29.12. Junge Amerikanerin in Döbeln

Ariana Yamasaki arbeitet seit September als Fremdsprachenassistentin am Lessing-Gymnasium. Vom Kleinstadtleben ist sie begeistert. Wo sie herkommt, hört man ihr nicht an.

Fremdsprachenassistenten aus anderen Ländern machen immer mal am Lessing-Gymnasium in Döbeln Station. Sie alle können ganz gut die Sprache ihres Gastgeberlandes. Ariana Yamasaki aus Kalifornien spricht aber nicht nur ausgezeichnet, sondern praktisch akzentfrei Deutsch. Wie das geht? „Meine Eltern wollten, dass ich eine deutschsprachige Schule besuche. Sie wollten mich nicht auf eine öffentliche Schule schicken“, erzählt sie. Bei Privatschulen in den USA seien Tests vor der Aufnahme üblich, die hatte das kleine Mädchen nicht bestanden. „Meine Eltern waren verzweifelt“, erzählte sie. Die German International School of Silicon Valley, eine zweisprachige internationale Schule, sei eine Alternative gewesen.

Ariana Yamasaki arbeitet bis zum Sommer als Fremdsprachenassistentin am Lessing-Gymnasium in Döbeln. Foto: Lutz Weidler

Alle Lehrer der Schule stammten aus Deutschland. Unterrichtet wurde nach dem Schulsystem des Landes Thüringen. Die junge Amerikanerin hatte mit fünf Jahren in der Vorschule angefangen, Deutsch zu sprechen. „Es war schwer. Ich habe am Anfang nichts verstanden.“ Ihre Eltern sprechen die Sprache gar nicht. Später hat die 23-Jährige Politikwissenschaften und Philosophie studiert. „Im Studium habe ich kein Deutsch gesprochen. Aber ich habe Nachhilfe gegeben.“

In Deutschland ist die junge Amerikanerin nicht zum ersten Mal. „Ich war ein Jahr als Austauschschülerin in Duisburg. Dort habe ich auch beim MSV Duisburg Fußball gespielt.“ Jetzt ist sie über die Austauschorganisation Fulbright Germany wieder im Land. Noch bis zum Sommer wird sie am Lessing-Gymnasium beim Englischunterricht mithelfen. Von Döbeln hat sie eine hohe Meinung. „Ich finde es schön, in einer Kleinstadt zu sein. Zu Fuß kann man überall hin und es kostet weniger. In Amerika muss man überall mit dem Auto hinfahren.“

Im Leistungskurs Englisch der 11. Klasse hatte die 23-Jährige auch schon eigenständig unterrichtet. „Die Lehrer sind sehr hilfsbereit und haben viele Tipps gegeben.“ Auch in der Grundschule in Döbeln Ost hilft die Amerikanerin beim Englisch lernen. „Ich bin dort an einem Tag in der Woche in der Englisch-AG und lehre den Viertklässlern die Sprache. Die Kinder sind sehr niedlich.“ Auch von einem anderen außerschulischen Angebot ist die 23-Jährige begeistert „Montags haben wir Lehreryoga. Das finde ich richtig gut.“ Gern würde sie in Döbeln auch Anschluss an eine Frauen-Fußballmannschaft finden.

Von Sachsen hat sich die Fremdsprachenassistentin schon einiges angesehen. „Am Wochenende war ich in Leipzig auf dem Weihnachtsmarkt. Außerdem im Kaffee- und im Kunstmuseum.“ Mit ihrer Mutter, die zu Besuch war, sei sie auch in Dresden gewesen. „Wir haben uns die Galerie Alte Meister angesehen, waren in der Porzellanausstellung und haben uns ein Vivaldi-Konzert angehört. Das habe ich sehr genossen“, erzählte sie. Weihnachten wird sie nicht allein verbringen. „Eine Freundin kommt aus Hawaii zu Besuch.“

Die deutschen Weihnachtsbräuche hatte die junge Amerikanerin schon in ihrer Zeit in Duisburg kennengelernt. „Wir haben viele Waldbrände in Kalifornien. Brennende Kerzen auf dem Weihnachtsbaum waren für mich ein Kulturschock“, erzählt sie amüsiert. In Amerika setze man mehr auf künstliche Weihnachtsbäume. „In Kalifornien ist es zu Weihnachten meistens wärmer. 40 Fahrenheit ist das kälteste.“ Das entspricht etwa fünf Grad Celsius. Schlittschuhlaufen gibt es auch – aber auf Kunststoffbahnen. In den USA sei es zu Weihnachten üblich, mit dem Auto durch die Straße zu fahren und sich die geschmückten und beleuchteten Häuser anzuschauen.

Bescherung ist in Amerika nicht Heiligabend. „Wir öffnen die Geschenke am 25. Dezember morgens“, erzählt Ariana Yamasaki. Und auch die in Deutschland traditionellen gemeinsamen Weihnachtsessen in Familie sind in Amerika eher auf einen anderen Tag verlegt: auf Thanksgiving im November. „An diesem Tag gibt es bei uns ein Festessen.“

Auf die Entwicklungen in ihrem Heimatland unter Präsident Donald Trump schaut die junge Amerikanerin skeptisch. „Ich mache mir Sorgen. Ich bin in Deutschland, um ein gutes Verhältnis zu den USA zu unterstützen. Das läuft derzeit nicht so gut. Ich habe aber Hoffnung für die Zukunft.“

Bis zu den Sommerferien wird Ariana Yamasaki in Döbeln bleiben. Danach plant sie ein Masterstudium Deutsch- und Europastudien an der Georgetown University in Washington. „Im September geht es los. Ich freue mich darauf, weiterzulernen. Später will ich im Außenministerium arbeiten. Wenn mir das nicht gefällt, könnte ich auch noch Deutschland kommen und als Lehrerin unterrichten.“

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
20.12.2025