27. Februar 2009

Kunstunterricht gestern und heute

Nach dem Literaturstammtisch im Januar 2009 stand im Februar erstmalig ein "Kunst-Stammtisch" auf der Tagesordnung der Vereinsabende. Kunstlehrer Claus Vejrazka hatte angeboten, den Vereinsfreundinnen und -freunden einmal einen Einblick in die Entwicklung des Kunstunterrichtes in den letzten Jahrzehnten Einblick zu gewähren und der Vorstand hatte das Angebot dankbar angenommen.

Krasser hätten die Gegensätze nicht sein können, die Claus Vejrazka beim Vergleich des alten DDR- mit dem heutigen Gymnasiallehrplan aufdeckte und erläuterte. Das beginnt schon beim Namen dieser Stunden. War es früher schlicht "Zeichenunterricht", so heißt das Fach heute "Kunsterziehung". Eindrucksvoll die Beispiele von Schülerarbeiten aus früheren Zeiten: Pioniere, sowjetische (!) Kosmonauten, Werktätige, NVA-Soldaten, "moderne" Stadtlandschaften, die an Halle-Neustadt erinnern und ähnliches zeigten die Zielrichtung der vorgegebenen Themen. Natürlich hatte der "Zeichenlehrer" auch damals Spielraum, den er mehr oder weniger ausloten konnte. Problematisch war dieser "Zeichenunterricht" für die Schülerinnen und Schüler, die nicht "zeichnen" konnten.

 

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Kunstunterricht 2009 / Fotos: C. Vejrazka

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Viel weiter geht dagegen der heutige "Kunstunterricht". Claus Vejrazka benannte die sehr weit gefassten Themen von der Klassenstufe 5 bis hin zur Jahrgangsstufe 12 und belegte an vielen Schülerarbeiten, die er mit Digitalkamera, Beamer und Laptop "vorzeigbar" gemacht hatte, den neuen Ansatz. Und der dürfte mit "Kreativität entwickeln" und dem kritischen Umgang mit der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen wohl treffend umschrieben sein. Das Verknüpfen unterschiedlichster Materialien und Techniken eröffnet hier auch den Schülern kreative Möglichkeiten, die eben nicht oder nicht gut zeichnen können, dafür aber beeindruckende anders gestaltete Werke kreieren können

Auffällig und im Anschluss des Vortrages heiß diskutiert war die Tatsache, dass im Vordergrund der Darstellung weder "schöne" Landschaften, noch "schöne" Menschen standen, sondern dass die von den Schülern reflektierte "Wirklichkeit" oftmals ernüchternd daherkam. Wären Alkoholismus, zerstörte Landschaften, Spielsucht, Computerabhängigkeit, Entfremdung der Menschen als Themen künstlerischer Schülerarbeiten in der DDR denkbar gewesen?

Und so gab der Abend genügend Futter, das Thema kontrovers zu diskutieren. Dabei ging die Spannbreite der Kommentare von Zustimmung und Erstaunen über die Kreativität der Arbeiten bis hin zur völligen Ablehnung des Gezeigten. Bestimmt hat so mancher der Gäste noch zu Hause weiterdiskutiert.

Spannend und hochinteressant war es allemal. Wie meinte doch eine der anwesenden Vereinsfreundinnen? "Danke für das Thema, ich hatte ja keine Ahnung....".

Matthias Müller
02.03.2009

 

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