05.02. Kleine Wunder im großen Chaos

Erlesene Kost beim Poetry Slam - verschiedene Slammerinnen des LGD überzeugen mit selbstgeschriebenen Texten, Lena Schulz begeisterte als Sängerin.

Ein Poetry-Slam-Abend, organisiert von der Projektgruppe „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“, gehört mittlerweile zum Schuljahr fast schon dazu. In diesem Jahr stand der Abend unter dem Titel „Kleine Wunder im großen Chaos“. Die Aufforderungen auf dem Plakat machten neugierig: „Zeige dein Talent, teile deine Stimme und spüre die Atmosphäre!“ und „Sei Teil einer Nacht voller Lachen, Kreativität und Musik!“

Am Donnerstagabend vor den Winterferien kamen dann wirklich bemerkenswerte Texte zum Vortrag, die in ihrer inhaltlichen Dichte und sprachlichen Geschliffenheit überzeugten. Selten wird es in der Aula so emotional und so persönlich. Loben kann man sowohl die Poetry-Slammerinnen als auch die Organisatoren des gelungenen Abends. Emilia Loschinski, die als Chefin der Courage-Gruppe den „Hut“ aufhatte, fiel am Ende der Veranstaltung ein Stein vom Herzen. Die Gäste, darunter auch zahlreiche Mitglieder des Fördervereins, fanden Gefallen an der jugendlich-frischen Art der Vorträge und an dem kurzweiligen Wechsel von Musik und gelesenem Wort.

In Erinnerung bleibt die lockere Moderation von Mia Weinberg und Luana Schulze. Locker wirkte die übrigens, weil sie gut vorbereitet war. Die Slams des Abends zeigten eine beeindruckende Bandbreite an Themen und ganz viel Gefühl. Es war teilweise bewundernswert, wie einzelne Akteure einerseits die gravierenden Probleme unserer Zeit beschrieben und anderseits spielerisch und humorvoll Lösungen aufzeigten. Manchmal reicht es ja auch, wenn man im großen Chaos der Welt nicht selbst die Orientierung verliert.

So wünscht sich Julia in ihrem Slam ihre Kindheit zurück, in der sie noch nicht für 1000 Dinge Verantwortung hatte und mit der Leichtigkeit, die Kindern eigen ist, auf die Welt blickte. Julia, selbst der Schule schon entschwunden, war jahrelang Mitglied der Courage-Gruppe und ist für viele Jüngere ein Vorbild, weil sie nicht nur davon träumt, die Welt ein bisschen besser zu machen, sondern es auch in einem freiwilligen sozialen Jahr in Paraguay tat.

Sam erzählte in seinem Text, wie oft er über die Intoleranz und Borniertheit seiner Mitmenschen verzweifelt ist und dann aber doch immer wieder auf solche trifft, die ihn so akzeptieren, wie er ist, und ihm damit Hoffnung machen, dass der Mensch doch die Kraft zum Guten und zur Toleranz in sich trägt.

Vom Auf und Ab der Gefühle berichten in einem witzigen Zwiegespräch die beiden Lehrer Niclas Noçon und Jan Murawski, die schon im vergangenen Jahr ihr poetisches Talent aufblitzen ließen. Wenn ein Lehrer voller Optimismus auf seine „Lehranstalt“, die Bildung im Allgemeinen und seine Schüler im Besonderen blickt und dann auf einen notorischen Pessimisten trifft, birgt das natürlich großes Humorpotential. Beide nutzten es und zeigten damit, dass die Lehrer des LGD einerseits auch dichterisches Talent haben und - fast noch wichtiger - auch über sich selber lachen können.

Danach führte uns Ian mit seinem Text „Zwischen Deadlines und Sternen“ zu der Erkenntnis, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein. Luana schaut sich danach das „große Chaos“ mal durch die Augen ihrer Hündin Coco an, die sogar persönlich anwesend war. Coco findet Chaos eher nervig, was schnell zu der Erkenntnis führen könnte, dass die wirklich wichtigen Dinge des Lebens schlicht sind. Vielleicht sollten wir uns manchmal unsere Hunde zum Vorbild nehmen. Die sind nämlich schnell glücklich. Ein Leckerli und ein Frauchen, das sich Zeit für ein paar Streicheleinheiten nimmt, reichen manchmal schon. Diese Betrachtungen könnten dann schnell zu der Frage führen, ob unser hoher Anspruch ans Glück nicht manchmal etwas übertrieben ist.

Was ist eigentlich „normal“? Was ist „Chaos“ und was ein „Wunder“? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Annika in ihrem Slam und stellt so einen gelungenen und den Abend abschließenden Bezug zum diesjährigen Motto her.

Zeit zum Nachdenken über die bedeutungsvollen Texte bot sich bei den zahlreichen musikalischen Parts des Abends. Für diese zeichnete Lena Schulz, ehemalige Schülerin und derzeit bei uns Bundesfreiwilligendienstleistende, verantwortlich, die von Jan Murawski, unserem Oberstufenberater, am Flügel begleitet wurde. Mit ihrer kraftvollen Stimme und ihrer emotionalen Interpretation der Songs begeistert Lena immer wieder ihr Publikum.

Am Ende der Veranstaltung waren sich die Besucher einig: Ein gelungener Abend fand hier gerade sein Ende und jene, die immer noch daran zweifeln, konnten sie sehen und erleben, die kleinne Wunder im großen Chaos.

M. Höhme


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