13.04. Geschichten im Rampenlicht

Schreibwettbewerb am Lessing-Gymnasium Döbeln

Das Lessing-Gymnasium Döbeln rief in diesem Schuljahr den ersten Schreibwettbewerb der Schule aus. Passend zum Lessing-Jahr war es Aufgabe, eine Fabel im Stile unseres Namensgebers zu verfassen. Die vier Teilnehmerinnen gaben nicht nur kreative Texte ab, welche einer Fabel gemäß ihre eigenen moralischen Überzeugungen widerspiegelten, sondern trauten sich auch, ihre Leidenschaft fürs Schreiben das erste Mal einer Kritik auszusetzen. Ein Lehrkräfteteam aus der Fachschaft Deutsch kam daher in den Genuss, neue Literatur und dadurch auch bisher unbekannte Talente zu entdecken. Die vier Teilnehmerinnen durften sich am 30.03.2026 in einem Literaturcafé über neues Schreibwerkzeug freuen und tauschten sich zudem begeistert untereinander aus. Als Gewinnerin des diesjährigen Schreibwettbewerbs durfte sich Polina Lebid mit ihrer Fabel „Ein richtiger Fuchs?“ über die Veröffentlichung ihres Textes auf der Schulhomepage freuen.

Jenny Reinhardt

Erfolgreiche Teilnehmerinnen beim 1. Schreibwettbewerb des Lessing-Gymnasiums Döbeln (v.l.n.r.: Lisa Starke, Alma Mulde, Polina Lebid und Helene Braun)

Ian Lebid: Ein richtiger Fuchs?

Das Füchslein versteckte sich hinter einem Busch. Ein Hirsch fand ihn und fragte: „Warum sitzt du hier?“
„Ich hab Angst“, antwortete das Füchslein.
„Wovor hast du Angst?“
„Ich bin Pilze sammeln gegangen, und da schrie die Eule, die Häschen lachen, und der Wolf…“, und er fing an zu zittern.
„Na komm, geh mit mir.“
Der Hirsch nahm ihn an die Hand und sie gingen los, um den Wald zu erkunden. Sie kamen zu einem Baum, auf dem eine Eule saß, und sie schrie sie an. Der Hirsch fragte sie: „Warum schreist du?“
Und die Eule antwortete mit müder Stimme: „Ach, ich hab einfach nicht genug geschlafen.“
Der Hirsch schaute das Füchslein an und lächelte. Sie gingen weiter. Als sie zur Lichtung kamen, hörten sie das Lachen der Hasen. Der Hirsch schaute wieder das Füchslein an und sagte, während er ihn leicht anschubste:
„Na los, frag doch.“
Ganz unsicher und ängstlich wandte er sich zu den Hasen: „Warum… warum lacht ihr?“
„Stell dir vor, wir haben gestern ein Pilzchen gegessen, deswegen sind wir heute so gut drauf.“
Der Hirsch schaute das Füchslein wieder lächelnd an und sie gingen weiter zur Pilzwiese. Auf dem Weg stellte sich ihnen ein großer, böser Wolf in den Weg: „Das sind meine Pilze!“
„Stimmt nicht, du isst sie doch gar nicht!“, widersprach der Hirsch.
„Haut ab, hab ich gesagt, meine!“
Das Füchslein sagte leise und verängstigt hinter dem Hirsch: „Lass uns lieber gehen…“
Aber der Hirsch senkte den Kopf, zeigte dem Wolf seine großen Geweihe und sagte: „Du isst diese Pilze nicht, also sind sie nicht deine.“
Der Wolf bekam Angst und lief weg, und der Hirsch sagte zum Füchslein: „Siehst du, manchmal muss man auch die Zähne zeigen.“