17.02. Planspiel Landtag
Verstehen, Debattieren und Entscheiden
Am 3. Februar 2026 bekam unsere Schule Besuch von drei Mitarbeitern der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, kurz SLPB. Zusammen mit allen Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 stellten sie einen Tag lang die Arbeit des Sächsischen Landtags nach.
Nach einer kurzen Einführung in der Aula wurden die über 90 Schüler zufällig in vier Fraktionen aufgeteilt: die Konservativen, die Sozialen, die Anderen und die Ökologischen. Zusätzlich erhielten die Fraktionen vier Gesetzentwürfe, einen von jeder Fraktion, zu den Themen, dass das Wahlrecht schon ab 16 gelten soll, das Tragen von Body-Cams für Polizeibeamte in Sachsen zur Pflicht werden soll, die Einführung von Gesamtschulen nun auch in Sachsen kommen soll und das Zeigen von Nationalstolz in Form von Flaggen an den Schulen und das Singen der Nationalhymne bei besonderen schulischen Events eingeführt werden sollen.
In den einzelnen Fraktionen wurde dann über die Gesetzentwürfe diskutiert. Man hat Vorteile und Nachteile an diesem Gesetz zusammengetragen, um sich besser orientieren zu können. Man musste sich später als Partei dazu positionieren und zu einem festen Entschluss kommen, ob man für oder gegen einen Gesetzentwurf ist.
Gemeinsam wurde dann in einem Ausschuss, zusammen mit Fraktionsmitgliedern anderer Parteien, über den jeweiligen Gesetzentwurf gesprochen und die Position der eigenen Partei dargelegt. Ziel dabei war, für alle eine bestmögliche Lösung zu finden. Dadurch konnte man sich in drei von vier Ausschüssen auf einen Änderungsantrag des Gesetzes einigen.
In der zweiten Fraktionssitzung hat man sich gegenseitig über das Geschehen im Ausschuss und die Gesetzänderung informiert und jede Gruppe hat zu dem Thema ihres Ausschusses eine Rede geschrieben, in der man nochmal auf die positiven und negativen Aspekte des Gesetzes eingegangen ist. Insgesamt sind dadurch für die spätere Plenarsitzung vier Reden pro Fraktion entstanden,
„Die 4. Gewalt“, die Medien, stellte vor der Plenarsitzung noch ihre Artikel vor. Unterteilen kann man die Medien in die Qualitätszeitung und die Boulevardpresse. Eva und Winnie, die Verantwortlichen für die Qualitätszeitung, gingen bei ihrem Bericht auf die Positionen, Meinungen und das Klima während der Sitzungen ein. Während Justin und Malte sich als Boulevardpresse direkt und indirekt über die Parteien lustig gemacht haben und ihre Artikel wenig informativ waren.
Nach dieser kurzen, lustigen Vorstellung begann schließlich die Plenarsitzung. Sie startete wie jede Sitzung förmlich mit der Eröffnung durch das Präsidium des Landtages. Sobald der erste Beratungspunkt aufgerufen wurde, setzte die Aussprache ein, in der sich die Redner der vier Parteien am Pult abwechselten. Während der Debatte versuchten die Fraktionen, ihre Vorhaben zu verteidigen, während die Opposition kritische Gegenpositionen einnahm, was oft durch Zwischenfragen oder spontane Zurufe der anderen Parteien ergänzt wurde. Nachdem alle Argumente ausgetauscht worden waren, endete ein Prozess mit der Abstimmung, bei der die Abgeordneten per Handzeichen über den Entwurf entschieden, bevor das Präsidium das Ergebnis verkündete und zum nächsten Punkt überging.
Aus diesem Projekttag hat man vor allem die Erkenntnis mitgenommen, dass Politik ein strukturiertes Handwerk ist, das auf sachlicher Vorbereitung und gegenseitigem Austausch basiert. Das Durchlaufen der verschiedenen Phasen, von der ersten Analyse der Gesetzentwürfe bis hin zur finalen Rede, machte uns bewusst, dass eine fundierte Meinung erst durch das Abwägen von Pro- und Contra-Argumenten entsteht. Die Erfahrung in den Ausschüssen hat dabei verdeutlicht, dass das Ziel nicht das Beharren auf der eigenen Position ist, sondern die gemeinsame Erarbeitung von tragfähigen Lösungen in Form von Änderungsanträgen. Zum Teil wurde allerdings auch kritisches Verständnis für die öffentliche Wirkung von Politik entwickelt. Durch die Gegenüberstellung der sachlichen Qualitätszeitung und der überspitzten Boulevardpresse wurde gezeigt, wie sehr die Darstellung in den Medien das Bild der politischen Arbeit beeinflussen und verzerren kann. Durch das Nachspielen des Plenums wurde die Bedeutung parlamentarischer Regeln und Abläufe verinnerlicht. Eine funktionierende Demokratie ist darauf angewiesen, dass unterschiedliche Fraktionen trotz gegensätzlicher Ansichten nach festen Regeln miteinander debattieren und am Ende zu einer demokratisch legitimierten Entscheidung gelangen.
Helena Nitsch & Giulliana Hermoso Acosta



