29.11. Geschichte der gehörlosen Hannah bei KiKa

Seit März hat das Studio Klarheit an einem Film über das Mädchen aus Döbeln gedreht. Jetzt kommt er ins Fernsehen.

Seit März hat das Studio Klarheit an einem Film über das Mädchen aus Döbeln gedreht. Jetzt kommt er ins Fernsehen. Von Jens Hoyer Hannah ist mit einem Handicap geboren worden. Sie kam gehörlos auf die Welt. Dass sie kaum Einschränkungen erlebt, trotzdem hört, ganz normal spricht, sogar ein Instrument spielt, hat sie den Fortschritten der Medizin zu verdanken. Ihr war schon als Kleinkind sogenannte Co chlea-Implantate eingepflanzt worden, die die Signale aus zwei Audioprozessoren ans Gehirn weiterleiten. Auffällig sind die bunten Übertragungsspulen, die Hannah am Hinterkopf trägt.

Hannah in Frühjahr am Stiefelbrunnen auf der Breiten Straße, wo sie mit ihrer Familie lebt. Sie hat ein aufregendes Jahr mit Dreharbeiten erlebt. Foto: Dietmar Thomas

Am Sonntag werden ganz viele Menschen die fröhliche Elfjährige kennenlernen. Der Sender KiKa bringt den Film „Hannahs bunte Ohren“ über das Mädchen aus Döbeln. Seit dem Frühjahr hatte das Studio Klarheit aus Dresden mit Hannah gedreht und einen 25-minütigen Streifen produziert. Eine ganz neue Erfahrung für die aufgeweckte Schülerin, die seit diesem Jahr das Gymnasium in Döbeln besucht.

Ende März waren die ersten Szenen bei einem Besuch der Uni-Klinik in Dresden aufgenommen worden. Mutti Yvonne Roßberg erinnert sich mit Grausen. „Wir haben im Schneetreiben drei Stunden bis Dresden gebraucht.“

Zweimal im Jahr muss das Mädchen für Untersuchungen in die Klinik. „Da wird geprüft, ob mit der Technik im Kopf alles in Ordnung und wie die Sprachentwicklung von Hannah ist.“ Mit der Audiometrie wird das Hörvermögen des Mädchens überprüft. „Das war ein interessanter Drehtag. Da werden alle mal sehen, wie das abläuft“, erzählt die Mutter. Eine der HNO-Ärztinnen sei sehr aufgeregt gewesen. „Hannah hat zu ihr gesagt: Machen Sie es, wie Sie es immer machen“, erzählt Yvonne Roßberg lächelnd.

Das Gymnasium hat sich auf die Besonderheiten seiner neuen Schülerin eingestellt. Um Nebengeräusche zu eliminieren, hatte die Stadt das Klassenzimmer und das Musikkabinett mit Schallschutzdecken nachrüsten lassen. Am dritten Schultag hielt die Elfjährige einen Vortrag über ihr Handicap. Vor den Mitschülern und der Kamera. Und das nicht nur einmal, sondern dreimal, bevor alles im Kasten war. „Das Filmteam hat erzählt, man habe eine Stecknadel fallen hören können. Und am Schluss gab es Beifall“, erzählt Yvonne Roßberg. Hannah erzählt, dass sie auch danach viele Fragen beantworten musste. Ihr gefällt es im Gymnasium. „Ich habe in der Klasse schnell neue Freunde gefunden.“

Das Studio Klarheit hat für den 25-minütigen Film viele Stunden Material aufgenommen. Hannah zu Hause mit ihrer Freundin Fabienne, Hannah beim Reiten bei Bekannten. Und Hannahs Unterricht in der Musikschule. Sie lernt Flöte, seit sie die erste Klasse besuchte. „Das macht Spaß. Zu Weihnachten werde ich zwei Lieder für die Familie spielen“, erzählt sie. Erst Mitte November waren die Dreharbeiten für die Elfjährige zu Ende gegangen. Und zwar mit letzten Tonaufnahmen. „Weil ich immer wie ein ICE rede“, meint sie. Das Studio Klarheit war auf den Wirbelwind Hannah bei seiner Arbeit für die Stadt Döbeln aufmerksam geworden. Nanina und Jörg-Peter Bauer nehmen seit Jahren Zeitzeugeninterviews auf. Bei einem Dreh mit Lutz Roßberg, dem Großvater des Mädchens, sei Hannah dazugekommen. „Sie hat gesagt, sie würde auch gerne einen Film machen. Als wir sie fragten, was für einen Film, sagte sie, dass sie über ihr Leben erzählen will. Sie wollte anderen Kindern sagen, dass man alles schaffen kann“, sagte Nanina Bauer.

Das Thema Gehörlosigkeit war für die Filmemacher kein neues. Sie hatten auch schon einen Film über eine gehörlose Schauspielerin gedreht. Die Vorbereitungen für „Hannah schafft das“ – so der Arbeitstitel – hatten dann aber noch geraume Zeit in Anspruch genommen. Erst musste ein Sender gefunden werden. „Bei KiKa haben wir gemerkt, das passt gut zusammen.“ Filme drehen, ist aufwendig und teuer. „Bevor der erste Dreh losgeht, ist ein Drittel der Arbeit schon gelaufen“, sagte Nanina Bauer.

Der Faktor Zeit spielte bei diesem Film noch eine andere Rolle: Von den ersten Ideen bis zur Umsetzung war Hannah zwei Jahre älter geworden. „Sie spricht mit elf Jahren über andere Dinge als mit neun“, so Nanina Bauer. Auch das Format des Films sei ein besonderes. Hannah erzählt über sich selbst. „Es gibt keinen anderen, der über Hannah spricht. Das ist auch eine Schwierigkeit. Was das Kind nicht sagt, das haben wir nicht. Drehtage lassen sich da nicht planen.“

Eine Herausforderung sei es auch gewesen, die Einwilligung aller Eltern für die Dreharbeiten beim Tanzturnier und in der Schule zu bekommen. Aber alle hätten zugestimmt. „Die Tanzgruppe und die Klasse waren traumhaft“, sagte Nanina Bauer. „Die Klasse war wie gecastet. Wie die Schüler mitgemacht haben, alle waren konzentriert und es wurden einige sehr kluge und anteilnehmende Fragen gestellt“, so die Filmemacherin.

Bisher gibt es nur einen Trailer für den Film am Sonntag. In der ganzen Länge haben ihn auch Hannah und ihre Familie noch nicht gesehen. „Wir werden uns überraschen lassen“, meint die Mutter.

Schau in meine Welt! HANNAHS BUNTE OHREN, Sonntag, 3. Dezember, 20.35 Uhr, KiKa

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
29.11.2023

Höhepunkte im Schuljahr (Auswahl):

  • Begegnungswoche Klasse 5
  • Goldenes (50) und Diamantenes (60) Abitur
  • Poetry Slam
  • Weihnachtskonzerte der Chöre und der Band
  • Winterlager für die Klassen 6
  • Schnupperstunden für die 4. Klassen
  • Hallenfußballturnier
  • Tag der offenen Tür
  • Wissenschaftsabend der 10. Klassen
  • Ballathon
  • Lauf mit Herz
  • Sommerkonzerte der Chöre und der Band
  • Theateraufführungen
  • Schüleraustausch mit Frankreich und der Tschechischen Republik
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