätte es nicht sein können.
Matthias Müller
25.02.2007





